Der MSV Duisburg will Michael Preetz über den Sommer 2027 hinaus halten und dabei auch die Zuständigkeiten zwischen Vereinsvorstand und Geschäftsführung neu ordnen. Vorstandschef Dirk Broska strebt an, dem hauptamtlichen Personal mehr Entscheidungsfreiheit zu geben. Die Gespräche über die Bedingungen einer Vertragsverlängerung sollen im November folgen, eine Einigung wünscht sich Broska Anfang 2027.
Die grundsätzliche Bereitschaft zur Fortsetzung der Zusammenarbeit besteht auf beiden Seiten. Nach Angaben des Vorsitzenden wurde das bei einem ersten Austausch mit Preetz bereits deutlich. Eine Vereinbarung über die Verlängerung des zum 30. Juni 2027 auslaufenden Vertrags steht allerdings noch aus. Dabei müssen sich beide Seiten nicht nur über finanzielle Fragen verständigen, sondern auch darüber, wie der MSV künftig geführt werden soll.
Weniger Abstimmungen bei Spielerverträgen
Ein wesentlicher Punkt ist für Broska die Abgrenzung zwischen dem ehrenamtlichen Vorstand und der KGaA, in der das Profigeschäft mit Geschäftsführung und Aufsichtsrat angesiedelt ist. Der Vorsitzende möchte die Verantwortlichkeiten klarer verteilen und den hauptamtlichen Entscheidern im Tagesgeschäft größere Freiräume ermöglichen. Bislang legt ein Zustimmungskatalog fest, bei welchen Angelegenheiten die Geschäftsführung den Vorstand einbeziehen muss. Diese Vorgaben sind Broska zu eng. Gerade bei Spielerverträgen möchte er die Beteiligung des ehrenamtlichen Gremiums reduzieren. Im Drittligabetrieb sei die bisherige Regelung noch praktikabel. Bei einem möglichen Aufstieg würde sie aus seiner Sicht jedoch zu viele zusätzliche Abstimmungen erforderlich machen.
Hinzu kommt der Zeitdruck, unter dem Personalentscheidungen im Profifußball mitunter getroffen werden müssen. Broska sieht deshalb keinen Vorteil darin, den Vorstand mit möglichst vielen Einzelfällen zu befassen. Bei dieser Frage liegen seine Vorstellungen und die von Preetz nach eigener Darstellung nah beieinander. Der Geschäftsführer habe im ersten Gespräch ebenfalls erläutert, welche Rahmenbedingungen er sich für seine weitere Arbeit wünsche.
Saisonplanung soll nicht ohne geklärte Führung beginnen
Dass Broska die Personalie möglichst früh entscheiden möchte, hat einen konkreten organisatorischen Hintergrund. Anfang 2027 rücken die Wirtschaftsplanung für die folgende Spielzeit und die Vorbereitung des Lizenzierungsverfahrens in den Mittelpunkt. Dann soll feststehen, wer diese Planungen anschließend verantwortet. „Mein Wunsch wäre es, wenn wir Anfang nächsten Jahres Vollzug an dieser Stelle melden können“, wird der Vorsitzende von der „NRZ“ zitiert. Der im Juli gewählte Vorstand würde damit auch sein angekündigtes Vorhaben umsetzen, frühzeitig mit Preetz über dessen Zukunft zu sprechen.
Sollten die Verhandlungen dagegen ohne Einigung enden, müsste der Verein rechtzeitig die Suche nach einer neuen Geschäftsführung aufnehmen. Broska berücksichtigt diese Möglichkeit in seinem Zeitplan, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er eine Fortsetzung der Zusammenarbeit bevorzugt.
Vertrauen reicht über die Tabellenführung hinaus
Die sportliche Entwicklung liefert dem MSV derzeit gute Argumente für Kontinuität. Für Broska ist die angestrebte Verlängerung allerdings nicht an die aktuelle Tabellenführung gekoppelt. Auch eine längere Niederlagenserie würde nach seiner Aussage nichts am grundsätzlichen Ziel ändern, mit Preetz weiterzuarbeiten. Gerade der Umgang mit schwierigen Phasen gehöre schließlich zu den Aufgaben eines Geschäftsführers. Eine mögliche Abwerbung beschäftigt den Vereinschef derzeit ebenfalls nicht vorrangig. Zwar räumt er ein, dass ein Angebot aus der Bundesliga schwer abzuwehren sein könnte. Seine bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit bestärken ihn jedoch in seinem Wunsch, Preetz zu halten: „Ich spüre mit jedem Tag, wie wohl er sich in Duisburg fühlt.“
Aus Broskas Aussagen wird deutlich: Der MSV betrachtet die Personalie als langfristige Führungsentscheidung. Die nächsten Gespräche müssen nun zeigen, ob sich die gemeinsame Bereitschaft auch in verbindliche Vertragsbedingungen und eine von beiden Seiten getragene Aufgabenverteilung übersetzen lässt.



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