Das Ostseestadion wird noch einmal zur Bühne für große Gefühle. Hansa Rostock geht in sein letztes Heimspiel dieser Drittliga-Saison mit viel Druck, einigen Sorgen und dem Wunsch, den eigenen Fans einen würdigen Abschied zu schenken. Gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart zählt für die Kogge vor allem eines, ein Sieg, der Stolz zurückbringt und die kleine Restchance auf mehr am Leben hält.
Rostock will den Heimabschluss erzwingen
Für Hansa Rostock ist dieses letzte Heimspiel weit mehr als ein gewöhnlicher Termin im Saisonkalender. Die Mannschaft steht vor einer Kulisse, die noch einmal alles nach großem Fußball aussehen lässt. Viele Tausend Fans werden im Ostseestadion erwartet, sie wollen Einsatz sehen, Leidenschaft und eine Mannschaft, die sich nicht mit einem leisen Saisonende zufriedengibt. Trainer Daniel Brinkmann machte vor der Partie deutlich, worum es ihm geht. Die Rostocker hätten daheim nicht immer das gezeigt, was sie sich vorgenommen hatten.
Umso größer sei nun der Anspruch, den Anhängern noch einmal einen passenden Abschluss zu liefern. Die Fans, so seine Botschaft, hätten eine besondere Leistung verdient. Gerade die Heimauftritte waren in dieser Spielzeit nicht immer das Fundament, auf dem Hansa seine Ziele aufbauen konnte. Zu oft blieb das Gefühl zurück, dass vor eigenem Publikum mehr möglich gewesen wäre. Gegen Stuttgart II soll sich dieses Bild noch einmal verändern.
Zwischen Resthoffnung und Pokalziel
Rein sportlich ist der ganz große Sprung nur noch theoretisch möglich. Hansa befindet sich auf Platz 6 mit 61 Punkten und hat fünf Zähler Rückstand auf Rang 3, der zu einem möglichen Relegationsplatz führt, sowie ebenfalls fünf Zähler Rückstand auf Platz 2.
Damit die Kogge noch einmal ernsthaft in die Verlosung um die vorderen Ränge kommt, müsste nicht nur in Rostock alles passen. Auch die Konkurrenz müsste kräftig mithelfen.
Realistischer erscheint deshalb ein anderes Ziel, die Qualifikation für den DFB-Pokal. Platz vier ist greifbarer als der Aufstieg, aber auch dafür braucht Rostock im Endspurt Punkte. Nach mehreren Partien ohne Sieg ist klar, dass gegen die Stuttgarter Reserve ein Erfolgserlebnis her muss. Brinkmann will sich während des Spiels nicht von Zwischenständen auf anderen Plätzen ablenken lassen. Für ihn zählt zunächst nur die eigene Aufgabe. Hansa müsse gewinnen, erst danach könne man schauen, was die Resultate der Konkurrenz bedeuten.
Der Schock um Jan Mejdr sitzt tief
Die emotionale Lage rund um das Saisonfinale wird auch durch die schwere Verletzung von Jan Mejdr geprägt. Der Rechtsverteidiger hat sich im Saisonendspurt schwer am Knie verletzt und fällt lange aus. Besonders bitter ist die Situation, weil seine Zukunft in Rostock offen ist und ein Abschied im Sommer im Raum steht. Für Mannschaft und Umfeld ist das ein harter Schlag. Mejdr gilt als Spieler, der mit seiner Art viel Anerkennung gewonnen hat. Brinkmann sprach entsprechend bewegt über den Verteidiger und erklärte, menschlich sei die Nachricht ein großer Schock. Jan habe einen starken Charakter, weshalb die Verletzung alle besonders treffe.
Sportlich reißt der Ausfall ebenfalls eine Lücke. Doch noch schwerer wiegt in diesen Tagen offenbar die menschliche Seite. In einer Phase, in der es ohnehin um Haltung, Zusammenhalt und Energie geht, verliert Hansa einen Spieler, der genau dafür steht.
Mehrere Lücken im Rostocker Kader
Mejdr ist nicht der einzige Ausfall, den Brinkmann auffangen muss. Auch weitere Spieler stehen verletzungsbedingt nicht zur Verfügung oder sind fraglich. Dazu kommen Sperren, die den Kader zusätzlich verändern. Besonders im Zentrum fehlt mit Marco Schuster ein Akteur, der für Ordnung und Struktur steht. Brinkmann bezeichnete ihn sinngemäß als einen Spieler, der das Spiel zusammenhält. Sein Fehlen könne wehtun, gleichzeitig sieht der Trainer seine Mannschaft inzwischen besser vorbereitet, solche Situationen aufzufangen. Alternativen sind vorhanden, nun müssen sie funktionieren.
Das macht die Aufgabe nicht leichter, aber sie verändert auch die Dynamik. Spieler aus der zweiten Reihe bekommen die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Gerade in einem Saisonfinale kann genau daraus neue Energie entstehen.
Stuttgart II kommt mit Tempo und Talent
Der Gegner aus Stuttgart reist ohne großen Abstiegsdruck an die Ostsee. Die zweite Mannschaft des VfB hat den Klassenerhalt bereits gesichert und kann entsprechend frei auftreten. Dass diese Konstellation gefährlich sein kann, zeigte der klare Erfolg gegen Rot-Weiss Essen (6:1) zuletzt eindrucksvoll. Brinkmann warnte besonders vor der Qualität in der Offensive. Namen wie Justin Diehl, Noah Darvich oder Jeremy Arevalo stehen für Tempo, Technik und Unberechenbarkeit. Die Stuttgarter Reserve ist damit ein Gegner, der schwer zu greifen ist, auch weil bei zweiten Mannschaften nie ganz sicher ist, welche Spieler tatsächlich auflaufen.
Der Rostocker Trainer sprach in diesem Zusammenhang auch die grundsätzliche Problematik von Profi-Verstärkungen bei Reserveteams an. Wenn plötzlich mehrere Spieler aus dem erweiterten Profikader dabei seien, könne das ein Spiel stark verändern. Für Vereine, die um sportlich und wirtschaftlich wichtige Ziele kämpfen, sei das eine schwierige Situation.
Keine Zeit für Enttäuschung
Trotz aller Rückschläge will Brinkmann keine negative Stimmung zulassen. Die letzten Spiele sollen nicht von Frust bestimmt werden, sondern von Stolz. Besonders deutlich wurde der Trainer, als es um die mentale Haltung seiner Mannschaft ging: „Für Hansa Rostock zu spielen, lässt keinen Raum für hängende Köpfe“, machte Brinkmann sinngemäß klar. Diese Haltung soll am Samstag sichtbar werden. Hansa braucht Intensität, Mut und den Willen, das Publikum mitzunehmen.
Auch beim Blick auf den Saisonabschluss formulierte Brinkmann den Anspruch klar: „Wir wollen ein gutes Gefühl mitnehmen“, sagte er und verwies darauf, wie wichtig ein positiver letzter Eindruck sei. Gerade deshalb bekommt dieses Heimspiel eine besondere Bedeutung. Es geht um Punkte, Restchancen und Pokalträume. Aber es geht auch darum, mit welchem Gefühl Mannschaft und Fans aus dieser Saison gehen.
