Rot-Weiss Essen bleibt zwar weiterhin ungeschlagen, doch beim 3:3 gegen Preußen Münster offenbarte die Mannschaft von Uwe Koschinat einige Schwächen. Der RWE-Trainer ging anschließend hart mit seinem Team ins Gericht und ärgerte sich besonders über den späten Ausgleich. Für zusätzliche Aufregung sorgte ein Wortgefecht mit Zuschauern auf der Tribüne.
Koschinat sieht falsche Herangehensweise seiner Mannschaft
Elf Pflichtspiele in Folge ohne Niederlage: Die Bilanz von Rot-Weiss Essen kann sich sehen lassen. Trotzdem war Trainer Uwe Koschinat nach dem turbulenten 3:3 bei Preußen Münster alles andere als zufrieden. Der 50-Jährige machte deutlich, dass seine Mannschaft über weite Strecken nicht die Leistung abgerufen hatte, die er von ihr erwartet. Besonders die spielerische Ausrichtung bereitete ihm Sorgen. Nach den erfolgreichen vergangenen Wochen habe sich innerhalb der Mannschaft offenbar eine Herangehensweise entwickelt, die gegen einen körperlich aggressiven Gegner wie Münster nicht funktionierte.
„Wir wollten zu sehr Fußball spielen“, erklärte Koschinat im Interview mit „MagentaSport“. Seine Mannschaft habe sich zuletzt zu sehr auf ihre fußballerischen Qualitäten verlassen. Gegen die intensive Spielweise der Gastgeber sei dies jedoch der falsche Ansatz gewesen. Für den Essener Trainer war die Partie damit auch ein Hinweis darauf, dass die jüngste Erfolgsserie nicht über grundlegende Anforderungen hinwegtäuschen darf. Schließlich hatte RWE seit der Auftaktniederlage beim 1. FC Saarbrücken kein Pflichtspiel mehr verloren.
Golz bewahrt RWE vor größerem Rückstand
Dass die Essener überhaupt bis zum Schluss die Möglichkeit auf ein positives Ergebnis hatten, war nach Einschätzung ihres Trainers vor allem Jakob Golz zu verdanken. Der Torhüter musste insbesondere im zweiten Durchgang mehrfach eingreifen und verhinderte mit seinen Aktionen, dass Münster die Partie vorzeitig zu seinen Gunsten entschied. Koschinat sprach seinem Schlussmann anschließend ein besonderes Lob aus. Ohne dessen Leistung wäre die Begegnung aus seiner Sicht möglicherweise bereits entschieden gewesen.
Gleichzeitig hob der Trainer die Widerstandsfähigkeit seiner Mannschaft hervor. Obwohl Essen spielerisch deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurückgeblieben war, gelang es den Gästen, sich zurückzukämpfen und aus einer schwierigen Ausgangslage noch einiges herauszuholen. Diese Comeback-Mentalität wertete Koschinat ausdrücklich positiv. Sie konnte für ihn allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass RWE insgesamt zu viele Schwächen gezeigt hatte.
Später Gegentreffer sorgt für zusätzlichen Frust
Besonders bitter war aus Essener Sicht die Entstehung des letzten Gegentores. In der 87. Minute erzielte Joshua Mees nach einer Ecke den Treffer zum 3:3-Endstand. Koschinat bemängelte dabei vor allem das Verhalten seiner Defensive. Seine Spieler hätten sich in der entscheidenden Situation zu stark auf den Ball konzentriert und dadurch die Absicherung am zweiten Pfosten vernachlässigt. „Das ist der Kardinalfehler bei jeder Verteidigung“, kritisierte der RWE-Coach.
Gerade angesichts des zuvor betriebenen Aufwands dürfte der späte Ausgleich besonders schmerzhaft gewesen sein. Dennoch räumte Koschinat ein, dass seine Mannschaft gemessen am gesamten Spielverlauf mit dem Unentschieden zufrieden sein müsse.
Wortgefecht mit Münsteraner Zuschauern
Für Gesprächsstoff sorgte nach dem Abpfiff allerdings nicht nur die sportliche Analyse. Auf dem Weg zum Interview beziehungsweise im unmittelbaren Umfeld der Fernsehübertragung geriet Koschinat mit Zuschauern auf der Tribüne aneinander. Bei „MagentaSport“ war zu sehen, wie sich der Essener Trainer einen intensiven Wortwechsel mit einigen Münsteraner Fans lieferte. Als Moderator Thomas Wagner ihn anschließend auf die Situation ansprach, erklärte Koschinat: „Ach, alles gut. Ich lasse mich nur nicht gerne beleidigen, schon gar nicht auf diese Art und Weise.“
Welche Äußerungen den Streit konkret ausgelöst hatten, wurde nicht näher erläutert. Sportlich bleibt für Rot-Weiss Essen nach dem ereignisreichen NRW-Duell eine gemischte Bilanz. Die beeindruckende Serie ohne Niederlage hält an, gleichzeitig hat der Auftritt in Münster gezeigt, dass die Mannschaft insbesondere gegen intensive Gegner Lösungen finden muss, die über ihre spielerischen Fähigkeiten hinausgehen.



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