Seit Ende November 2025 dürfte Marco Antwerpen wieder auf der Trainerbank sitzen. Eine neue Aufgabe hat der 55-Jährige bislang jedoch nicht übernommen. Vor dem Westduell zwischen Preußen Münster und Rot-Weiss Essen spricht der frühere Coach im Interview mit „RevierSport“ über seine Zukunft, die Zeit nach seiner Sperre und zwei Vereine, mit denen ihn eine besondere Vergangenheit verbindet.
Antwerpen wartet auf die passende Aufgabe
Marco Antwerpen könnte längst wieder als Trainer arbeiten. Seine Sperre endete bereits am 27. November 2025. Dennoch ist der Fußballlehrer bislang nicht auf die Trainerbank zurückgekehrt. Ein Grund dafür ist auch das weiterhin laufende Verfahren im Zusammenhang mit seiner früheren Tätigkeit beim VfL Osnabrück. Zu Einzelheiten möchte sich Antwerpen deshalb aktuell nicht äußern. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe weist er weiterhin zurück.
Die vergangenen Monate habe er genutzt, um seine bisherigen Stationen aufzuarbeiten und seine eigene Arbeit zu hinterfragen. Dabei verweist Antwerpen auch auf seine sportische Bilanz. Gleichzeitig habe er erkannt, dass es durchaus Entscheidungen und Situationen gebe, die er mit etwas Abstand heute anders bewerten würde. Besonders geprägt habe ihn, wie schnell sich die eigene Situation im Profifußball verändern könne. „Man kann Menschen letztlich immer nur vor den Kopf schauen“, erklärte Antwerpen gegenüber „RevierSport“.
Von einem grundsätzlichen Vorbehalt der Vereine gegenüber seiner Person spürt er nach eigener Aussage nichts. Es habe Kontakte und Anfragen gegeben, teilweise über seinen Berater. Bei seinem nächsten Engagement soll jedoch nicht nur die sportliche Perspektive stimmen. Antwerpen betont, dass eine neue Aufgabe auch menschlich passen müsse.
Klassenerhalt mit Osnabrück bleibt in Erinnerung
Seine letzte Station war der VfL Osnabrück. Antwerpen übernahm die Niedersachsen im Dezember 2024 in einer schwierigen sportlichen Lage und führte den Klub anschließend noch zum Klassenerhalt. 22 Pflichtspiele absolvierte Osnabrück unter seiner Leitung, im Schnitt holte die Mannschaft dabei 1,68 Punkte. Antwerpen bewertet insbesondere die Entwicklung in der Rückrunde bis heute positiv. Für ihn habe diese Phase gezeigt, dass er auch unter großem Druck eine Mannschaft stabilisieren und erfolgreich führen könne.
Insgesamt verfügt der 55-Jährige über reichlich Erfahrung im deutschen Profifußball. Nach Stationen bei Rot Weiss Ahlen und Viktoria Köln trainierte er von Dezember 2017 bis Juni 2019 Preußen Münster. Es folgten Eintracht Braunschweig, die Würzburger Kickers, der 1. FC Kaiserslautern, Waldhof Mannheim und schließlich Osnabrück. Besonders erfolgreich verlief seine Zeit bei Viktoria Köln. Mit Eintracht Braunschweig schaffte Antwerpen 2020 zudem den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Münster und Essen haben für Antwerpen besondere Bedeutung
Am Freitag treffen nun zwei Vereine aufeinander, zu denen Antwerpen auch persönlich eine Verbindung besitzt. Für Preußen Münster lief er bereits als Spieler auf und kehrte später als Trainer an die Hammer Straße zurück. Für Rot-Weiss Essen bestritt der frühere Angreifer in der Saison 1999/2000 elf Partien. Beide Vereine stehen für Antwerpen bis heute für traditionsreichen Fußball mit einer außergewöhnlich starken Bindung zwischen Klub und Anhängern.
Vor allem Münster kennt er durch seine Zeit als Trainer noch einmal aus einer anderen Perspektive. Das Umfeld beschreibt Antwerpen als bodenständig und gleichzeitig ausgesprochen begeisterungsfähig. Entscheidend sei dort häufig, dass die Mannschaft auf dem Platz erkennen lasse, dass sie alles investiert. Auch seine kurze Zeit bei RWE ist ihm in Erinnerung geblieben. Die besondere Atmosphäre an der Hafenstraße könne eine Mannschaft enorm tragen, verlange den Spielern zugleich aber auch viel ab.
Unterschiede erkennt Antwerpen vor allem in der jeweiligen Erwartungshaltung. In Essen sei der öffentliche Druck durch das Ruhrgebiets-Umfeld häufig noch unmittelbarer und lauter. Münster verbinde dagegen eine etwas zurückhaltendere westfälische Art mit einer ebenso großen Leidenschaft für den eigenen Verein.
„Eines dieser Derbys, für die man Fußballer oder Trainer wird“
Entsprechend groß schätzt Antwerpen die Bedeutung des direkten Aufeinandertreffens ein. Gerade im Preußenstadion entwickle das Duell eine besondere Dynamik. „Das ist eines dieser Derbys, für die man Fußballer oder Trainer wird“, sagt Antwerpen. Auf dem Platz gehe es bei dieser Paarung nicht ausschließlich um Punkte, sondern immer auch um Prestige. Die gewachsene Rivalität gehöre für ihn zu solchen Begegnungen dazu. Gleichzeitig müsse die Emotionalität auf den sportlichen Rahmen beschränkt bleiben und auf den Tribünen friedlich ausgelebt werden.
Für Antwerpen selbst ist das Aufeinandertreffen auch deshalb besonders interessant, weil zwei prägende Stationen seiner Karriere gegenüberstehen. Während Münster und Essen am Freitag um wichtige Punkte kämpfen, wartet der 55-Jährige weiter auf seine eigene Rückkehr in den Profifußball. An Angeboten scheint es nach seiner Darstellung nicht grundsätzlich zu mangeln, entscheidend ist für ihn vielmehr, dass bei seinem nächsten Verein das Gesamtpaket stimmt.



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