Der kurzfristige Umzug des TSV Havelse in die Heinz von Heiden Arena sorgt auch nach dem Drittliga-Auftakt für Diskussionen. Erst rund 24 Stunden vor dem 2:3 gegen den VfB Stuttgart II fiel die Entscheidung, die Partie im Stadion von Hannover 96 auszutragen. Vor allem 96-Patron Martin Kind kritisiert den späten Zeitpunkt, während für Havelse weiterhin eine dauerhafte Lösung für seine Heimspiele gesucht wird.
Kurzfristige Verlegung fordert Hannover 96
Für Hannover 96 bedeutete die Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes erheblichen organisatorischen Zusatzaufwand. Obwohl die Niedersachsen selbst nicht Gastgeber der Partie waren, musste die Arena innerhalb kurzer Zeit für ein Drittliga-Spiel vorbereitet werden. Martin Kind reagierte entsprechend verärgert. Gegenüber der „HAZ“ bezeichnete der 82-Jährige die Entwicklung als „fast eine Katastrophe“. Vor allem der Zeitpunkt der Entscheidung stößt ihm auf. Ein Stadion kurzfristig für eine Begegnung bereitzustellen, bedeute schließlich deutlich mehr, als lediglich die Tore zu öffnen.
Unter anderem mussten Sicherheitskräfte organisiert, die Infrastruktur vorbereitet und zahlreiche Abläufe rund um die Spielstätte abgestimmt werden. Kind sprach deshalb von ungeplanten Überstunden und machte deutlich, dass sich eine derart kurzfristige Situation aus seiner Sicht nicht wiederholen dürfe.
Eilenriedestadion weiterhin nicht zugelassen
Hintergrund des Problems ist die weiterhin fehlende Zulassung des Eilenriedestadions für den regulären Spielbetrieb in der 3. Liga. Der DFB hatte gemeinsam mit den Verantwortlichen des TSV Havelse offenbar bis kurz vor der Partie nach einer Möglichkeit gesucht, das Heimspiel dort stattfinden zu lassen. Die Voraussetzungen dafür konnten allerdings nicht rechtzeitig geschaffen werden. Ein entscheidender Punkt ist die Zuschauerkapazität. Mit einer zusätzlichen, möglicherweise mobilen Tribüne soll das Stadion künftig so angepasst werden, dass es als weitere Spielstätte genutzt werden kann. Damit würde Havelse mehr Planungssicherheit erhalten und wäre nicht regelmäßig auf die große Arena des Zweitligisten Hannover 96 angewiesen.
Besonderer Zeitdruck nach spätem Klassenerhalt
Die Situation des TSV ist dabei ungewöhnlich. Havelse war in der vergangenen Saison sportlich aus der 3. Liga abgestiegen, blieb nach dem Rückzug des TSV 1860 München letztlich aber doch in der Spielklasse. Entsprechend kurzfristig musste der kleinere Verein seine Planungen wieder auf die Anforderungen der 3. Liga ausrichten. Auch Kind verweist auf diese Ausgangslage. Nach seiner Einschätzung war für alle Beteiligten absehbar, dass Havelse nach dem überraschenden Verbleib in der Liga Zeit benötigen würde, um die notwendigen organisatorischen und infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen. Gerade deshalb hätte sich der 96-Boss eine frühere Entscheidung über den Austragungsort gewünscht.
Arena soll möglichst nur für Risikospiele dienen
Für die kommenden Heimspiele soll eine Wiederholung des kurzfristigen Umzugs möglichst vermieden werden. Nach den bisherigen Vorstellungen soll die Heinz von Heiden Arena vor allem dann genutzt werden, wenn Begegnungen aufgrund eines erhöhten Zuschauerinteresses oder einer besonderen Sicherheitslage nicht im kleineren Stadion ausgetragen werden können. Für Havelse hängt deshalb viel davon ab, wie schnell die Voraussetzungen im Eilenriedestadion geschaffen werden können. Gelingt die Zulassung, könnte der Verein einen Großteil seiner Drittliga-Heimspiele dort austragen. Bis dahin bleibt die Stadionfrage ein organisatorisches Thema – für den TSV ebenso wie für Hannover 96.



