Start Vereine Arminia Bielefeld England lockt Arminias Torwart: Kerskens ungewöhnlicher Weg aus der 3. Liga

England lockt Arminias Torwart: Kerskens ungewöhnlicher Weg aus der 3. Liga

Foto: Alfio Marino - www.alfiomarino.de

Jonas Kersken hat sich mit seinen Leistungen bei Arminia Bielefeld in den Fokus internationaler Erstligisten gespielt. Besonders während der außergewöhnlichen DFB-Pokal-Saison bewies der Torhüter, dass er auch gegen Gegner auf höchstem Niveau bestehen kann. Nun sollen mehrere Vereine aus England und den Niederlanden auf den 25-Jährigen aufmerksam geworden sein.

Mehrere Erstligisten beschäftigen sich mit Kersken

Nach Informationen von Liga3-News liegen Kersken mehrere Angebote von Vereinen aus der Premier League, der höchsten englischen Spielklasse, vor. Darüber hinaus soll auch ein Klub aus der niederländischen Eredivisie konkretes Interesse zeigen. Damit scheint die Auswahl möglicher Abnehmer größer zu sein als zunächst angenommen. Namen der beteiligten Vereine sind bislang nicht bekannt. Ebenso wenig steht fest, ob eines der Angebote bereits so weit fortgeschritten ist, dass ein Transfer unmittelbar bevorsteht.

Klar ist deshalb auch: Noch ist lange nichts entschieden. Gespräche sollen zwar geführt werden, eine Einigung zwischen dem Spieler, Arminia Bielefeld und einem interessierten Klub gibt es jedoch offenbar noch nicht.

England ist für Kersken kein zufälliges Ziel

Dass vor allem Vereine aus der Premier League auf den Schlussmann aufmerksam geworden sein sollen, passt zu seiner Biografie. Kersken wurde in Düsseldorf geboren, besitzt durch seine englische Mutter aber auch einen britischen Pass. Schon während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach gab es Verbindungen auf die Insel. Sowohl der englische als auch der schottische Verband sollen sich damals nach dem Torwart erkundigt haben. Auch das Interesse englischer Spitzenklubs war in jungen Jahren bereits ein Thema.

Ein Wechsel nach England wäre für Kersken deshalb mehr als ein gewöhnlicher Auslandstransfer. Er würde in ein Land gehen, zu dem er auch familiäre Verbindungen besitzt. Gleichzeitig könnte er sich erstmals dauerhaft außerhalb des deutschen Fußballs beweisen.

Die 3. Liga machte ihn zum gestandenen Profi

Kerskens Weg führte nicht direkt auf die große Bühne. Seine Entwicklung wurde vor allem durch die Regionalliga und die 3. Liga geprägt. Nach seinen Jugendstationen bei der SG Unterrath, den Sportfreunden Baumberg und Rot-Weiss Essen wechselte er 2019 zu Borussia Mönchengladbach. Dort kam er überwiegend für die zweite Mannschaft zum Einsatz. Den dauerhaften Sprung in das Tor des Bundesligateams schaffte er nicht.

Mehr Spielpraxis sollte eine Leihe zum SV Meppen bringen. In der Saison 2022/23 sammelte Kersken dort seine ersten Erfahrungen in der 3. Liga. Eine Schulterverletzung stoppte ihn jedoch zwischenzeitlich und verhinderte weitere Einsätze. Sportlich war die Station dennoch wichtig. In Meppen erlebte er erstmals den Druck des Profifußballs, den Abstiegskampf und den wöchentlichen Wettbewerb um Punkte. Diese Erfahrungen halfen ihm beim nächsten Schritt.

In Bielefeld wurde aus dem Talent ein Leistungsträger

Im Sommer 2023 wechselte Kersken zunächst auf Leihbasis zu Arminia Bielefeld. Der Verein war gerade aus der 2. Bundesliga abgestiegen und musste seinen Kader nahezu vollständig neu aufstellen. Kersken erhielt früh das Vertrauen und etablierte sich als Nummer eins. Obwohl die Arminia in ihrer ersten Drittligasaison lange um den Klassenerhalt kämpfen musste, entwickelte sich der Torhüter zu einem der verlässlichsten Spieler der Mannschaft.

Nach Ablauf der Leihe verpflichtete Bielefeld ihn fest aus Mönchengladbach. Die Entscheidung zahlte sich aus. Kersken gehörte anschließend zu den entscheidenden Figuren auf dem Weg zurück in die 2. Bundesliga. Mit starken Leistungen, zahlreichen Spielen ohne Gegentor und einer konstanten Präsenz im Strafraum wurde er zu einem der besten Torhüter der 3. Liga. Gleichzeitig erreichte die Arminia überraschend das Endspiel des DFB-Pokals.

Seine Entwicklung vom Reservetorwart in Mönchengladbach zum umworbenen Schlussmann ist daher eng mit der 3. Liga verbunden. Dort erhielt er die Spielzeit, die ihm zuvor gefehlt hatte. In Bielefeld übernahm er schließlich Verantwortung und entwickelte sich zum Führungsspieler.

