Der 5:2-Auftakt bei Viktoria Köln war für den SSV Jahn mehr als ein gelungener Start. Er war ein erster Hinweis darauf, wohin Alexander Schmalhofer den Kader sportlich entwickeln will: intensiver, variabler, ballsicherer. Im Sommerinterview machte der Sportdirektor deutlich, dass die Regensburger ihre Jahn-DNA nicht verändern, sie aber mit mehr spielerischer Kontrolle erweitern wollen.
Mehr Kontrolle, gleiche Wucht
Schmalhofer ordnet den klaren Auswärtssieg nüchtern ein. Die Freude über den Auftakt sei groß gewesen, gerade weil man das 5:2 gemeinsam mit den Fans „richtig cool“ habe feiern können. Gleichzeitig blieb der Sportdirektor bewusst bei der Arbeitsebene. Aus dem Spiel nehme man auch Dinge mit, die der Jahn „gerne noch mal besser machen“ wolle, wie er in einem Interview im vereinseigenen Youtube-Kanal verrät.
Genau darin liegt der Kern seiner sportlichen Linie. Regensburg soll weiter über Intensität, aggressives Anlaufen und hohe Laufbereitschaft kommen. Doch diese Wucht soll nicht mehr allein reichen müssen. Schmalhofer spricht von mehr „Ballsicherheit“, von klareren Verbindungen zwischen Defensive und Offensive und von einer Mannschaft, die sich mehr Torchancen erspielen kann, ohne dabei ständig in gefährliche Gegenkonter zu laufen.
Ein Sommer mit klarer Kaderidee
Anders als im Winter, als kurzfristig auf sportliche Probleme reagiert werden musste, konnte der Jahn diesen Sommer früher und strategischer planen. Die Umstellung auf ein Viererkettensystem prägte die Profile, nach denen gesucht wurde. Es ging nicht nur darum, Positionen zu besetzen. Es ging darum, dem Kader eine klarere Statik zu geben.
Die Neuzugänge sollen diese Idee tragen. David Philipp steht für Tempo, Tiefe und Arbeit gegen den Ball. Schmalhofer hob besonders hervor, dass Philipp am ersten Spieltag unter den Neuen „mit Abstand die meisten intensiven Meter“ gesammelt habe. Nassim Boujellab und Zétény Jánó sollen auf den offensiven Halbpositionen Kreativität, Pressingbereitschaft und Unberechenbarkeit einbringen. Gerade die Zehnerrollen sieht Schmalhofer als Scharnier zwischen Aufbau, Ballgewinn und Torchance.
Im Tor bleibt der Konkurrenzkampf offen
Auch auf der Torhüterposition setzt der Jahn auf Entwicklung. Hannes Hermann stand in Köln zwischen den Pfosten, Max Schmitt bleibt aber fest eingeplant. Beide hätten laut Schmalhofer eine starke Vorbereitung gespielt. Hermann habe aktuell „leicht die Nase vorn“, doch Schmitt sei ein Torhüter, mit dem der Verein mittelfristig plane.
Im Mittelfeld soll Erik Majetschak eine wichtige Rolle einnehmen. Schmalhofer sieht in ihm nicht nur den klassischen Arbeiter, der Räume schließt und die Restverteidigung stabilisiert. Majetschak bringe auch Qualität im Spielaufbau mit und könne den Jahn neben Adrian Fein flexibler machen.
Hobsch bringt Erfahrung, Hermes liefert Argumente
In der Offensive setzt Regensburg bewusst auf unterschiedliche Stürmertypen. Patrick Hobsch sei nicht einfach ein Eins-zu-eins-Ersatz für eine andere Personalie, sondern ein eigener Spielertyp. Schmalhofer antwortete auf diese Einordnung mit einem klaren „Jain“ und verwies auf Hobschs Strafraumqualität, Ballsicherung und Erfahrung in der 3. Liga.
Lucas Hermes lieferte beim Auftakt mit seinem Doppelpack sofort Argumente. Dazu kommen Marco Wörner, Florian Dietz und John Posselt, die dem Trainerteam unterschiedliche Lösungen geben sollen. Genau diese Mischung ist gewollt: mehr Varianten, mehr Tiefe, mehr Möglichkeiten, Spiele unterschiedlich anzugehen.
Führung, Nachwuchs und eine Kabine mit Energie
Schmalhofer sieht den Jahn nicht nur sportlich stabiler aufgestellt. Auch die innere Struktur habe sich entwickelt. Mit Felix Strauss als Kapitän und einem neu formierten Mannschaftsrat soll eine Kultur entstehen, in der Leistung nicht nur eingefordert, sondern täglich gelebt wird. Die Mannschaft sei in der Vorbereitung „vorbildlich“ vorangegangen.
Wichtig bleibt auch der eigene Nachwuchs. Jakob Seibold und Arian Dizdarevic sollen weiter gezielt herangeführt werden. Schmalhofer betont Geduld, vor allem bei Dizdarevic, dessen körperliche Steuerung im Herrenbereich besonders wichtig sei. Fußballerisch sieht er ihn bereits auf hohem Niveau. Seibold habe körperlich schon einen Schritt gemacht und solle nun spielerisch weiter integriert werden.
Der Jahn will sich nicht kleiner machen
Mit Blick auf die starke 3. Liga vermeidet Schmalhofer große Kampfansagen. Aber kleinreden will er den Jahn ebenfalls nicht. Andere Vereine hätten größere Budgets, das sei Realität. Dennoch verfüge Regensburg über eigene Mittel, Überzeugung und Qualität. Die Botschaft ist klar: Der Jahn werde sich „nicht verstecken“. Ein Schlüssel soll dabei die Verbindung zu den Fans werden. Schmalhofer spricht von einer möglichen „Heimmacht“ im Jahnstadion und verweist zugleich auf die Auswärtsunterstützung. Sein Appell ist deutlich: „Macht es weiter so“ und „lasst uns diese Einheit sein“.
Als Sinnbild für den Jahn würde er einem Neuzugang einen kurzen Clip vom Auswärtsspiel in Verl zeigen. Ein Spiel, das für ihn vieles bündelte: Teamleistung, Tore, Auswärtssupport, gemeinsames Feiern und einen wichtigen Schritt auf dem Weg zum damaligen Ziel. Am Ende misst Schmalhofer Erfolg nicht nur am Tabellenplatz. Im Mai will er erkennen, dass sich der Jahn in allen Spielphasen weiterentwickelt hat: im Aufbau, im Passspiel, im Anlaufen, im Umschalten und bei Standards. Der Auftakt hat gezeigt, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Entscheidend wird nun, ob aus einem starken Start eine stabile Entwicklung wird.



