Knapp zwei Monate nach den schweren Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern beschäftigt die Aufarbeitung weiterhin die Verantwortlichen. Im Mannheimer Ausschuss für Sicherheit und Ordnung wurden am Dienstag neue Erkenntnisse zu den Vorfällen bekannt. Der Drittligist kündigte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an, auch Mitarbeiter und Zulieferer sollen künftig stärker kontrolliert werden.
Die Bilder vom 21. August sind vielen Fußballfans noch in Erinnerung. Während des brisanten Pokal-Derbys zwischen Mannheim und Kaiserslautern eskalierte die Situation auf den Rängen. Aus dem Gästebereich wurde Pyrotechnik auf das Spielfeld und benachbarte Tribünen geschossen. Anschließend stürmten mehrere Waldhof-Anhänger den Innenraum. Schiedsrichter Robert Schröder unterbrach die Begegnung beim Stand von 0:0 vor der Verlängerung für rund 30 Minuten. Die Bilanz: 35 leicht verletzte Polizeibeamte, 85 weitere medizinisch versorgte Personen und acht Krankenhausbehandlungen. Die materiellen Schäden fielen dagegen vergleichsweise gering aus.
Stadt Mannheim übt deutliche Kritik
In der Sitzung des Ausschusses für Sicherheit und Ordnung sorgten die Ereignisse erneut für deutliche Reaktionen. CDU-Stadträtin Marianne Seitz zeigte sich fassungslos über das Verhalten der beteiligten Anhänger. „Ich frage mich: Was sind das für Menschen?“, erklärte Seitz. Mit Blick auf den Imageschaden für die Stadt ergänzte sie: „Man könnte stolz sein auf den Waldhof. Aber so? Nein. Im ganzen Leben nicht.“ Als Konsequenz brachte sie ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit ins Gespräch.
Dirk Herzbach, Fachbereichsleiter für Sicherheit und Ordnung, wies unterdessen Vorwürfe zurück, wonach die Verantwortlichen unzureichend auf die Risikobegegnung vorbereitet gewesen seien. Sämtliche Beteiligten hätten um die besondere Brisanz gewusst. Die üblichen Sicherheitsabsprachen zwischen Verein, Stadt, Polizei und Fanprojekt hätten stattgefunden.
Pyrotechnik trotz Sicherheitskontrollen im Stadion
Besonders intensiv diskutiert wurde die Frage, wie derart große Mengen an Pyrotechnik überhaupt ins Stadion gelangen konnten. Nach Angaben von Waldhof-Sicherheitsbeauftragtem Max Meyer waren sowohl ein nächtlicher Sicherheitsdienst als auch Sprengstoffspürhunde im Einsatz. Dennoch gelang es Anhängern beider Vereine, verbotene Gegenstände einzuschleusen.
Herzbach verwies dabei auf ungewöhnliche Schmuggelmethoden. „Wir müssen uns nicht wundern, dass auf den Toiletten des Vereins so viele Kondome gefunden wurden“, erklärte er. Nach seiner Einschätzung deutet dies darauf hin, dass Pyrotechnik teilweise an Körperstellen versteckt wurde, die bei den Einlasskontrollen nicht überprüft werden dürfen. Allerdings gehen die Verantwortlichen mittlerweile davon aus, dass die erheblichen Mengen nicht ausschließlich auf diesem Weg ins Stadion gelangt sein können.
Waldhof will auch Mitarbeiter und Zulieferer kontrollieren
Genau hier möchte der SV Waldhof künftig ansetzen. Sicherheitschef Meyer räumte ein, dass die Überprüfung von Mitarbeitern, Dienstleistern und Zulieferern beim Pokal-Derby nicht in ausreichendem Umfang erfolgt sei. „Mir ist klar, dass diese Menge, die an dem Tag im Stadion an Pyrotechnik gezündet wurde, nicht am Körper oder in irgendwelchen Körper-Öffnungen ins Stadion gelangt ist“, erklärte Meyer. Deshalb müsse künftig auch bei Personen genauer hingeschaut werden, die aufgrund ihrer Tätigkeit Zugang zum Stadion erhalten. Entsprechende Kontrollen sollen bei vergleichbaren Begegnungen deutlich verschärft werden.
Neue Einlasssysteme ab November geplant
Darüber hinaus plant der Drittligist weitere Veränderungen. Bereits im November sollen sogenannte Vereinzelungsanlagen getestet werden. Ab dem neuen Jahr ist deren Einsatz an sämtlichen Stadioneingängen vorgesehen. Auch die Stadionordnung wird überprüft und gegebenenfalls angepasst. Zudem sollen geplante Fan-Choreografien künftig kritischer bewertet werden. „Werden wir vorsichtiger mit unseren Zusagen für Choreografien sein“, kündigte Uwe Kaliske, Leiter des städtischen Fachbereichs Sport und Freizeit, an.
Die materiellen Schäden durch die Ausschreitungen bezifferte Kaliske auf rund 4.000 bis 5.000 Euro. Beschädigt worden waren unter anderem Zäune, Fangnetze und Teile der Gästekabine. Die Kosten habe die Waldhof Mannheim GmbH übernommen.
Technische Lösungen stoßen an ihre Grenzen
In der politischen Diskussion wurden auch zusätzliche Scanner sowie der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz vorgeschlagen. Allerdings bestehen Zweifel, ob solche Maßnahmen das Einschleusen von Pyrotechnik tatsächlich verhindern könnten. Elektromagnetische Sicherheitsscanner erkennen vor allem bestimmte metallische Gegenstände. Viele im Fußball verwendete pyrotechnische Artikel enthalten jedoch kaum entsprechende Bauteile. Bei einer KI-gestützten Identifizierung von Personen kommen zudem erhebliche datenschutzrechtliche Einschränkungen hinzu.
Konsequenzen treffen auch friedliche Fans
Neben den allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen drohen identifizierten Tätern individuelle Stadionverbote und Regressforderungen. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die große Mehrheit friedlicher Zuschauer unter den Konsequenzen leiden könnte. CDU-Politiker Jürgen Dörr kritisierte deshalb die Auswirkungen auf unbeteiligte Anhänger: „Mir tun die vielen tausend Fans von Waldhof Mannheim leid, die jetzt in Kollektiv-Haftung genommen werden.“ Fest steht: Die Aufarbeitung des Pokal-Derbys ist noch nicht abgeschlossen. Für den SV Waldhof geht es nun darum, seine Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern, ohne die Fankultur im Carl-Benz-Stadion unnötig einzuschränken.



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