Während bei zwei ambitionierten Drittligisten bereits nach fünf Spieltagen die Trainer ausgetauscht wurden, setzt Rot-Weiss Essen weiter auf Kontinuität. RWE-Coach Uwe Koschinat sieht frühe Freistellungen grundsätzlich differenziert und hält zugleich den Essener Umgang mit den eigenen Saisonzielen für einen wichtigen Faktor.
Koschinat verweist auf unterschiedliche Erwartungen
Fünf Spieltage haben in der 3. Liga bereits gereicht, um die ersten Trainerwechsel auszulösen. Sowohl Daniel Scherning beim SV Wehen Wiesbaden als auch Daniel Brinkmann bei Hansa Rostock mussten ihre Posten räumen. Beide Klubs waren mit großen sportlichen Ambitionen in die Saison gestartet und hatten den Aufstieg in die 2. Bundesliga als Ziel formuliert. Uwe Koschinat möchte die Entscheidungen von außen dennoch nicht vorschnell bewerten. Bei einer Trainerfreistellung müsse immer berücksichtigt werden, welche Erwartungen innerhalb eines Vereins herrschten und wie groß der Erfolgsdruck sei.
Zudem seien Außenstehenden entscheidende Einblicke verwehrt, etwa in das Verhältnis zwischen Mannschaft, Trainer und Verantwortlichen. Dass es ausgerechnet Scherning und Brinkmann getroffen hat, bedauert der Essener Trainer auch persönlich. Mit beiden Kollegen habe er sich regelmäßig über die 3. Liga ausgetauscht.
RWE verzichtet auf eine Aufstiegspflicht
Die Situation an der Hafenstraße stellt sich derzeit deutlich entspannter dar. Essen ist erfolgreich in die neue Saison gekommen, während Koschinat bei der Formulierung der sportlichen Ansprüche bewusst einen anderen Weg gewählt hat. Statt einen möglichen Aufstieg zum verbindlichen Saisonziel zu erklären, arbeitet RWE mit kurzfristigeren Vorgaben. Diese Strategie soll verhindern, dass die gesamte Saison frühzeitig an einem einzigen großen Ziel gemessen wird.
Koschinat sieht darin einen Vorteil für die tägliche Arbeit. „Wir haben mit dem Ausrufen der Zwischenziele sehr gute Erfahrungen gemacht“, erklärt der 55-Jährige. Die einzelnen Etappen seien schneller erreichbar und hätten sich bereits in der Vergangenheit bewährt. Die frühen Trainerwechsel bei zwei Konkurrenten können zumindest als Hinweis darauf verstanden werden, welche Dynamik entsteht, wenn Anspruch und Ergebnisse schon zu Saisonbeginn auseinandergehen. Eine Garantie gegen sportlichen Druck ist der Essener Ansatz allerdings nicht.
Mehr als 600 Tage auf der RWE-Bank
Koschinat selbst hat bei Rot-Weiss Essen inzwischen eine für das schnelllebige Trainergeschäft bemerkenswerte Amtszeit erreicht. Bleibt er weitere 15 Tage im Amt, würde er Christian Neidhart in der historischen Rangliste der RWE-Trainer überholen. Der Essener Trainer weiß deshalb, dass seine derzeit komfortable Situation keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade die Entwicklungen in Wiesbaden und Rostock zeigen, wie schnell sich die Rahmenbedingungen im Profifußball verändern können.
Für RWE spricht momentan jedoch nicht nur der gelungene Saisonstart. Auch der Verzicht auf eine öffentlich formulierte Aufstiegspflicht nimmt zumindest einen Teil des zusätzlichen Erwartungsdrucks aus dem Umfeld. Entscheidend wird sein, ob die Mannschaft ihre Zwischenziele weiterhin erreicht, denn am Ende bleibt auch Kontinuität im Trainergeschäft eng mit sportlichen Ergebnissen verbunden.



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