Die 0:1-Niederlage bei Alemannia Aachen hat bei Fortuna Düsseldorf vor allem eines deutlich gemacht: Im eigenen Spiel mit Ball fehlt noch die nötige Sicherheit gegen einen aggressiv verteidigenden Gegner. Trainer Alexander Ende und seine Spieler sparten nach der Partie nicht mit Selbstkritik. Neben dem frühen Gegentor beschäftigten die Düsseldorfer vor allem die Probleme im Spielaufbau, gleichzeitig sahen sie in der Reaktion nach der Pause auch Ansätze, auf denen sich aufbauen lässt.
Ende hadert mit Fehler vor dem 0:1
Dass Düsseldorf am Tivoli früh einem Rückstand hinterherlaufen musste, führte Alexander Ende auf Fehler zurück, vor denen seine Mannschaft im Vorfeld gewarnt gewesen sei. Gerade gegen das intensive Aachener Pressing hätte die Fortuna in gefährlichen Bereichen schneller und konsequenter agieren müssen. Der entscheidende Ballverlust vor dem Treffer von Lukas Scepanik in der zehnten Minute passte aus Sicht des Trainers deshalb zu den Schwierigkeiten der ersten Hälfte. Ende sprach von „symptomatischen Fehlern, die uns nicht passieren dürfen“. Seine Mannschaft habe gewusst, dass Aachen auf Ballgewinne lauern würde, sei in entsprechenden Situationen aber dennoch zu langsam geworden.
Nach der Pause sah der Fortuna-Coach dagegen eine deutliche Steigerung. Mit den drei Wechseln zur Halbzeit erhöhte Düsseldorf zunächst den Druck. Die Hoffnung auf eine Wende erhielt allerdings durch die Gelb-Rote Karte gegen Elias Egouli in der 62. Minute einen erheblichen Dämpfer. Trotz Unterzahl blieb die Fortuna bis in die Nachspielzeit auf einen Treffer aus. Ende räumte gleichzeitig ein, dass das höhere Risiko Aachen Räume für Konter eröffnete und dabei durchaus das 2:0 hätte fallen können. Dennoch habe seine Mannschaft bis zum Ende auf den „Lucky Punch“ gehofft.
Zimmermann fordert andere Lösungen im Spielaufbau
Besonders grundsätzlich fiel die Analyse von Matthias Zimmermann aus. Der 34-Jährige machte deutlich, dass die Fortuna gegen eine konsequente Mannorientierung noch nicht die passenden Lösungen zuverlässig auf den Platz bringt. „Ich glaube, da müssen wir noch viele Schritte machen“, sagte Zimmermann. Vor allem die Sauberkeit im Ballbesitz müsse besser werden. Einen Ansatz sieht er darin, häufiger die Angreifer direkt anzuspielen und anschließend geschlossen nachzurücken. Düsseldorf müsse den sogenannten Ankerball auf die letzte Linie öfter nutzen, damit die Stürmer Zuspiele festmachen und dem Team dadurch ermöglichen können, weiter nach vorne zu schieben.
Darin sieht Zimmermann noch „riesiges Potenzial“. Funktioniere dieses Mittel besser, könnte die Fortuna zugleich für mehr Entlastung sorgen und sich häufiger selbst Möglichkeiten nach Umschaltsituationen erarbeiten. Auch Fabian Schleusener bemängelte die fehlende Zielstrebigkeit. Zu Beginn sei Düsseldorf mit vergleichsweise einfachen Mitteln noch nach vorne gekommen. Im weiteren Verlauf habe die Mannschaft jedoch zu häufig den direkten Weg vermissen lassen und sich von Aachen zu langen Bällen zwingen lassen.
Oberdorf sieht weiterhin viel Arbeit
Tim Oberdorf richtete den Blick vor allem auf die Entwicklung der Mannschaft. Der Innenverteidiger bewertete den Beginn der zweiten Hälfte positiv, ehe der Platzverweis die Ausgangslage erneut veränderte. „Ich glaube, dass wir trotzdem weiter versucht haben, natürlich auf eine andere Art und Weise in Unterzahl, den Ball in die festen Räume reinzubekommen und auch da immer wieder Situationen in der Box kreieren konnten.“ Gleichzeitig sieht Oberdorf die Mannschaft noch längst nicht am Ziel. In einzelnen Szenen der vergangenen Wochen sei bereits erkennbar gewesen, welchen Fußball Düsseldorf spielen wolle. „Aber dadurch, dass das noch zu selten ist, glaube ich schon, dass man sagen muss, dass in vielen Bereichen noch Arbeit vor uns liegt.“
Schleusener schlug in eine ähnliche Richtung ein. Aachen sei gerade in engen Mittelfeldräumen sehr präsent gewesen und habe Ballverluste der Düsseldorfer für schnelle Gegenangriffe genutzt. „Den Gefallen dürfen wir den Gegner auf keinen Fall machen. Ich glaube, wir hätten heute sehr gerne diese Miniserie, die wir uns erarbeitet haben, weiter ausgebaut.“
Selimbegovic sieht Aachener Plan bestätigt
Während Düsseldorf vor allem die eigenen Defizite analysierte, sah Aachens Trainer Mersad Selimbegovic die Spielidee seiner Mannschaft bestätigt. Die Alemannia habe nur wenige Fehler zugelassen und den vorgesehenen Ansatz mit aggressivem Anlaufen und schnellem Umschalten immer besser umgesetzt. Einen Kritikpunkt fand allerdings auch der Siegertrainer. Aachen hätte die zahlreichen Möglichkeiten nach dem Platzverweis nutzen und die Begegnung wesentlich früher entscheiden müssen.
Für Düsseldorf bedeutet die erste Niederlage nach zuvor vier ungeschlagenen Ligapartien damit mehr als nur drei verlorene Punkte. Die Stimmen aus der Mannschaft zeigen, wo Ende und sein Team den größten Handlungsbedarf sehen: Gegen aggressives Pressing müssen die Entscheidungen mit Ball schneller und sauberer werden. Dass die Fortuna nach der Pause und später sogar in Unterzahl im Spiel blieb, werteten die Beteiligten positiv – für den nächsten Entwicklungsschritt soll aus diesen Phasen nun aber mehr entstehen.



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