Im Interview mit liga3-news.de spricht der SC Verl über die aktuelle Stadionsituation, den Umbruch des Kaders sowie über Cheftrainer Guerino Capretti, der mit am Erfolg des SC Verl beteiligt ist und einen großen Beitrag dazu leistet.
Von vielen Experten als erster Abstiegskandidat gehandelt, belegte der SC Verl in der ersten Drittligasaison der Vereinsgeschichte einen überraschenden siebten Rang und schwebte zu keiner Zeit in Abstiegsgefahr. Wie groß war die Genugtuung, es den vermeintlichen Experten gezeigt zu haben?
Genugtuung ist das falsche Wort. Eher die Bestätigung für unsere Philosophie. Unsere Idee, die Art wie wir Spielen wollen. Es ist wichtig, dass die Spieler auch charakterlich nach Verl passen. Und das ist genauso ein wichtiger Baustein für den aktuellen Erfolg wie das Team hinter dem Team. Es ziehen alle an einem Strang. Am Ende arbeiten alle für den Erfolg des Vereins.
Trotz eines fast schon dramatischen Umbruchs im Kader (nur 11 der 27 Akteure aus dem Vorjahr sind geblieben) und den Abgängen mehrerer Leistungsträger u.a. Lars Ritzka, Philipp Sander und Aygün Yildirim ist der Start in die neue Saison durchaus als geglückt zu bezeichnen. Habt ihr selbst mit dieser guten Punktausbeute aus den ersten Spielen gerechnet?
Das Spieler nach einer starken Runde für andere Vereine interessant sind, war uns von Anfang an bewusst. In Verl sind wir davon überzeugt, dass wir mit unserem jungen Kader – der riesiges Potenzial besitzt – eine gute Rolle spielen können. Viele stehen noch am Anfang Ihrer Karriere. Alle wollen sich verbessern und saugen die vermittelten Inhalte förmlich auf. Am Ende sind die geholten Punkte ein Ergebnis aus der harten Vorbereitung und der gezielten Arbeit mit Blick Richtung Spieltag.
Wie hat der SC Verl unter den aktuell herrschenden Corona-Auflagen und damit unter äußerst erschwerten Bedingungen die Integration der vielen Neuzugänge ermöglicht?
Das war kein großes Thema. Trainiert wird in Verl. Gespielt wird in Lotte. Wir haben in der Vergangenheit auch das ein oder andere Spiel nicht in Verl austragen können. Und die Mannschaft hat es sehr gut gemacht. So gehen wir es auch diese Saison an.
Welchen Anteil am Erfolg und am positiven Erscheinungsbild des Vereins hat Trainer Guerino Capretti, der seit 2017 beim SC Verl als Übungsleiter tätig ist?
Natürlich ist es eine schöne Sache, dass Rino bereits viele Jahre in Verl ist. Der Verein steht für Kontinuität. Hier wird seriös gearbeitet. Bei Gegenwind fallen in Verl aber auch die handelnden Personen nicht um, sondern bewahren Ruhe und lassen das Trainerteam in Ruhe arbeiten. Zudem ist es uns wichtig: Wir sind ein Verein zum anfassen. Und das wollen wir bleiben.
Gab es nach dem erfolgreichen Drittligadebüt des SC Verl auch Anfragen anderer Vereine für Guerino Capretti? Gibt es Befürchtungen, dass der Trainer aufgrund seiner guten Arbeit in Verl bald abgeworben werden könnte?
Das ein Trainer, der erfolgreich Arbeit, durchaus für andere Vereine interessant ist, dies war und ist uns in Verl bewusst. Das ist auch das Business. Bereits in der Rückrunde der vergangenen Saison kam diese Frage vereinzelt immer einmal auf. Unser Präsident hat es mehrfach treffend formuliert. Rino hat Vertrag und wir haben nicht vor Ihn aus seinem laufenden Vertrag freizugeben.
