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Preußen Münster zwischen Aufstiegsziel und Geduldsprobe: Wörle gibt die Richtung vor

Bei Preußen Münster treffen nach dem Zweitliga-Abstieg zwei Dinge aufeinander: ein klar formulierter Aufstiegsanspruch und ein Kader, der sich nach zahlreichen Veränderungen erst finden muss. Trainer Thomas Wörle will deshalb nicht überstürzen. Der 44-Jährige sieht viel Potenzial beim SCP, rechnet auf dem Weg dorthin aber auch mit schwierigen Phasen.

Wörle bremst die Erwartungen zum Saisonstart

Preußen Münster hat für die kommenden Jahre ein klares Ziel ausgegeben: Spätestens innerhalb von drei Jahren soll die Rückkehr in die 2. Bundesliga gelingen. Für Thomas Wörle bedeutet das allerdings nicht, dass der SCP bereits vom ersten Spieltag an wie ein Aufstiegsfavorit auftreten kann. „Wir sind sehr ambitioniert hier“, sagte der neue Trainer im Gespräch mit dem WDR. Gleichzeitig müsse Münster nach dem Abstieg die Realität der 3. Liga akzeptieren und sich zunächst in der neuen Umgebung zurechtfinden.

Wörle kennt genügend Beispiele von Absteigern, denen dieser Schritt schwergefallen ist. Hinzu kommt ein größerer personeller Umbruch. Zahlreichen Abgängen stehen neun externe Neuzugänge gegenüber. Entsprechend erwartet der Coach nicht, dass sämtliche Abläufe sofort funktionieren. „Das wird auch ein bisschen dauern können“, erklärte Wörle. Dass es zwischenzeitlich auch einmal „ruckeln“ könne, gehört für ihn zu einem solchen Neuaufbau dazu.

Neuer Kader soll schnell zu einer Einheit werden

Die ersten Eindrücke aus der Vorbereitung stimmen den Trainer dennoch positiv. Wörle berichtet von einer hohen Bereitschaft innerhalb der Mannschaft. Bei der Kaderplanung wurde zudem darauf geachtet, junge Neuzugänge mit Spielern zu verbinden, die bereits länger in Münster aktiv sind. Für zusätzliche Erfahrung in der Offensive soll Felix Higl sorgen. Der 29-Jährige kam von der SpVgg Greuther Fürth und kennt Wörle bereits aus gemeinsamen Zeiten beim SSV Ulm. Higl bringt 48 Einsätze in der 2. Bundesliga und 97 Spiele in der 3. Liga mit.

Sein neuer Trainer schätzt vor allem dessen Fähigkeit, Bälle zu behaupten, Spielsituationen zu erkennen und auch gegen den Ball mitzuarbeiten. Im Test gegen den FC Southampton traf Higl bereits für die Preußen. Die beiden Partien gegen den englischen Klub endeten 1:1 und 1:2. Münsters Kader fällt außerdem durch seine körperliche Größe auf. Zehn Spieler sind mehr als 1,90 Meter groß. Wörle sieht darin gerade bei Standardsituationen einen möglichen Vorteil in einer Liga, die er als besonders physisch einschätzt.

Erfolgreicher Aufbau ist für Wörle kein Neuland

Mit langfristiger Entwicklungsarbeit hat der neue Preußen-Trainer bereits Erfahrung gesammelt. Beim SSV Ulm führte Wörle die Mannschaft während seiner knapp vierjährigen Amtszeit von der Regionalliga bis in die 2. Bundesliga. Zuvor hatte er viele Jahre im Frauenfußball gearbeitet. Mit dem FC Bayern München gewann er zweimal die deutsche Meisterschaft und einmal den DFB-Pokal.

In Münster reizt ihn nun vor allem die Möglichkeit, erneut etwas aufzubauen. Der Verein befinde sich trotz des Abstiegs in einer spannenden Entwicklungsphase. Auch das Preußenstadion wird derzeit umfassend umgebaut. „Hier entsteht einiges“, sagte Wörle über seine ersten Eindrücke beim SCP. Gleichzeitig betont er, dass sportlicher Erfolg nur gemeinsam entstehen könne. Der Trainer bezeichnet sich selbst als „hundertprozentigen Teamplayer“ und möchte Verantwortung nicht allein auf seine Person zuschneiden.

Wiesbaden wird zum ersten echten Prüfstein

Am 8. August wird erstmals sichtbar, wie weit der Neuaufbau bereits fortgeschritten ist. Dann startet Preußen Münster auswärts beim SV Wehen Wiesbaden in die Drittliga-Saison. Wörle verlangt von seiner Mannschaft vor allem Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Genau darin dürfte zunächst die wichtigste Aufgabe liegen. Münster besitzt den Anspruch und die Voraussetzungen, perspektivisch wieder höher anzugreifen. Nach dem großen Umbruch wird sich allerdings erst zeigen müssen, wie schnell daraus auch eine Mannschaft entsteht, die diesen Ambitionen auf dem Platz gerecht werden kann.