NOFV erhöht Druck auf DFB: Regionalliga-Reform soll zurück auf den Tisch

Die Reformdebatte um den Aufstieg aus der Regionalliga bekommt neuen Druck von der Basis. Während in der Nordost-Staffel seit Wochen zu Spielbeginn für eine Minute der Ball ruht, fordert der NOFV nun Bewegung vom DFB. In einem Schreiben an Präsident Bernd Neuendorf drängt der Verband auf schnelle Gespräche und eine offene Prüfung aller Modelle.

Protest auf dem Rasen, Druck am Verhandlungstisch

Vier Spieltage ist die neue Saison in der Regionalliga Nordost alt, doch ein Ritual hat sich bereits festgesetzt. Vor den Partien steht der Fußball für 60 Sekunden still. Vereine und Fans setzen damit ein sichtbares Zeichen gegen die weiterhin ungelöste Aufstiegsfrage. Nach dem vorläufigen Scheitern der Reform war es auf Verbandsebene auffällig ruhig geworden. Nun versucht der Nordostdeutsche Fußballverband, die Debatte wieder in Gang zu bringen. NOFV-Präsident Hermann Winkler richtet den Blick dabei direkt nach Frankfurt zum Deutschen Fußball-Bund.

NOFV fordert Runde mit allen Beteiligten

In einem Brief an DFB-Präsident Bernd Neuendorf verlangt der NOFV einen „zeitnahen gemeinsamen Gesprächstermin“. Eingebunden werden sollen die beteiligten Verbände und die maßgeblichen Entscheidungsträger. Der Verband will die Diskussion nicht auf ein einzelnes Konzept verengen. Stattdessen sollen alle realistischen Varianten „ergebnisoffen“ auf den Tisch. Besonders im Fokus steht das Kompassmodell, das im Nordosten bei der Vereinsabstimmung klar favorisiert wurde. Daneben nennt der NOFV auch eine mögliche Neuordnung der Regionalligen sowie eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften mit dann fünf direkten Aufsteigern. Entscheidend ist für den Verband, dass keine Lösung vorab ausgeschlossen wird. Genau daran war die Reform zuletzt politisch hängen geblieben.

Außerordentlicher Bundestag als Druckmittel

Der NOFV prüft zudem, einen Antrag auf einen außerordentlichen DFB-Bundestag einzubringen. Damit soll der Reformwille der Vereine nicht nur sportpolitisch, sondern auch formal sichtbar gemacht werden. Der Verband verweist auf ein deutliches Stimmungsbild in seinem Gebiet. 97,4 Prozent der abstimmenden Vereine hätten sich für eine Änderung der bestehenden Aufstiegsregelung ausgesprochen. Auch die Proteste in den Stadien hebt der NOFV hervor. Sie seien friedlich, aber unübersehbar.

Reform scheiterte an fehlender Einigkeit

Ende Juni war der Versuch, eine neue Aufstiegsregelung auf den Weg zu bringen, ohne einstimmiges Ergebnis geblieben. In den Regionen West, Nord und Nordost fand das Kompassmodell mehrheitlich Unterstützung. Der Südwesten votierte dagegen für das Regionenmodell, Bayern verfolgt einen eigenen Ansatz. Eine Umsetzung zur Saison 2028/29 wäre nur möglich gewesen, wenn sich alle fünf Regionalliga-Bereiche auf ein gemeinsames Modell verständigt hätten. Genau diese Einigung kam nicht zustande.

Nun versucht der NOFV, den festgefahrenen Prozess neu zu öffnen. Die Botschaft ist klar: Der Protest soll nicht bei einer Minute Stillstand vor dem Anpfiff enden, sondern in konkrete Gespräche münden.