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St. Pauli reist mit juristischem Beistand zum Pokalspiel in Essen

Das DFB-Pokalspiel zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC St. Pauli wird am Sonntag nicht nur sportlich unter besonderer Beobachtung stehen. Die Braun-Weisse Hilfe kündigte an, am Stadion an der Hafenstraße mit Anwälten präsent zu sein. Hintergrund sind Berichte über problematische Einlasskontrollen bei früheren Spielen in Essen sowie rechtsextreme und diskriminierende Vorfälle im Umfeld von RWE. Der Drittligist verweist dagegen auf einen inzwischen ausgetauschten Sicherheitsdienst und sein Vorgehen gegen menschenfeindliches Verhalten.

Juristische Unterstützung am Gästeblock

Für die Anhänger des FC St. Pauli beginnt die Vorbereitung auf das Erstrundenspiel bereits vor dem Anpfiff um 18 Uhr. Neben der organisierten Anreise, unter anderem mit einem Sonderzug, will die Braun-Weisse Hilfe sowohl im Eingangsbereich als auch innerhalb des Stadions ansprechbar sein. Die Fanhilfe plant nach eigenen Angaben, juristischen Beistand einzusetzen. Anwälte sollen bei möglichen Konflikten unmittelbar reagieren können. Darüber hinaus wollen die Verantwortlichen die Abläufe beobachten und gegebenenfalls dokumentieren.

Auslöser sind Schilderungen von Anhängern anderer Vereine über frühere Kontrollen in Essen. Die Braun-Weisse Hilfe verweist insbesondere auf das DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV im August 2023 sowie auf Erfahrungen von Fans von Arminia Bielefeld. Demnach soll es bei Kontrollen zu Berührungen im Intimbereich gekommen sein. Weibliche Besucherinnen seien zudem aufgefordert worden, ihren BH zu öffnen oder weitergehende körperliche Kontrollen zuzulassen. Dabei handelt es sich um Vorwürfe, auf die sich die Fanhilfe in ihrer Vorbereitung ausdrücklich bezieht. Sie hält derartige Maßnahmen für unzulässig und will die mitreisenden St.-Pauli-Anhänger über ihre Rechte informieren.

RWE setzt inzwischen auf anderen Ordnungsdienst

Rot-Weiss Essen weist darauf hin, dass der Sicherheitsdienst aus dem Pokalspiel gegen den HSV nicht mehr für den Verein tätig ist. Seit dem Sommer 2025 arbeite RWE mit einem neuen Unternehmen zusammen. Dessen zertifizierte Mitarbeiter würden nach Vereinsangaben auf jedes Heimspiel vorbereitet. Auch organisatorisch habe der Drittligist seine Strukturen erweitert. Seit Anfang 2026 kommen im Arbeitskreis „Fanbelange und Sicherheit“ Vertreter von Verein, Fanszene, Stadt, Polizei und Feuerwehr zusammen. Besprochen werden dort operative Fragen rund um die Heimspiele.

Zusätzlich verweist RWE auf die Zusammenarbeit mit dem AWO-Fanprojekt sowie auf die Sozialinitiative ESSENER CHANCEN. Der Verein betont, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung nicht zu dulden. Als mögliche Konsequenzen nennt RWE Strafanzeigen, Stadion- und Hausverbote, Vereinsausschlüsse sowie zivilrechtliche Schritte.

Vorfälle erhöhen die Aufmerksamkeit

Die besondere Sensibilität vor dem Duell hängt nicht allein mit den Einlasskontrollen zusammen. Beim Essener Saisonauftakt in Saarbrücken, den RWE mit 2:5 verlor, zeigte ein mitgereister Anhänger nach dem Treffer von Ben Hüning eine Geste, die als Hitlergruß erkennbar war. Bereits im Dezember 2024 hatte ein Zuschauer während einer Schweigeminute im Stadion an der Hafenstraße eine fremdenfeindliche Parole gerufen. Andere Fans reagierten mit „Nazis raus“-Rufen. Nach Darstellung des Vereins wurde die betreffende Person identifiziert, mit einem Stadionverbot belegt und angezeigt. RWE sei außerdem zivilrechtlich gegen sie vorgegangen.

Für Kritik hatte auch ein sexistischer Flyer gesorgt, der im Umfeld der Essener Kurve verteilt worden war und Frauen aus den vorderen Reihen verdrängen sollte. Der Verein distanzierte sich damals von dem Inhalt.

Fanhilfe sammelt Rückmeldungen

Während des Pokalspiels richtet die Braun-Weisse Hilfe ein Spieltagstelefon ein. Die Nummer soll vor der Partie über die eigenen Social-Media-Kanäle verbreitet werden. Zusätzlich steht spätestens zwei Stunden vor dem Anpfiff ein digitales Feedback-Angebot bereit, über das Besucher ihre Erfahrungen schildern können. Die Auswertung kann anschließend auch dem gastgebenden Verein zur Verfügung gestellt werden. Ob die angekündigten Vorsichtsmaßnahmen tatsächlich benötigt werden, entscheidet sich am Sonntag. Rot-Weiss Essen wird sich dabei nicht nur an der Organisation des Pokalspiels, sondern vor allem an einem professionellen und verhältnismäßigen Umgang mit den Gästefans messen lassen müssen.