Fortuna Düsseldorf hat seinen Mitgliedern neue Zahlen zum Projekt „Fortuna für alle“ vorgelegt und die fallen wirtschaftlich deutlich positiver aus, als viele Kritiker erwartet hatten. Trotz kostenloser Eintrittskarten erzielte der Verein nach eigenen Angaben erhebliche Zusatzerlöse. Gerade nach dem Absturz in die 3. Liga wird damit aber auch sichtbar, wie stark das Modell vom sportlichen Kurs der kommenden Jahre abhängt.
Sponsoring gleicht Ticketverzicht deutlich aus
Fortuna Düsseldorf hat die Debatte um sein viel beachtetes Ticketmodell mit konkreten Zahlen unterlegt. In einem Schreiben an die inzwischen mehr als 36.000 Mitglieder legte Vorstandschef Alexander Jobst dar, welche wirtschaftlichen Effekte „Fortuna für alle“ seit dem Start zur Saison 2022/23 ausgelöst hat. Der zentrale Punkt: Die kostenlosen Heimspiele haben den Klub zwar zunächst erhebliche Ticketeinnahmen gekostet. Bei den zwölf Partien ohne Eintrittspreis, die allesamt ausverkauft waren, beziffert Fortuna den entgangenen Erlös auf rund sieben Millionen Euro. Dem gegenüber stehen nach Vereinsangaben jedoch zusätzliche Sponsoreneinnahmen von 20 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit dem Projekt erzielt wurden.
Unter dem Strich ergibt sich daraus ein Plus von 13 Millionen Euro. Damit widerspricht der Klub dem Vorwurf, die Freikarten seien vor allem ein kostspieliges Marketingexperiment gewesen.
Mehr Mitglieder, höhere Reichweite, größere Partnererlöse
Besonders deutlich wird der wirtschaftliche Sprung beim Blick auf die Sponsoringentwicklung. Vor Einführung des Projekts lagen Fortunas jährliche Sponsoreneinnahmen demnach bei rund elf Millionen Euro. In der vergangenen Saison kamen allein über die Projektpartner mehr als 20 Millionen Euro zusammen. Auch die Mitgliederzahlen haben sich seit Beginn des Modells spürbar entwickelt. Mittlerweile zählt Fortuna über 36.000 Mitglieder, ein Zuwachs von mehr als 30 Prozent. Für den Klub ist „Fortuna für alle“ damit nicht nur ein Ticketkonzept, sondern längst ein Instrument zur stärkeren Bindung an Fans, Stadt und Sponsoren geworden.
In der 3. Liga wird es allerdings vorerst keine weiteren Freispiele geben. Der sportliche Rückschritt verändert die Rahmenbedingungen und genau darin liegt die größte Unsicherheit für die kommenden Jahre.
Sportlicher Druck bleibt der entscheidende Faktor
Wirtschaftlich half das Projekt Fortuna offenbar auch in einer schwierigen Phase. Trotz des Abstiegs schloss der Verein das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem kleinen Gewinn von 200.000 Euro ab. Ohne die zusätzlichen Erlöse aus dem Umfeld von „Fortuna für alle“ wäre dieses Ergebnis kaum in dieser Form erklärbar. Gleichzeitig zeigt sich die Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg. Das Modell war ursprünglich klar auf eine Entwicklung Richtung Bundesliga ausgerichtet. Die Partner haben ihre Unterstützung zwar auch für den vorübergehenden Aufenthalt in der 3. Liga zugesichert. Sollte der direkte Weg zurück nach oben aber ausbleiben, dürfte die wirtschaftliche Perspektive deutlich komplizierter werden.
Ein weiterer Fixpunkt ist das Jahr 2028. Dann laufen nahezu alle relevanten Verträge aus. Ob Fortuna unter Drittligabedingungen noch einmal vergleichbare Konditionen erzielen könnte, erscheint zumindest fraglich.
Ein starkes Modell mit begrenzter Schonfrist
Die aktuellen Zahlen liefern Fortuna Düsseldorf gute Argumente gegen wirtschaftliche Grundsatzkritik am Freikartenmodell. Aus dem Verzicht auf Ticketerlöse ist bislang kein Verlustgeschäft entstanden, sondern ein Millionenplus. Doch der Spielraum ist nicht unbegrenzt. „Fortuna für alle“ hat dem Verein Reichweite, Aufmerksamkeit und zusätzliche Einnahmen gebracht. Damit daraus ein dauerhaft tragfähiges Konzept bleibt, braucht der Klub nun vor allem sportliche Ergebnisse. Der Wiederaufstieg dürfte daher nicht nur aus sportlicher Sicht zentrale Bedeutung haben, sondern auch für die Zukunft eines Projekts, das in Deutschland weiter einzigartig bleibt.



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