Matthias Mink verlangt von Fortuna Köln schon am zweiten Spieltag eine Reaktion, und zwar auf mehreren Ebenen. Nach dem ernüchternden 0:1 zum Auftakt wartet mit Alemannia Aachen ein Gegner, der gerade jene Fehler bestrafen kann, die den Kölnern in Großaspach Probleme bereiteten. Gleichzeitig muss der Aufsteiger den schweren Ausfall von Jasper Löffelsend auffangen.
Mink fordert Bodenhaftung statt Aufstiegs-Euphorie
Eine Niederlage zum Start reicht Matthias Mink nicht, um die neue Saison grundsätzlich infrage zu stellen. Dass die Stimmung nach dem 0:1 in Großaspach gedämpft war, kann der Fortuna Trainer nachvollziehen. Was er vermeiden will, sind falsche Maßstäbe. Die Dritte Liga verzeiht deutlich weniger als die Regionalliga. Genau daran müsse sich seine Mannschaft gewöhnen. Wer davon ausgehe, dass Fortuna auch nach dem Aufstieg regelmäßig Spiele in ähnlicher Häufigkeit gewinnen werde, verkenne die neue Konkurrenzsituation.
Mink verlangt deshalb vor allem „Bodenhaftung“, wie er vom „Kölner Stadt Anzeiger“ zitiert wird. Niederlagen dürften schmerzen, entscheidend sei jedoch, welche Schlüsse daraus gezogen werden. Fortuna könne auch eine Klasse höher bestehen, müsse für Erfolge aber Woche für Woche an die eigene Leistungsgrenze kommen. Die nächste Gelegenheit dafür bietet sich bereits am Samstag um 14 Uhr im Südstadion. Und die Aufgabe könnte kaum anspruchsvoller sein.
Aachen kommt mit Tempo und Selbstvertrauen
Alemannia Aachen reist nicht nur als namhafter Gegner nach Köln, sondern auch mit Rückenwind. Das 4:1 gegen den SC Verl zum Saisonauftakt hat früh gezeigt, welche Wucht die Mannschaft entwickeln kann. Eine besondere Rolle spielt dabei Mika Schroers. Der Flügelspieler hatte bereits in der vergangenen Drittliga Saison auf sich aufmerksam gemacht und war auch gegen Verl erfolgreich. Mink weiß um dessen Qualitäten, möchte die Partie aber keinesfalls auf ein einzelnes Duell reduzieren.
Schroers sei ohne Zweifel „ein starker Spieler“. Gefährlich werde Aachen jedoch vor allem deshalb, weil mehrere Akteure Begegnungen auf diesem Niveau entscheiden könnten.Fortuna wird deshalb nicht mit individuellen Lösungen allein weiterkommen. Mink verlangt Kompaktheit, gegenseitige Absicherung und konsequente Arbeit gegen den Ball. Gerade in direkten Duellen soll niemand auf sich allein gestellt bleiben.
Genau Fortunas Schwachstelle könnte Aachen attackieren
Besonders kritisch blickte Mink nach dem ersten Spiel auf die Momente unmittelbar nach eigenen Ballverlusten. Großaspach erhielt dabei mehrfach Räume, die Fortuna eigentlich hätte schließen müssen. Der Trainer nahm sein Team ausdrücklich in die Verantwortung. Bei diesen Situationen müsse man sich „an die eigene Nase fassen“. Gegen Aachen bekommt dieser Punkt zusätzliche Bedeutung. Die Alemannia setzt auf hohe Intensität, sucht frühe Ballgewinne und versucht anschließend schnell in gefährliche Räume zu gelangen. Auch eine aggressive Mann gegen Mann Orientierung erwartet Mink über längere Phasen.
Damit steigt für Fortuna der Preis jedes unsauberen Zuspiels. Stimmen Abstände und Staffelung nicht, kann aus einem eigenen Angriff innerhalb weniger Sekunden Gefahr vor dem eigenen Tor entstehen. Mink spricht deshalb nicht zufällig von einem „sehr anspruchsvollen Spiel“. Die Partie dürfte zeigen, wie schnell seine Mannschaft die Lehren aus dem ersten Drittliga Wochenende umsetzen kann.
Im Angriff muss aus wenigen Chancen mehr entstehen
Nicht nur die defensive Absicherung hat Fortuna beschäftigt. Auch mit Ball fehlte in Großaspach die Durchschlagskraft. Einsatz und Bereitschaft waren vorhanden, zwingende Situationen vor dem gegnerischen Tor blieben jedoch Mangelware. Mink verwies zwar auf die gute Defensivarbeit des Gegners, sah die Verantwortung aber ebenso bei seiner eigenen Mannschaft. Vor allem im letzten Drittel wurden vorhandene Möglichkeiten nicht präzise genug ausgespielt. Hinzu kam, dass auch Standards kaum Wirkung entwickelten. Auf dem höheren Niveau werde Fortuna lernen müssen, „aus wenig viel“ zu machen. Genau darin liegt eine der entscheidenden Anpassungen an die neue Spielklasse. Chancen werden nicht beliebig häufig entstehen. Wenn sie sich bieten, müssen Entscheidungen, letzter Pass und Abschluss deutlich konsequenter werden.
Löffelsends Kreuzbandriss verschärft die Lage
Als wäre der sportliche Lernprozess nicht Herausforderung genug, trifft Fortuna gleichzeitig ein schwerer personeller Rückschlag. Jasper Löffelsend hat sich das Kreuzband gerissen und wird der Mannschaft langfristig fehlen. Für Mink ist das besonders bitter, weil sich der Rechtsverteidiger in der Vorbereitung eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet hatte. Nach Aussage des Trainers wäre Löffelsend beim Saisonauftakt in Großaspach sogar Teil der Startelf gewesen. Umso heftiger traf die Diagnose den Klub. Mink bezeichnete die Nachricht als „Schlag ins Gesicht“.
Für den Spieler steht nun zunächst die Operation bevor. Fortuna wiederum muss seine Kaderplanung anpassen und will sich nach einer zusätzlichen Option für die rechte Abwehrseite umsehen. Viel Zeit zum Sortieren bleibt nicht. Schon gegen Aachen muss die bestehende Mannschaft Lösungen finden.
Das erste Heimspiel wird zum frühen Reifetest
Fortuna steht nach nur einem Spieltag nicht vor einer Krise. Sehr wohl aber vor einer Partie, die Aufschluss darüber geben kann, wie schnell sich der Aufsteiger an die neuen Anforderungen anpasst. Aachen bringt genau die Eigenschaften mit, die Köln besonders fordern dürften: aggressives Pressing, Tempo nach Ballgewinnen und individuelle Qualität in der Offensive. Dazu kommt bei Fortuna der Verlust eines Spielers, der eigentlich fest für die erste Elf vorgesehen war.
Das Ergebnis allein wird deshalb nicht sämtliche Antworten liefern. Wichtiger ist für Mink, ob seine Mannschaft stabiler auf Ballverluste reagiert, offensiv klarer wird und die geforderte Intensität über die gesamte Partie erreicht. Die neue Liga verlangt nahezu jede Woche eine Topleistung. Im Südstadion bekommt Fortuna sehr früh die Gelegenheit zu zeigen, wie schnell diese Botschaft angekommen ist.



