Aufstieg zur 3. Liga: Fan-Proteste bringen den DFB zunehmend unter Zugzwang

Der Streit um die Aufstiegsregelung zur 3. Liga erreicht eine neue Eskalationsstufe. In der Regionalliga Nordost sorgten Fans am Wochenende bei mindestens sechs Spielen mit Tennisballwürfen gezielt für Unterbrechungen. Hinter den Aktionen steht die Forderung nach einer grundlegenden Reform der Regionalligen und inzwischen wächst auch auf Verbandsebene der Druck auf den DFB.

Proteste bei mehreren Spielen im Nordosten

Vor allem nach der Halbzeitpause mussten die Schiedsrichter am Wochenende mehrfach reagieren. In Chemnitz gegen Aue, Erfurt gegen den 1. FC Magdeburg II, bei Chemie Leipzig gegen Jena, Tasmania Berlin gegen Lok Leipzig sowie Altglienicke gegen Halle landeten Tennisbälle auf dem Rasen. Die Aktionen gingen dabei überwiegend von den Gästebereichen aus. Besonders lange ruhte der Ball bei der Begegnung zwischen dem SV Babelsberg und Eintracht Stahnsdorf. Dort wurde die Partie für sieben Minuten und 18 Sekunden unterbrochen. Schiedsrichter Jens Klemm schickte beide Mannschaften zwischenzeitlich in die Kabinen, Babelsbergs Kapitän Laurin von Piechowski versuchte zudem, auf die Anhänger einzuwirken.

Bereits vor dem Anpfiff hatten Fans in Babelsberg mit zahlreichen Transparenten auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht. Inhaltlich richtete sich die Kritik vor allem gegen die Strukturen der Verbände und die derzeitigen Bedingungen beim Aufstieg aus der vierten Spielklasse.

Aufstiegsregelung steht im Zentrum der Kritik

Der Hintergrund der Proteste ist seit Jahren bekannt: Die fünf Regionalliga-Meister besitzen nicht alle ein direktes Aufstiegsrecht zur 3. Liga. Während die Meister aus West und Südwest unmittelbar aufsteigen, müssen die Vertreter aus Bayern, Nord und Nordost abhängig von der jeweiligen Saison teilweise zusätzliche Entscheidungsspiele bestreiten. Kritiker sehen darin einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Dass derzeit 14 der 20 Drittligisten aus den Gebieten West und Südwest stammen und lediglich sechs Vereine aus Bayern, Nord und Nordost, hat die Diskussion zusätzlich verschärft.

Unterstützung erhält inzwischen insbesondere das sogenannte Kompassmodell. Dieses sieht vier Regionalliga-Staffeln vor, deren Zuschnitt sich stärker an möglichst kurzen Reisewegen orientieren soll. Für eine entsprechende Reform gab es zuletzt auch außerhalb des Nordostens öffentliche Unterstützung und Aktionen in Stadien.

NOFV erhöht den politischen Druck

Bemerkenswert ist inzwischen die Haltung des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes. Obwohl die Protestaktionen regelmäßig zu Spielunterbrechungen führen, verzichtet der NOFV nach Angaben des Berichts bislang auf Sanktionen gegen die beteiligten Klubs. Stattdessen richtet der Verband seine Forderungen verstärkt an den DFB. In einem Schreiben an DFB-Präsident Bernd Neuendorf verwies der NOFV darauf, dass Vereine und Anhänger sich über Jahre konstruktiv in die Debatte eingebracht hätten. Die aktuellen Aktionen versteht der Verband demnach als Zeichen dafür, wie hoch die Erwartungen an einen Reformprozess weiterhin sind.

NOFV-Präsident und DFB-Vize Hermann Winkler brachte gegenüber dem MDR zudem einen konkreten Weg ins Spiel. Der für den Herbst vorgesehene außerordentliche DFB-Bundestag, bei dem die Gründung der Frauen-Bundesliga behandelt werden soll, könne auch für eine Entscheidung über die Regionalliga-Struktur genutzt werden. Winkler bezeichnete dies ausdrücklich als ernst gemeinten Vorschlag.

Entscheidung könnte auf dem DFB-Bundestag fallen

Damit verlagert sich die Diskussion zunehmend von den Tribünen in die Verbandsgremien. Nach dem Bericht könnte der NOFV selbst einen entsprechenden Antrag einbringen. Für eine Änderung wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Ob diese tatsächlich zustande kommt, bleibt abzuwarten. Befürworter der Reform verweisen allerdings auf Zustimmung aus dem Profifußball sowie auf vorherige Klub-Abstimmungen im Westen und Norden.

Bis zu einer möglichen Entscheidung dürfte das Thema die Regionalligen weiter begleiten. Die jüngsten Aktionen zeigen jedenfalls, dass die Fanszenen ihren Protest nicht auslaufen lassen wollen. Gleichzeitig steigt für den DFB der Druck, aus der seit Jahren geführten Debatte über den Aufstieg zur 3. Liga eine konkrete Entscheidung zu machen.