Rot-Weiss Essen hat zum Auftakt der neuen Drittliga-Saison einen krachenden Fehlstart hingelegt. Beim 1. FC Saarbrücken führte die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat nach einer halben Stunde bereits mit 2:0, musste den Ludwigspark am Ende jedoch mit einer deutlichen 2:5-Niederlage verlassen. Nach dem Abpfiff fand der RWE-Coach klare Worte, besonders für die zahlreichen jungen Neuzugänge.
Dabei hatte der Nachmittag aus Essener Sicht vielversprechend begonnen. Ben Hüning brachte die Gäste in der zehnten Minute per Kopf in Führung, Semir Telalovic erhöhte nach einer halben Stunde auf 2:0. Koschinat sah seine neu formierte Mannschaft bis dahin souverän auftreten. Doch anstatt die Führung zur Kontrolle der Partie zu nutzen, ließ RWE den Gegner innerhalb weniger Minuten zurückkommen. Mladen Cvjetinovic verkürzte bereits in der 33. Minute, Christian Kühlwetter stellte unmittelbar vor der Pause auf 2:2. Nach dem Seitenwechsel kippte die Begegnung endgültig. Kai Brünker traf in der 74. Minute zur ersten Saarbrücker Führung, ehe Siemen Voet und der frühere Essener Kelsey Owusu das Ergebnis in der Schlussphase auf 5:2 hochschraubten.
Standards werden zum Essener Hauptproblem
Koschinat machte vor allem die schwache Verteidigung bei ruhenden Bällen als Ursache für den Zusammenbruch aus. Sein deutliches Fazit: „Die Standardsituationen haben uns gekillt“, so Koschinat nach der Partie im interview mit „Sport1„. Gleich mehrere Gegentreffer entstanden nach ruhenden Bällen oder deren zweiten Situationen. Hinzu kam aus Sicht des Trainers, dass seine Mannschaft in wichtigen Momenten nicht schnell genug reagierte und der zunehmenden Saarbrücker Wucht zu wenig entgegensetzte. Besonders schwer wog der Ausgleich unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Dadurch nahm der FCS die komplette Energie mit in die Kabine und setzte Essen nach Wiederbeginn früh unter Druck. RWE konnte sich aus dieser Phase kaum noch lösen und verlor zunehmend den Zugriff.
Koschinat verlangt schnelle Entwicklung
Der Trainer beschränkte seine Kritik jedoch nicht auf die Standards. Auch beim Laufverhalten, beim geschlossenen Nachschieben und bei der gegenseitigen Absicherung erkannte Koschinat deutlichen Nachholbedarf. Gerade Schnelligkeit und hohe Intensität seien wichtige Kriterien bei der Kaderplanung gewesen. Diese Qualitäten müsse die Mannschaft nun wesentlich konsequenter auf den Platz bringen. Dass einige der jungen Neuzugänge in den vergangenen Monaten nur wenig regelmäßig gespielt haben, lässt Koschinat nicht als dauerhafte Erklärung gelten. Seine Ansage fiel entsprechend deutlich aus: „Ich habe keinen Bock, denen Zeit einzuräumen.“ Bei einem ambitionierten Traditionsverein müssten neue Spieler schnell verstehen, welche Anforderungen die 3. Liga stellt.
„Wir müssen ein bisschen männlicher werden“
Die Partie im Ludwigspark dürfte dafür eine schmerzhafte Lehrstunde gewesen sein. Koschinat fordert von seiner Mannschaft mehr körperliche Präsenz, taktische Reife und Entschlossenheit: „Wir müssen ein bisschen männlicher werden.“ Seine Spieler müssten die Intensität annehmen und in den entscheidenden Situationen konsequenter dagegenhalten. Trotz aller Kritik zweifelt der 54-Jährige nicht an der grundsätzlichen Qualität seines Kaders. RWE verfüge über „richtig, richtig starke Jungs“. Nun müsse das vorhandene Potenzial allerdings deutlich schneller in stabile Leistungen umgewandelt werden. Die erste Gelegenheit zur Reaktion bietet sich bereits am kommenden Samstag. Dann empfängt Rot-Weiss Essen den TSV Havelse an der Hafenstraße. Nach dem bitteren Auftakt in Saarbrücken steht RWE schon früh unter Zugzwang, die richtigen Schlüsse aus dem Einbruch zu ziehen.

