Wir blicken auf ein Halbjahr zurück, welches es für den TSV 1860 München so in sich hatte, mit Höhen und Tiefen.
Was wurde vor der Drittligasaison 2020/21 nicht alles in der vielschichtigen Münchner Medienlandschaft rund um den TSV 1860 München spekuliert. Ein inzwischen fast schon fest verankertes Ritual der örtlichen Gazetten. Im Verbund mit dem ein oder anderen Löwen-Blog, wurde in der Sommermonaten fast schon regelmäßig der drohende sportliche Niedergang vorhergesagt, gepaart mit dem unvermeidlichen Abstieg in die Regionalliga Bayern.
Warum in Corona Zeiten eine Ausnahme machen?
Die Abgänge von Leistungsträgern wie Bekiroglu und Rieder, des Publikumslieblings Berzel und des Nachwuchsspielers Niemann in der Sommerpause schienen die Löwen teils deutlich zu schwächen und ließen auch bei einem kleinen Teil der Fans Zweifel aufkommen, ob die Mannschaft um Trainer Köllner in der neuen Saison mit den teils stark verstärkten Gegnern mithalten kann. Doch die mit Tallig, Salger, Neudecker und einigen aus der eigenen Jugend hochgezogenen Spielern verstärkte Mannschaft strafte ihre Kritiker – fast schon erwartungsgemäß – wieder einmal Lügen.
Ein Großteil der Löwenfans zeigte auch in diesen schweren Zeiten seine unerschütterliche Treue und kaufte sich trotz der hohen Inzidenzzahlen sehr überschaubarer Aussicht auf einen Platz im Stadion erneut eine Dauerkarte für die Saison 2020/21. Die über 10.000 verkauften Saisontickets waren zugleich ein Vertrauensbeweis in die sportliche Führungsmannschaft um Trainer Köllner.
Saisonstart besser als erwartet
Die Saison begann mit einem nicht zu erwartenden 3:1 Auswärtssieg beim SV Meppen und nach drei Siegen aus den ersten vier Spielen grüßten die Löwen sogar von der Tabellenspitze. Für die traditionell eher durchwachsen in die Liga startenden Löwen ein absolut untypischer Auftakt. Erst am fünften Spieltag ging der TSV 1860 München erstmalig als Verlierer vom Platz, gegen den 1. FC Saarbrücken setzte es eine äußerst unglückliche 1:2 Niederlage, danach gelang zwar ein 2:0 Auswärtssieg in Unterhaching, gegen den MSV Duisburg gab es dann aber trotz deutlicher Überlegenheit erneut eine Heimniederlage (0:2).
Für die junge Mannschaft, die immer einen kämpferisch und läuferisch einwandfreien Einsatz zeigte gab es dann zwischen zwei Kantersiegen (6:1 gegen Halle und 5:0 gegen Mannheim) eine Serie von fünf sieglosen Spielen in Folge (3x Unentschieden, 2x Niederlagen), die natürlich sofort die ersten Kritiker auf den Plan rief. Da neben dem Platz für Löwenverhältnisse außergewöhnliche Ruhe herrschte musste der Boulevard schon so Lappalien wie einen unglücklichen Torjubel von Erdmann in den Vordergrund zerren um ein Skandälchen zu produzieren.
Fans und Medien bemängeln fehlende Breite im Kader
Während der Phase von fünf Partien ohne Sieg wurde von einzelnen Berichterstattern auf einmal die „fehlende Breite im Kader“ bemängelt, natürlich verbunden mit Kritik an Sportdirektor Gorenzel Diese Kritik wurde durch die Leistungen auf dem Platz gerade in er englischen Woche vor der Winterpause im Keim erstickt. Es waren gerade die jungen Spieler, die für die verletzen oder gesperrten Lex, Wein, Willsch, Dressel oder Salger ihren Mann standen.
Nach langer Verletzungspause lieferte Belkahia am Betzenberg eine beeindruckend fehlerfreie Partie ab, Greilinger zeigte sich immer wieder als belebendes, quirliges Element mit Torgefahr, Dressel mit einem 4-Tore Sahnetag gegen den Halleschen FC und nicht zuletzt der erst 17jährige Knöferl, der gegen den SV Wehen Wiesbaden kurz vor Ende den 2:2 Ausgleich erzielte.
Trainer Köllner spricht nicht nur von der Jugend, er gibt ihr auch eine faire Chance, so feierten in dieser Spielzeit neben den oben genannten auch noch Durrans und Ngounou Djayo ihren Einstand im Profifußball, auch Klassen kam immer wieder mit Einsatzzeiten.
