Im Streit um die künftige Aufstiegsregelung aus den Regionalligen erhöht der Nordostdeutsche Fußball-Verband den Druck auf den DFB. Der NOFV setzt auf einen mehrstufigen Weg, an dessen Ende notfalls ein außerordentlicher DFB-Bundestag über das sogenannte Kompassmodell entscheiden könnte. Unterstützung erhält der Verband unter anderem von Rot-Weiß Erfurt.
NOFV will letzte Verständigung der Regionalverbände erreichen
Die Diskussion um eine Reform der Regionalligen steuert auf eine entscheidende Phase zu. Hintergrund ist die seit Jahren umstrittene Situation, dass fünf Regionalliga-Meister um lediglich vier Aufstiegsplätze in die 3. Liga kämpfen. Ziel der Reformbemühungen ist eine Regelung, die jedem Staffelsieger den direkten Aufstieg ermöglicht. Nach einem Bericht der „BILD“ geht aus einem Schreiben des NOFV-Präsidenten Hermann Winkler und Geschäftsführer Till Dahlitz an DFB-Präsident Bernd Neuendorf hervor, wie der Nordost-Verband nun weiter vorgehen will.
Zunächst sollen die Regionalverbände noch einmal ohne Beteiligung des DFB zusammenkommen. Auf der Agenda stehen demnach verschiedene Möglichkeiten einer Neuordnung, darunter das Kompassmodell. Auch eine Aufstockung der 3. Liga auf 22 Mannschaften mit jeweils fünf Auf- und Absteigern soll diskutiert werden. Diese Variante dürfte allerdings kaum Chancen besitzen, da sie von den Drittligisten abgelehnt wird.
Neuendorf soll bei festgefahrenen Gesprächen vermitteln
Bleibt eine Einigung der Regionalverbände aus, rückt der DFB selbst stärker in den Mittelpunkt. Neuendorf hatte bereits angekündigt, Gespräche mit den Verantwortlichen der Regionalliga-Träger führen zu wollen. Der NOFV drängt darauf, dieses Treffen zeitnah anzusetzen. Damit könnte der DFB-Präsident zum entscheidenden Vermittler werden. Auch weitere Spitzenfunktionäre wie DFB-Vizepräsident und DFL-Aufsichtsratschef Hans-Joachim Watzke könnten bei der Suche nach einem Kompromiss eine Rolle spielen.
Bei Rot-Weiß Erfurt wird dieser Schritt ausdrücklich begrüßt. Sport-Geschäftsführer Franz Gerber hält eine Einigung allein zwischen den Regionalverbänden allerdings für wenig wahrscheinlich. Größere Hoffnungen verbindet er mit einem Eingreifen Neuendorfs. Gegenüber der „BILD“ erklärte Gerber, inzwischen werde nicht mehr nur im Nordosten, sondern bundesweit eine Lösung erwartet.
Außerordentlicher Bundestag als letztes Mittel
Sollten auch die Gespräche unter Führung des DFB ohne Ergebnis bleiben, plant der NOFV offenbar die nächste Eskalationsstufe. Dann könnte der Verband die Einführung des Kompassmodells auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag zur Abstimmung stellen lassen. Ein solcher Bundestag müsste nach Einreichung des entsprechenden Antrags innerhalb von neun Wochen stattfinden. Nach den von der „BILD“ dargestellten Mehrheitsverhältnissen könnte das Modell dort grundsätzlich Chancen auf die erforderliche Zustimmung besitzen. Entscheidend wäre allerdings, wie geschlossen die verschiedenen Regional- und Landesverbände sowie die Vertreter der DFL tatsächlich abstimmen.
Gerber sieht den möglichen Gang vor den Bundestag deshalb als realistisches Szenario. Für ihn erhöht allein die Ankündigung den Druck erheblich. Einen Rückzug des NOFV hält der Erfurter Geschäftsführer nach der nun gewählten Vorgehensweise kaum noch für vorstellbar.
Proteste aus Vereinen und Fanszenen sollen weitergehen
Parallel zu den Gesprächen dürfte der öffentliche Druck bestehen bleiben. Vereine und Fans aus dem Nordosten hatten zuletzt mit verschiedenen Aktionen auf die aus ihrer Sicht unbefriedigende Aufstiegsregelung aufmerksam gemacht. Bemerkenswert ist dabei die Haltung des NOFV. In seinem Schreiben an Neuendorf würdigt der Verband die bisherigen Proteste ausdrücklich und verweist darauf, dass diese friedlich und sachlich geblieben seien. Den wachsenden Unmut wertet der Verband nicht als Konfrontation, sondern als Ausdruck der hohen Erwartungen an eine verbindliche Reform.
Damit zeichnet sich ein klarerer Fahrplan ab: erst ein letzter Einigungsversuch unter den Regionalverbänden, anschließend die Vermittlung durch den DFB und im äußersten Fall eine Abstimmung auf einem außerordentlichen Bundestag. Ob es tatsächlich bis zu dieser dritten Stufe kommt, hängt vor allem davon ab, ob Neuendorf zuvor einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Interessen zustande bringt.



