Der Schock sitzt tief bei Fortuna Düsseldorf: Nach dem bitteren Gang in die dritte Liga meldet sich Vereinsikone Gerd Zewe zu Wort. Der 75-jährige Ehrenspielführer spricht offen über seine Enttäuschung – und zeigt zugleich auf, welches Beispiel sich die Fortuna nun nehmen sollte, um in der 3. Liga schnell wieder Fuß zu fassen.
„Dieser Abstieg in die Dritte Liga tut unheimlich weh“
Kaum ein Name steht so sehr für die glorreichen Zeiten der Fortuna wie Gerd Zewe. Als langjähriger Kapitän, Führungsspieler und Rekordakteur prägte er den Klub über Jahre hinweg. Umso schmerzhafter ist für ihn der aktuelle Tiefpunkt. „Meine Gemütslage ist schlimm, weil ich durch und durch Fortune bin. Dieser Abstieg in die Dritte Liga tut unheimlich weh“, wie er in einem Interview mit „t-online“ verrät. Besonders das entscheidende Spiel in Fürth habe ihn emotional stark getroffen. Die Folgen des Abstiegs, inklusive personeller Einschnitte im Verein, beschäftigen ihn ebenfalls sehr. „Es tut mir in der Seele weh, dass durch den Abstieg so viele Menschen im Verein zusätzlich betroffen sind.“
Zewe im Kurzprofil
- Geboren 1949 im Saarland
- Über ein Jahrzehnt Führungsspieler bei Fortuna Düsseldorf
- Mehr als 400 Pflichtspiele für die Fortuna
- DFB-Pokalsieger 1979/80
Zewe steht wie kaum ein anderer für Identifikation und Vereinstreue, Werte, die er nun auch für die Zukunft einfordert.
Ursachenforschung: „Am Ende war es einfach eine Katastrophe“
Vor dem Saisonfinale habe er nicht ernsthaft mit dem Absturz gerechnet. Die Ausgangslage sei gut gewesen, ein Sieg hätte gereicht. Der gesperrte Mittelstürmer Cedric Itten habe zwar gefehlt, doch für Zewe bleibt das keine ausreichende Erklärung. „Am Ende war es einfach eine Katastrophe.“ Für ihn zeigt sich einmal mehr die Unberechenbarkeit des Fußballs: Taktiken greifen nicht, Momentum kippt – und plötzlich steht alles auf dem Spiel.
Vorbild SV Elversberg: Cleveres Scouting statt großes Budget
Als positives Beispiel nennt Zewe die SV Elversberg, ausgerechnet ein Klub aus seiner saarländischen Heimat. „Die SV Elversberg hat mit minimalem finanziellem Aufwand das Maximum erreicht.“ Der Aufsteiger habe trotz begrenzter Mittel auf kluges Scouting gesetzt, Perspektivspieler verpflichtet und Jahr für Jahr Qualität nachgelegt, selbst nach Abgängen von Leistungsträgern. Für Zewe ist klar: Erfolg hängt nicht ausschließlich vom Budget ab, sondern von Struktur, Teamgeist und sportlicher Kompetenz. Gerade mit Blick auf die kommende Saison in der dritten Liga könnte dieses Modell für Fortuna Düsseldorf richtungsweisend sein.
Neustart in der 3. Liga: Kaderplanung entscheidet
Für die Verantwortlichen am Rhein steht nun ein Umbruch an. Entscheidend wird sein, wie der neue Kader zusammengestellt wird. Zewe formuliert es deutlich: „Es hängt alles davon ab, welchen Kader man jetzt zusammenstellt.“ Neben Mentalität fordert er mehr spielerische Qualität. Eine konkurrenzfähige, technisch starke Mannschaft könne nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch die Fans zurückgewinnen.
Saisonvorschau: Harte Konkurrenz in der dritten Liga
Die dritte Liga verspricht auch in der kommenden Spielzeit Hochspannung. Traditionsklubs wie TSV 1860 München oder Dynamo Dresden zählen regelmäßig zu den Aufstiegsanwärtern. Für Fortuna Düsseldorf wird es darum gehen, Stabilität zu finden und möglichst früh den Anschluss an die Spitzengruppe herzustellen. Ein starker Saisonstart Anfang August könnte das verlorene Vertrauen schnell zurückbringen, davon ist auch Zewe überzeugt.
Der Abstieg schmerzt, emotional wie strukturell. Doch in der Krise liegt auch die Chance zum Neuanfang. Mit kluger Kaderplanung, einem klaren sportlichen Konzept und einem engen Schulterschluss mit den Fans kann Fortuna Düsseldorf in der dritten Liga einen neuen Anlauf nehmen.