Die Eredivisie wäre eine andere sportliche Option

Neben den englischen Interessenten soll auch ein Verein aus der niederländischen Eredivisie um Kersken werben. Ein Wechsel in die Niederlande würde sportlich einen anderen Weg darstellen. Die Eredivisie gilt als Liga, in der junge und entwicklungsfähige Spieler häufig früh Verantwortung erhalten. Gleichzeitig setzen viele niederländische Vereine auf einen spielerischen Aufbau aus der Defensive. Für einen Torhüter, der nicht nur auf der Linie, sondern auch mit dem Ball am Fuß überzeugen soll, kann das eine reizvolle Perspektive sein.

Ob diese Option für Kersken tatsächlich ernsthaft infrage kommt, ist noch offen. Das Interesse aus zwei verschiedenen europäischen Ligen zeigt jedoch, dass sich seine Leistungen auch außerhalb Deutschlands herumgesprochen haben.

Arminia wird Kersken nicht günstig abgeben

Ein interessierter Verein müsste voraussichtlich eine erhebliche Ablösesumme zahlen. Arminia Bielefeld dürfte wenig Interesse daran haben, seine Nummer eins für einen geringen Betrag ziehen zu lassen. Wie lange Kerskens Vertrag tatsächlich läuft, ist öffentlich nicht eindeutig bekannt. Sollte er nur noch bis zum Sommer 2027 gebunden sein, würde das die Verhandlungsposition des Vereins schwächen. Bielefeld müsste dann abwägen, ob ein Verkauf in diesem Sommer wirtschaftlich sinnvoller wäre als ein späterer Transfer unter größerem Zeitdruck.

Auf der anderen Seite ist Kersken Stammspieler, Aufstiegskeeper und ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft. Ein Abschied würde nicht nur sportliche Qualität kosten, sondern auch eine neue Baustelle im Kader öffnen.

Oliver Kirch müsste eine neue Nummer eins finden

Für Trainer Oliver Kirch käme ein Transfer zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Arminia bereitet sich auf die neue Saison vor und müsste bei einem Abgang kurzfristig eine zentrale Position neu besetzen. Hinter Kersken stehen derzeit Leo Oppermann und Philip Hildesheim bereit. Oppermann verfügt bislang nur über wenig Erfahrung in der 2. Bundesliga. Hildesheim wartet noch auf seine ersten Einsätze im professionellen Ligafußball. Es erscheint daher unwahrscheinlich, dass Bielefeld ohne weitere Verstärkung in die Saison gehen würde.

Parallelen zum Weg von Deniz Undav

In Grundzügen erinnert Kerskens Geschichte an den ungewöhnlichen Aufstieg von Deniz Undav. Beide spielten für den SV Meppen, beide nutzten die 3. Liga als Sprungbrett und beide weckten anschließend Interesse aus der Premier League. Undav benötigte ebenfalls einen Umweg. Nach Jahren in der Regionalliga gelang ihm in Meppen der Durchbruch. In zwei Drittligaspielzeiten absolvierte der Angreifer 69 Partien und sammelte 42 Scorerpunkte. Anschließend wechselte er zu Royale Union Saint Gilloise nach Belgien, spielte sich dort in den Fokus von Brighton & Hove Albion und erreichte schließlich die Premier League.

Der Vergleich darf allerdings nicht zu weit geführt werden. Undav wechselte als offensiver Leistungsträger ins Ausland, wurde in Belgien Torschützenkönig und entwickelte sich später zum deutschen Nationalspieler. Kersken steht als Torhüter an einem anderen Punkt seiner Laufbahn und muss sich sein nächstes Niveau erst erarbeiten.

Die Parallele liegt vielmehr in der Karriereplanung. Beide waren keine frühen Stars eines großen Bundesligaklubs. Beide mussten über die Regionalliga und den SV Meppen gehen, bevor sich größere Möglichkeiten öffneten. Undavs Weg zeigt, wie schnell sich eine Karriere entwickeln kann, wenn ein Spieler die passende Station findet.

Kersken-Abgang würde Arminia vor schwierige Suche stellen

Für Kersken könnte ein Wechsel in die Premier League oder Eredivisie eine ähnliche Tür öffnen. Ob daraus tatsächlich eine vergleichbare Erfolgsgeschichte entsteht, lässt sich heute nicht beurteilen. Das Potenzial für den nächsten Schritt hat er durch seine Leistungen jedoch sichtbar gemacht. Sollte Kersken den Verein verlassen, dürfte die sportliche Leitung einen Torhüter suchen, der sofort um den Stammplatz kämpfen kann.

Noch ist ein Transfer keineswegs beschlossen. Die Angebote aus der Premier League und das Interesse aus der Eredivisie sorgen jedoch dafür, dass sich die Situation jederzeit beschleunigen kann. Für Kersken wäre der Schritt ins Ausland der nächste große Sprung einer Karriere, die ihren entscheidenden Schub in der 3. Liga erhielt. Für Arminia würde dagegen die schwierige Suche nach einer neuen Nummer eins beginnen.

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