Nach Derby-Krawallen: Auch ein Polizist im Fokus der Ermittler

Foto: Waldhof X

Ein brennender Gegenstand soll beim Pokalderby zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern vom Spielfeld zurück in Richtung einer Tribüne geworfen worden sein. Im Zusammenhang mit diesem Vorwurf hat die Polizei Ermittlungen gegen einen eingesetzten Beamten bestätigt. Ob durch den mutmaßlichen Wurf jemand verletzt wurde, ist bislang ungeklärt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärte die Polizei, dass wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt sowie eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt werde. Über den Fall hatten zuvor der „Mannheimer Morgen“ und der SWR berichtet. Auf Videoaufnahmen soll eine schwarz gekleidete Person mit Helm zu erkennen sein, die den brennenden Gegenstand aufhebt und wirft.

Zahlreiche Verletzte bei beinahe abgebrochener Partie

Die Vorwürfe gegen den Beamten betreffen einen einzelnen Vorgang während eines Abends mit zahlreichen Ausschreitungen. Beim Derby am 21. August 2026 wurden 35 der rund 1.400 eingesetzten Polizisten verletzt. Darüber hinaus benötigten 85 Zuschauer medizinische Hilfe. Acht von ihnen mussten im Krankenhaus weiterbehandelt werden.

Aus beiden Fanlagern war Pyrotechnik geworfen worden, teilweise auf den Rasen. Zeitweise drohte deshalb ein Spielabbruch. Die Begegnung konnte jedoch zu Ende gespielt werden: Kaiserslautern gewann nach Verlängerung mit 1:0.

„Campus Ludi“ soll einzelne Taten aufklären

Welche Personen für die verschiedenen Vorfälle verantwortlich sind, soll die Ermittlungsgruppe „Campus Ludi“ herausarbeiten. Das Polizeipräsidium Mannheim hat sie zur Aufarbeitung des Derbyabends eingerichtet. Die Ermittler werten dafür vorhandene Informationen, Fotos und Videos aus. Ziel ist es, Tatverdächtige zu identifizieren und eine strafrechtliche Verfolgung zu ermöglichen.

Dabei ist zwischen der Gesamtbilanz der Ausschreitungen und dem konkreten Vorwurf gegen den Polizisten zu unterscheiden. Die Zahl der medizinisch versorgten Menschen allein beantwortet nicht, ob der mutmaßliche Wurf Verletzungen verursacht hat. Genau diese Frage ist nach Angaben der Polizei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Grindel fordert finanziellen Druck auf die Vereine

Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung steht die Verantwortung der Klubs zur Debatte. Der frühere DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach sich laut dpa gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ für empfindliche Geldstrafen aus. Aus seiner Sicht würden erst solche Sanktionen die Vereine zu besseren Eingangskontrollen bewegen. Grindel warnte zudem, dass mangelndes Vorgehen gegen Ultras die Argumente gegen eine Beteiligung der Klubs an zusätzlichen Polizeikosten bei Hochsicherheitsspielen schwäche. Dabei handelt es sich um seine Forderung nach Konsequenzen, nicht um eine bereits verhängte Maßnahme gegen die beiden Vereine.

Für die weitere Aufarbeitung bleibt eine klare Trennung wichtig: Die Diskussion über Kontrollen und finanzielle Verantwortung ersetzt nicht den Nachweis einzelner Straftaten. Auch beim beschuldigten Beamten darf aus einem Ermittlungsverfahren keine vorweggenommene Verurteilung werden.

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