Beim TSV 1860 München beginnt ein neuer Abschnitt, und er wird deutlich bescheidener ausfallen als zuletzt. Nach einer Saison ohne den erhofften Sprung nach oben rücken an der Grünwalder Straße andere Werte in den Mittelpunkt: Entwicklung, Tempo, Identifikation und finanzielle Vernunft.
Der Blick geht nach vorn
Das letzte Heimspiel gegen Ingolstadt hatte noch einmal etwas Abschiedsschweres. Tränen, Enttäuschung und ein Tabellenplatz, der nicht zu den großen Erwartungen passte, prägten den Saisonabschluss der Löwen. Doch zwischen Frust und Aufarbeitung war bereits zu erkennen, wohin die Reise gehen soll. Mit Xaver Kiefersauer stand ein Spieler aus dem eigenen Nachwuchs erstmals von Beginn an auf dem Platz. Auch Damjan Dordan und Torhüter Paul Bachmann bleiben dem Klub erhalten. Das Signal ist klar: 1860 will stärker auf Spieler setzen, die Entwicklung mitbringen und den Verein bereits kennen.
Weniger Geld, andere Prioritäten
Die finanziellen Möglichkeiten werden spürbar kleiner. Der Spieleretat soll zur neuen Saison deutlich sinken, wie nun aus einem Bericht des „Münchener Merkur“ hervorgeht. Damit rücken teure Verpflichtungen und große Namen erst einmal in den Hintergrund. Für Geschäftsführer Manfred Paula und Trainer Markus Kauczinski bedeutet das: genauer hinschauen, früher erkennen, mutiger entscheiden. Gesucht werden Profis, die Tempo, Dynamik und Perspektive mitbringen, ohne das Budget zu sprengen.
Kauczinski sucht neue Energie
Auch sportlich dürfte sich einiges verändern. Der bisherige Kader war lange auf ein System mit drei Innenverteidigern ausgerichtet. Zuletzt testete Kauczinski aber häufiger Varianten mit Viererkette. Dafür braucht es andere Profile, etwa laufstarke Außen, flexible Verteidiger und mehr Zug über die Flügel.
Der Trainer sieht den Wandel nicht nur als Einschränkung. „Veränderungen brauchen Raum. Es wird etwas Neues entstehen“, sagte Kauczinski. Gleichzeitig betonte er, 1860 bleibe in der 3. Liga attraktiv genug, um passende Verstärkungen zu finden.
Ein Gerüst ist vorhanden
Ganz bei null beginnen die Löwen nicht. Der Kader besitzt bereits eine erkennbare Achse: Thomas Dähne im Tor, Max Reinthaler in der Defensive, Tunay Deniz im Mittelfeld, Kevin Volland als Identifikationsfigur und Sigurd Haugen als Hoffnungsträger im Angriff. Gerade Haugen könnte jedoch zum großen Thema des Sommers werden. Der Norweger hat mit seinen Toren Aufmerksamkeit geweckt und dürfte für höherklassige Vereine interessant sein. Ob er bleibt, hängt wohl auch davon ab, ob er bei 1860 eine echte sportliche Perspektive sieht.
Kein Angriff mit Ansage
Paula hält sich bei den Planungen gewohnt zurück. Man prüfe Möglichkeiten und werde informieren, sobald Verträge unterschrieben seien. Nach einem großen Aufstiegsangriff klingt das bislang nicht. Vielleicht liegt genau darin die neue Chance der Löwen. Weniger Glanz, weniger Risiko, dafür mehr Hunger und ein Kader, der nicht nur Namen sammelt, sondern wieder besser zusammenpasst.
