Bevor alle Regionalliga-Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen können, müssten sich zahlreiche Vereine zunächst ihren Platz in einer neuen Ligenstruktur sichern. Das diskutierte Kompassmodell sieht vier Staffeln mit insgesamt 80 Mannschaften vor. Für die Klubs wäre deshalb nicht nur die künftige Aufstiegsregel entscheidend, sondern bereits die Qualifikation für das neue System.
Auch die Drittligisten erhöhen den Druck
Eine Neuordnung der Regionalliga beschäftigt längst nicht mehr nur die Vereine der vierten Spielklasse. Die 20 Drittligisten erinnerten in einer gemeinsamen Erklärung vom 30. Juli 2026 daran, dass sie bereits 2018 einen zusätzlichen Abstiegsplatz akzeptiert hatten. Damit verbunden sei die Erwartung gewesen, auch unterhalb der 3. Liga eine tragfähige Lösung zu schaffen. Aus Sicht der Vereine steht diese weiterhin aus.
Wie schwierig eine Einigung bleibt, zeigte die Vereinsabstimmung am 29. Juni: Im Norden, Nordosten und Westen erhielt das Kompassmodell die meisten Stimmen. Der Südwesten bevorzugte dagegen das Regionenmodell, während sich in Bayern eine Mehrheit für die Entwicklung weiterer Vorschläge aussprach. Ein gemeinsames Votum kam nicht zustande.
Zwölf Startplätze pro bisheriger Staffel
Nach Informationen der „Bild“ will DFB-Präsident Bernd Neuendorf das Kompassmodell Ende 2026 oder spätestens im Januar 2027 auf einem DFB-Bundestag zur Entscheidung bringen. Der beschriebene Plan sieht vier Staffeln mit jeweils 20 Mannschaften vor. Jeder Meister hätte einen direkten Aufstiegsplatz, gleichzeitig wären pro Staffel vier Abstiegsplätze vorgesehen. Für den Übergang sollen die fünf bestehenden Regionalligen in der Saison 2027/28 jeweils zwölf Startplätze ausspielen. Zu diesen insgesamt 60 Mannschaften kämen die vier Absteiger aus der 3. Liga sowie die Aufsteiger aus der fünften Spielklasse.
Der sportliche Umbruch würde damit bereits ein Jahr vor dem eigentlichen Neustart beginnen. Die viergleisige Regionalliga könnte anschließend zur Saison 2028/29 eingeführt werden. Diesen grundsätzlichen Zeitrahmen hatte der DFB bereits am 25. März 2026 genannt – ausdrücklich unter dem Vorbehalt eines entsprechenden Beschlusses.
Staffelgrenzen würden beweglich
Bei der Zusammensetzung der Ligen wäre nicht mehr ausschlaggebend, welchem Regionalverband ein Verein angehört. Stattdessen sollen geografisch sinnvolle Gruppen entstehen. KI-gestützte Verfahren könnten dabei helfen, Reisewege zu begrenzen und Derbys zu erhalten. Die Berechnung würde allerdings keine eigenständige Entscheidungsinstanz ersetzen: Die Verantwortung für die Einteilung läge beim zuständigen Ligaträger.
Welche Begegnungen dadurch möglich würden, zeigt ein veröffentlichtes Rechenbeispiel: Der VfB Lübeck und Borussia Dortmund II wären darin derselben Staffel zugeordnet, ebenso Hessen Kassel und Lok Leipzig. Im Süden könnten unter anderem 1860 München und die Stuttgarter Kickers aufeinandertreffen. Die Übersicht ist weder eine beschlossene Staffeleinteilung noch eine Prognose anhand der aktuellen Tabellenstände.
80 Vereine – vier mögliche Staffeln
Ausgangspunkt des Beispiels ist ein DFB-Papier für vier 18er-Staffeln. Für die veröffentlichte 80er-Variante wurden acht Mannschaften ergänzt. Dabei wechselte Schweinfurt innerhalb des Rechenbeispiels von der Ost- in die Südgruppe, nachdem Bayreuth hinzugekommen war. Gerade für Vereine an den geografischen Übergängen wäre eine dauerhafte Zuordnung zu derselben Staffel also nicht garantiert.
So könnten die Regionen zugeschnitten werden
Mehr Heimspiele sind noch keine Einnahmegarantie
Eine Staffel mit 20 Mannschaften bedeutet rechnerisch 38 Saisonspiele und 19 Heimauftritte. Bei der im Entwurf vorgesehenen Obergrenze von sieben Zweitvertretungen hätte eine erste Mannschaft mindestens zwölf Heimspiele gegen andere erste Mannschaften. Daraus könnten zusätzliche Zuschauereinnahmen entstehen. Eine Garantie wäre das jedoch nicht: Mehr Spieltermine verursachen auch organisatorischen Aufwand, die Wirtschaftlichkeit hängt weiterhin von Gegnern, Besucherzahlen und Kosten ab.
Die Initiative „Aufstiegsreform 2025“ fordert deshalb nicht allein eine andere Staffelaufteilung. Zu ihren veröffentlichten Eckpunkten gehören einheitliche Zulassungs- und Infrastrukturstandards mit realistischen Übergangsfristen. Auch die organisatorische Trägerschaft müsste geklärt werden; als Möglichkeit wird eine gemeinsame Liga-GmbH unter Beteiligung der Verbände beziehungsweise in enger Anbindung an den DFB genannt.
Für ambitionierte Regionalligisten wäre ein verlässlicher Direktaufstieg ein erheblicher Fortschritt. Entscheidend wäre aber ebenso, wie fair die Startplätze für das neue System vergeben werden und welche Anforderungen die Vereine anschließend erfüllen müssten. Die Reform würde deshalb nicht erst beim nächsten Meister beginnen, sondern schon beim Zugang zur neuen vierten Liga.



Diskussion eröffnen
Sachlich, fair und direkt über die 3. Liga diskutieren.