Knapp sieben Wochen nach den schweren Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern kommt die strafrechtliche Aufarbeitung voran. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat inzwischen 23 Tatverdächtige identifiziert, weitere Personen werden noch gesucht. Gleichzeitig wächst in Mannheim der politische Druck, Konsequenzen aus den Vorfällen im Carl-Benz-Stadion zu ziehen.
Ermittler werten weiterhin Videomaterial aus
Die Ereignisse vom 21. August beschäftigen Polizei und Justiz weiterhin intensiv. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Mannheim sind mit Stand vom 6. Oktober 23 mutmaßlich beteiligte Personen bekannt. Bei 18 weiteren Tatverdächtigen steht die Identität dagegen noch nicht fest. Die Ermittlungen sind damit längst nicht abgeschlossen. Noch immer wird umfangreiches Bild- und Videomaterial ausgewertet. Entsprechend kann sich die Zahl der Verfahren weiter erhöhen.
Geprüft werden unter anderem Vorwürfe des Landfriedensbruchs, teilweise in besonders schwerem Fall, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte sowie versuchte und vollendete gefährliche Körperverletzungen. Auch Verstöße gegen das Versammlungsgesetz stehen im Raum. Anklage wurde bislang in keinem der Fälle erhoben.
Die Dimension der Ausschreitungen war erheblich. Insgesamt wurden rund um die Partie 120 Menschen verletzt oder medizinisch behandelt. Darunter befanden sich 35 Polizeibeamte und 85 Zuschauer. Acht Personen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Viele Betroffene litten unter den Folgen von Rauchgasen oder Pfefferspray.
Auch gegen Polizeibeamten läuft ein Verfahren
Die Ermittlungen richten sich allerdings nicht ausschließlich gegen Fußballfans. Die Staatsanwaltschaft hat auch gegen einen Polizeibeamten ein Strafverfahren eingeleitet. Dabei geht es um den Verdacht einer versuchten gefährlichen Körperverletzung im Amt sowie um einen möglichen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Nähere Angaben zu dem konkreten Vorgang liegen bislang nicht vor. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen Polizei, Ermittlungsbehörde und die beteiligten Klubs während der Aufarbeitung miteinander im Austausch.
Sportlich hatte der Abend mit einem 1:0-Erfolg des 1. FC Kaiserslautern nach Verlängerung geendet. Überschattet wurde das Pokalduell jedoch von massivem Pyrotechnik-Einsatz, Auseinandersetzungen und einem Platzsturm. Die Partie musste für mehr als 35 Minuten unterbrochen werden und stand zeitweise vor dem Abbruch.
Mannheimer Gemeinderat beschäftigt sich mit Konsequenzen
Während der 1. FC Kaiserslautern nach den Vorfällen eigene Maßnahmen angekündigt und unter anderem Veränderungen an Sicherheitskonzept und Stadionordnung thematisiert hat, hält sich der SV Waldhof öffentlich bislang deutlich stärker zurück. Auf Fragen von „SWR Sport“ stellte der Mannheimer Drittligist lediglich eine Stellungnahme zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht. Spätestens auf kommunalpolitischer Ebene wird die Aufarbeitung nun jedoch konkreter. Am 13. Oktober soll sich der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung der Stadt Mannheim mit den Ausschreitungen beschäftigen.
Die Grünen im Mannheimer Gemeinderat wollen dabei auch Vertreter des SV Waldhof Mannheim 07 und der Spielbetriebs GmbH einbeziehen. Diskutiert werden sollen unter anderem das Sicherheitskonzept, die Fanarbeit sowie mögliche Veränderungen an der Stadioninfrastruktur. Zudem sollen Gefahreneinschätzung, Polizeieinsatz, entstandene Schäden und Kosten sowie Präventionsmaßnahmen aufgearbeitet werden.
Auch die Freien Wähler haben Konsequenzen gefordert. Sie sprechen sich unter anderem für strengere Kontrollen im Carl-Benz-Stadion aus. Für den SV Waldhof reicht die Bedeutung der Pokalnacht damit längst über mögliche sportgerichtliche Folgen hinaus. Neben den laufenden Strafverfahren steht nun die Frage im Mittelpunkt, welche Lehren Verein, Stadt und Sicherheitsbehörden aus der Eskalation ziehen. Die Sitzung am 13. Oktober dürfte dafür einen ersten öffentlichen Gradmesser liefern.



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