Leider darf der SC Verl in dieser Spielzeit seine Heimspiele nicht der Verler „Sportclub Arena“ austragen, der DFB ordnete den Umzug in das mehr als 70 Km entfernte Lotte an. Wie hat man beim SC Verl diese aus der Entfernung äußerst unverständliche Entscheidung aufgenommen?
Natürlich hat man gehofft, dass es eine Möglichkeit gibt die Heimspiele in unserer wunderbaren Sportclub Arena austragen zu können. Das Regelwerk ist da jedoch eindeutig und deswegen haben wir Lotte entsprechend bei der Einreichung der Unterlagen, als Ausweichstätte angegeben. Andre Theilmeier (Sprecher Verwaltungsrat) und Michael Beckhoff (Stadionbeauftragter) sind hier jeden Tag im Einsatz um Lösungen zu erarbeiten.
Lobend muss man auch erwähnen: Wir arbeiten gemeinsam und mit tatkräftiger Unterstützung des DFB an einer Stadionlösung für Verl.
Welche Maßnahmen wären notwendig, um die „Sportclub Arena“ in Verl drittligatauglich zu machen und ist dieser Aufwand für den SC Verl überhaupt finanziell zu stemmen?
Diese Frage ist im Grunde aktuell nicht zu beantworten, weil wir die Lizensierungsauflagen der nächsten Saison noch nicht kennen. Investitionen in den Platz, die Rasenheizung, ein neues Flutlicht und verbesserte Kamerapositionen sind abgesichert und können durchgeführt werden. Wir warten ab, was von uns darüber hinaus gefordert wird.
Wie wird das Stadion am Lotter Kreuz von den Verler Fans angenommen und welche Angebote stellt der SC Verl den eigenen Anhängern zur Verfügung um in das ungeliebte Ausweichstadion zu kommen?
Wir versuchen bei jedem Heimspiel in Lotte soviel Verl-Flair zu transportieren, wie möglich. Sowohl für unsere Fans, als auch für die zahlreichen Unterstützer des Vereins.
Wir stellen einen kostenlosen Bus für den Transfer zur Verfügung, Vereinsmitglieder zahlen keinen Eintritt, organisierte Fans erhalten rabattierte Tickets, Gewinnspiele oder wie aktuell das Kombi-Ticket (drei Heimspiele besuchen, nur zwei bezahlen) sind immer mal wieder Teil diverser Aktionen.
Haben kleinere Vereine, wie z.B. der TSV Havelse, der jetzt vor teilweise vor 780 Zuschauern in der fast 50.000 Zuschauer fassenden Arena in Hannover spielen muss, oder eben der SC Verl unter diesen Umständen überhaupt eine langfristige Überlebenschance in der dritten Liga?
Für andere Vereine können wir das natürlich nicht beurteilen. Wir fühlen uns in der dritten Liga sehr wohl und wollen hier auch nicht so schnell raus. Wir bleiben unserer Linie treu und werden keine verrückten Dinge machen. Aber es ist in unseren Augen dringend erforderlich, dass sich der DFB und die Vereine auf tragbare und zeitgemäße Lizensierungsauflagen einigen. Alle wollen eine wirtschaftlich stabile 3. Liga, das erfordert neue Konzepte hinsichtlich des Zulassungsverfahrens. Auf Sicht braucht jeder Verein sein eigenes Heimstadion mit hohem Komfort, guter technischer Ausstattung aber in bezahlbaren und angemessenen Größenordnungen.
Unter diesen Umständen: Ist es vorstellbar, dass der SC Verl bei sportlich optimalen Verlauf auch einmal eine Lizenz für die zweite Liga beantragt oder ist die aktuelle Spielklasse das höchste der Gefühle?
Wer leistungsorientierten Sport betreibt, möchte immer das Maximum. Es wäre jedoch vermessen, einen Aufstieg als Ziel auszurufen. Für den Fall, man befindet sich auf Tuchfühlung zur Spitze, würde man wie in der vergangenen Saison auch, die Lizenz für die 2. Bundesliga beantragen.
