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Wenn der Absteiger profitiert und der Meister draußen bleibt

Eigentlich war die Saison für den TSV 1860 München längst abgepfiffen. Doch ausgerechnet nach dem sportlichen Schlusspunkt beginnt nun die brisanteste Geschichte dieses Sommers. Weil der Klub trotz Platz acht nach eigenen Angaben keinen fristgerechten Liquiditätsnachweis erbracht hat und deshalb keine Zulassung für die 3. Liga erhält, wird aus einem Münchner Problem plötzlich eine Frage an das ganze System.

Nicht der Meister profitiert, sondern der Absteiger

Der Fall wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Lizenzskandal um einen Traditionsverein. Beim zweiten Hinsehen legt er jedoch eine Regel offen, die viele Fans so kaum auf dem Schirm haben dürften. Denn wenn ein Klub die Zulassung für die 3. Liga nicht erhält, rückt nicht automatisch ein ambitionierter Regionalligist nach. Stattdessen greift die DFB-Ordnung an anderer Stelle. Nachrücken darf in so einem Fall der bestplatzierte der sportlichen Absteiger, sofern dieser Verein seinerseits alle wirtschaftlichen und organisatorischen Voraussetzungen erfüllt.

Genau deshalb richtet sich der Blick jetzt auf den TSV Havelse. Der Tabellensiebzehnte wäre plötzlich wieder im Rennen, hat seine Unterlagen fristgerecht eingereicht und mit dem Eilenriedestadion erneut eine Spielstätte benannt. Die eigentliche Pointe dieser Geschichte ist damit schnell erzählt und wirkt trotzdem absurd: Ein Verein, der sportlich abgestiegen ist, darf auf Rettung hoffen, weil ein anderer an den Lizenzauflagen scheitert.

Lok Leipzig schaut erneut von draußen zu

Noch heikler wird der Fall, weil parallel die alte Aufstiegsfrage der Regionalligen wieder mit voller Wucht auf den Tisch knallt. Während Havelse trotz Abstiegs neue Chancen bekommt, steht anderswo ein Meister erneut mit leeren Händen da. Das aktuelle System bleibt bekannt kompliziert und produziert genau jene Konflikte, die seit Jahren beklagt werden. Die Meister aus West und Südwest steigen direkt auf. Der dritte direkte Aufstiegsplatz rotiert zwischen Nord, Nordost und Bayern.

Die beiden übrigen aufstiegsberechtigten Klubs müssen in Entscheidungsspiele. In dieser Saison traf es den Nordosten. Der 1. FC Lok Leipzig musste also in die Playoffs, die Würzburger Kickers setzten sich in beiden Partien durch und sicherten sich den Sprung in die 3. Liga. Für Lok Leipzig ist das bereits das dritte Scheitern in solchen Aufstiegsspielen. Genau dort entsteht der eigentliche Zündstoff. Während ein abgestiegener Drittligist auf eine zweite Chance hoffen darf, bleibt ein Regionalliga-Meister wieder einmal außen vor.

Der Fall 1860 zeigt, woran das System krankt

Damit ist die Geschichte längst größer als das übliche Chaos rund um 1860 München. Sie zeigt in aller Schärfe, wie unterschiedlich der deutsche Fußball sportlichen Erfolg und administrative Stabilität gewichtet. Dass eine Profiliga verlässliche Finanzierungsnachweise verlangt, ist nachvollziehbar. Ohne diese Hürde wäre die 3. Liga kaum seriös zu organisieren.

Nur verschwindet damit die unangenehme Anschlussfrage nicht. Im Gegenteil. Sie wird umso lauter, je deutlicher dieser Sommer den Widerspruch vor Augen führt: Warum schützt das Regelwerk im Extremfall eher einen Absteiger als einen Meister aus der Regionalliga? Gerade für Klubs aus dem Nordosten, die seit Jahren an der Aufstiegsbarriere hängenbleiben, bekommt diese Diskussion neue Schärfe.

Reformideen liegen vor, helfen aber heute niemandem

Dass der DFB die Schieflage erkannt hat, ist inzwischen keine Überraschung mehr. Die AG Regionalliga-Reform hat ihre Arbeit abgeschlossen und sich einstimmig für eine viergleisige Regionalliga ausgesprochen. Das Ziel ist klar: Künftig sollen alle Meister direkt aufsteigen können. Auf dem Tisch liegen zwei Modelle, doch eine Umsetzung wäre frühestens zur Saison 2028/29 möglich. Für die Gegenwart ist das nur ein fernes Versprechen. Dem TSV 1860 München nimmt es den Lizenzschock nicht. Und Lok Leipzig kann sich für ein weiteres Jahr nichts dafür kaufen, wieder zu den Verlierern eines Systems zu gehören, das seine sportliche Leistung nicht automatisch belohnt.

Am Ende macht genau das den Sommer 2026 so heikel. Der Aufreger trägt den Namen 1860 München, doch die größere Debatte beginnt erst dahinter. Sie dreht sich um eine 3. Liga, die bei den Finanzen kompromisslos auftritt, in ihrer sportpolitischen Architektur aber weiter erhebliche Bruchstellen offenlegt. Und so könnte ausgerechnet dieser Münchner Absturz vor allem einem Absteiger helfen, während ein Meister erneut draußen bleibt.

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