Die jahrelange Diskussion um den Aufstieg aus der Regionalliga in die 3. Liga bekommt internationale Aufmerksamkeit. Die britische BBC widmet sich ausführlich der deutschen Aufstiegsregelung und stellt dabei vor allem den 1. FC Lokomotive Leipzig in den Mittelpunkt. Für den DFB steigt damit wenige Monate vor der geplanten Entscheidung über eine Reform der Druck.
Lok Leipzig steht sinnbildlich für das Problem
Dass fünf Regionalliga-Meister um lediglich vier Aufstiegsplätze kämpfen, sorgt im deutschen Fußball seit Jahren für Kritik. Besonders deutlich lässt sich das Problem am Beispiel von Lok Leipzig beschreiben. Der Traditionsverein wurde mehrfach Meister der Regionalliga Nordost, ohne den Sprung in die 3. Liga zu schaffen. Auch für die Spieler hinterlässt das Spuren. Lok-Stürmer Djamal Ziane beschreibt gegenüber der BBC, welche Bedeutung ein Aufstieg für ihn gehabt hätte. Die 3. Liga sei auf diesem Niveau für viele Spieler das höchste realistische Ziel. Mit seinem Heimatverein den Sprung dorthin zu schaffen, wäre für ihn etwas ganz Besonderes gewesen.
Die BBC nimmt den Leipziger Fall zum Anlass, die komplizierte Struktur der deutschen Regionalligen ausführlich zu erklären. Dabei richtet das britische Medium den Blick auch auf die Entwicklung des Fußballs in Ostdeutschland und ordnet die sportlichen Unterschiede in einen breiteren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext ein. Chemnitz-Geschäftsführer Tommy Haeder, zugleich Sprecher der Klub-Initiative Aufstiegsreform, möchte die Reformdiskussion allerdings nicht auf eine klassische Ost-West-Debatte reduzieren. Aus seiner Sicht hat sich innerhalb der Vereine längst ein Generationswechsel vollzogen.
Wachsmuth fordert Kompromissbereitschaft
Auch Lok-Sportdirektor Toni Wachsmuth macht deutlich, dass es aus seiner Sicht längst nicht mehr ausschließlich um Interessen des Nordostens geht. Wirtschaftlich seien andere Regionalligen teilweise besser aufgestellt. Gleichzeitig bestehe jedoch weitgehend Einigkeit darüber, dass die derzeitige Aufstiegsregelung keine dauerhafte Lösung sein könne. Zusätzliche Unterstützung erhält die Reformbewegung von prominenter Stelle. Der frühere Leipziger Trainer Marco Rose, inzwischen beim Premier-League-Klub Bournemouth tätig, verweist auf die wirtschaftlich schwierige Situation vieler Vereine unterhalb der 3. Liga. Für Klubs und Anhänger müsse aus seiner Sicht die Perspektive bestehen, sportlichen Erfolg auch tatsächlich mit einem Aufstieg belohnen zu können.
Genau an diesem Punkt setzt das sogenannte Kompassmodell an. Vorgesehen ist eine Reduzierung von fünf auf vier Regionalliga-Staffeln mit jeweils 20 Mannschaften. Dadurch könnten künftig alle vier Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen. Nach Angaben des DFB erhielt das Modell bei den bundesweiten Vereinsabstimmungen mit 50,6 Prozent die meisten Stimmen. Weil allerdings nicht in allen fünf Regionen eine Mehrheit für dasselbe Modell zustande kam, blieb eine abschließende Lösung zunächst aus.
BBC greift Streit um Abstimmung auf
Kritisch beschäftigt sich der BBC-Bericht auch mit dem bisherigen Reformprozess. Besonders die Abstimmungen im Sommer werden thematisiert. Kurzfristige Änderungen an den Rahmenbedingungen hatten bei zahlreichen Vereinen für erheblichen Unmut gesorgt. Haeder bezeichnete den damaligen Ablauf gegenüber der BBC als „eine absolute Katastrophe – völlig amateurhaft“. Auch aus anderen Regionen und Spielklassen wuchs anschließend der öffentliche Widerstand gegen die bestehende Regelung.
Die Debatte reicht inzwischen weit über die Regionalligen hinaus. Vereine und Fans aus verschiedenen Teilen des deutschen Fußballs haben sich für eine Änderung ausgesprochen. Die BBC zeigt dabei auch die geografische Verteilung der Drittligisten und macht die geringe Zahl ostdeutscher Vereine in der 3. Liga zum Bestandteil ihrer Betrachtung.
Entscheidung soll am 18. Dezember fallen
Damit richtet sich der Blick nun auf den 18. Dezember 2026. Das DFB-Präsidium bereitet für diesen Tag einen Außerordentlichen Bundestag vor, bei dem über die künftige Struktur der Regionalligen entschieden werden soll. Nach den aktuellen Planungen könnte die Saison 2027/28 zur Qualifikationsspielzeit werden, ehe das neue Modell ab 2028/29 greifen würde.
Fest steht schon jetzt: Was lange als komplizierter Streit innerhalb des deutschen Amateur- und Profifußballs galt, wird inzwischen auch außerhalb Deutschlands wahrgenommen. Der Fall Lok Leipzig zeigt dabei besonders deutlich, warum die Frage nach einem direkten Aufstieg aller Regionalliga-Meister längst zu einem zentralen Thema an der Schnittstelle zur 3. Liga geworden ist.



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