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Hansa gegen Stuttgart: Brinkmann setzt auf Mut und defensive Stabilität

Der sportliche Abstand könnte kaum größer sein: Hansa Rostock empfängt am Freitagabend im DFB-Pokal den VfB Stuttgart und geht gegen den Vorjahresfinalisten als klarer Außenseiter in die Partie. Trainer Daniel Brinkmann setzt darauf, den Bundesligisten möglichst lange zu beschäftigen, sich aus dessen Druck zu befreien und die wenigen eigenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen.

Rostock darf sich nicht zurückdrängen lassen

Rund acht Millionen Euro Marktwert auf Rostocker Seite stehen etwa 430 Millionen Euro beim VfB gegenüber. Zahlen, die die Rollen vor dem Anpfiff um 20.45 Uhr eindeutig verteilen. Während Stuttgart mit einem hochklassig besetzten Kader anreist, muss Hansa Wege finden, die individuellen und spielerischen Vorteile der Schwaben zumindest phasenweise auszugleichen. Brinkmann erwartet, dass der Bundesligist früh die Kontrolle übernehmen und Rostock weit in die eigene Hälfte drücken will. Genau dort liegt eine der entscheidenden Aufgaben: Hansa darf nicht dauerhaft in einer passiven Rolle verharren.

Nach Ballgewinnen muss es der Mannschaft gelingen, sich sauber aus engen Situationen zu lösen und selbst für Entlastung zu sorgen. Der Trainer macht aus der Qualität des Gegners keinen Hehl. Stuttgart sei „ein Brett“, erklärte Brinkmann vor der Partie. Dennoch soll seine Mannschaft nicht ausschließlich reagieren. Mutige Aktionen und schnelle Vorstöße könnten die Grundlage bilden, um den Favoriten zumindest ins Nachdenken zu bringen.

Defensive Veränderungen sind möglich

Besonders im Blickpunkt steht die Rostocker Abwehr. Fünf Gegentore aus den ersten beiden Spielen der neuen Drittliga-Saison zeigen, dass die defensive Abstimmung noch nicht zuverlässig funktioniert. Gegen die Stuttgarter Offensive dürfte sich Hansa solche Lücken kaum erlauben können. Mit Ahmet Gürleyen und Franz Pfanne bieten sich Brinkmann personelle Alternativen für das Abwehrzentrum an. Beide machen nach Aussage des Trainers Druck auf die bisherigen Stammkräfte. Veränderungen in der Startelf sind deshalb nicht ausgeschlossen.

Auch eine Umstellung auf eine Formation mit drei Innenverteidigern und einer Fünferreihe bei gegnerischem Ballbesitz erscheint als mögliche Variante. Unabhängig von der Grundordnung wird Rostock kompakt verteidigen, die Räume vor dem eigenen Strafraum begrenzen und konsequenter in die Zweikämpfe kommen müssen. Gleichzeitig braucht es nach Balleroberungen Tempo, damit Stuttgart nicht sofort wieder in seine Ordnung zurückfindet.

Ausfälle schränken Brinkmanns Auswahl ein

Nicht zur Verfügung stehen Emil Holten, Peter Kiedl und Paul Stock. Hinzu kommt der Ausfall von Yannic Stein. Der eigentliche Ersatzkeeper verletzte sich im Training und verpasst damit eine besondere Gelegenheit: Gegen Stuttgart war sein Startelfdebüt vorgesehen. Trotz der personellen Rückschläge soll das Ostseestadion zum Faktor werden. Die Unterstützung von den Rängen allein wird nach Brinkmanns Einschätzung allerdings nicht reichen. Erst die Leistung auf dem Platz könne dafür sorgen, dass sich die besondere Pokalstimmung entwickelt.

Hansa müsse den Zuschauern durch Einsatz, Widerstandsfähigkeit und gefährliche Aktionen Gründe liefern, voll hinter der Mannschaft zu stehen. Der Trainer sieht sein Team dabei ausdrücklich in der „Bringschuld“. Bleibt die Begegnung lange offen, dürfte mit jeder gelungenen Defensivaktion und jedem Rostocker Vorstoß auch der Glaube auf den Tribünen wachsen. Sechsmal nacheinander endete Hansas Pokalweg gegen einen höherklassigen Gegner. Um diese Serie zu stoppen, benötigt Rostock neben einer deutlich stabileren Defensive einen nahezu fehlerfreien Abend. Die Kräfteverhältnisse sind eindeutig, doch gerade ein lange ausgeglichenes Spiel könnte den Druck zunehmend auf den Favoriten verlagern.