Oldies rund um Mölders können es immer noch
Aber auch die alten Haudegen überzeugten vor der Winterpause, Erdmann dirigierte lautstark, die Dauerläufer und inzwischen unverzichtbaren Wein und Willsch mit Pferdelunge, Lex immer wieder mit öffnenden Pässen und Torgefahr, Steinhart in der Abwehr fast unverzichtbar, Moll im defensiven Mittelfeld sehr präsent und im Tor ein bärenstarker Hiller. Beim Auswärtsspiel bei Viktoria Köln waren nicht wenigen als 10 der 17 Spieler im Kader, die zumindest einen Teil ihrer Ausbildung beim TSV 1860 München verbracht haben, dies dürfte in der gesamten Liga ein Rekordwert sein.
Die englische Woche vor der Winterpause wurde nach dem klaren 5:0 gegen Waldhof Mannheim, mit einem 3:0 Sieg am Betzenberg und einem 2:2 Unentschieden gegen den SV Wehen Wiesbaden sehr erfolgreich abgeschlossen. In diesem kleinen Rückblick darf natürlich Sascha Mölders nicht fehlen. Der inzwischen 36jährige, der vor der Saison von einigen Berichterstattern mit der SpVgg Unterhaching in Verbindung gebracht wurde und eigentlich seine Fußballschuhe an den Nagel hängen wollte erzielte in den 17 Spielen bereits 12 Treffern und führt damit die Torschützenliste der dritten Liga an.
Die Spielweise mag zwar vereinzelt polarisieren, der alte Mann im Sturm weiß aber einfach wo das Tor steht und ist für die Löwenfans neben seiner kämpferischen Einstellung auf dem Platz auch aufgrund seiner oftmals deutlichen, ehrlichen Worte ein absoluter Publikumsliebling.
Köllner passt zur Mannschaft wie der berühmte Deckel auf den Topf
Bestes Beispiel ist ein Interview mit dem Bayrischen Rundfunk nach dem Spiel gegen Türk Gücü München (2:2), als der Reporter den Löwen eine „Ergebniskrise“ attestierte. Mölders sprach das aus, was die meisten Löwenfans denken und machte deutlich, was er von der oft reißerischen Berichterstattung der Medienvertreter rund um den TSV 1860 hält. Vorsichtig formuliert, sehr wenig…. „Vor der Saison waren wir Abstiegskandidat Nummer 1. Jetzt stehen wir relativ gut da und du redest von Krise. Ich habe keinen Bock mehr.“
Die Münchner Löwen liegen aktuell mit 27 Punkten nach 17 Spielen in der durch die coranabedingten Ausfälle stark verzerrten Tabelle auf einem beachtenswerten dritten Platz. Ob ein ständig ausverkauftes Grünwalder Stadion noch den Ein oder Andern Punkt „erbrüllt“ hätte bleibt eine hypothetische Spekulation. Von Vorteil war zweifelsohne, dass die Löwen keine einzige Corona-Spielabsage zu verzeichnen hatten und damit immer im Rhythmus blieben.
Neben den zumeist positiven Auftritten auf dem grünen Rasen hat sich auch die Außendarstellung des gesamten Vereins stark verbessert. Vom leider sehr oft über die sozialen Medien öffentlich ausgetragenen Streit der Gesellschafter ist – zumindest nach außen – kaum mehr etwas zu vernehmen und mit Michael Köllner hat man einen Trainer, der aufgrund seines sympathischen Auftretens und seines oberpfälzischen Dialekts sehr viel Authentizität versprüht und gefühlt einfach zu Sechzig passt wie der berühmte Deckel auf den Topf. Mit der Verpflichtung von Marc-Nicolai Pfeifer als Geschäftsführer Finanzen hat man ebenfalls einen Glücksgriff getätigt, die ruhige und sachliche Außendarstellung passt zu den Löwen, die hier leider in der Vergangenheit auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht haben.
Wintersoll der Löwen erfüllt
Aber auch die kleinen Dinge sind es, die positiv wahrgenommen werden. Die vorzeitige Vertragsauflösung des erst Mitte September verpflichteten Pusic lag offensichtlich im privaten Bereich des Spielers und wurde richtigerweise öffentlich nicht breitgetreten und damit der Mensch Pusic aus der medialen Schusslinie genommen. Auch die erstmals konkreten Pläne für eine neue vereinseigene und langersehnte Turnhalle für die verschiedenen Breitensportabteilungen beim TSV 1860 München, vorgestellt vom Präsidium um Robert Reisinger sind ein Schritt in die richtige Richtung für den Gesamtverein.
Von uns gibt es keine Prognose zum endgültigen Abschneiden des TSV 1860 München in der dritten Liga, da gerade in diesen schwierigen Zeiten zu viele Einflüsse die Ergebnisse beeinflussen können. Der eingeschlagene Weg scheint aber in vielen Bereichen genau richtig zu sein.
Zum Abschluss noch ein Zitat eines ehemaligen 1860-Sportdirektors im August 2020 in einem Interview: “Gerade im Moment ist eine etwas perspektivlose Situation. Wo ist der Sonnenstrahl?“
Wir meinen: Sonnenbrille ab und Augen auf, dann siehst du ihn!



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