Der nächste Entwicklungsschritt führt Rot-Weiss Essen ausgerechnet weg von seinem größten Rückhalt. Nach drei Pflichtspielsiegen und dem 2:0 im DFB-Pokal gegen den FC St. Pauli ist an der Hafenstraße neue Zuversicht entstanden. Trainer Uwe Koschinat sieht in der wiedererkennbaren Spielweise die Grundlage für den Schulterschluss zwischen Mannschaft und Publikum, nun muss RWE diese Stabilität auch auswärts bestätigen.
Deutliche Antwort auf den Fehlstart
Die 2:5-Niederlage beim 1. FC Saarbrücken hatte Rot-Weiss Essen gleich zum Saisonbeginn unter Druck gesetzt. Koschinat beschrieb die damalige Ernüchterung später drastisch: Es habe sehr schnell „unheimlich auf die Fresse“ gegeben. Die Reaktion seiner Mannschaft fiel jedoch deutlich aus. Essen gewann anschließend drei Pflichtspiele in unterschiedlichen Wettbewerben. Den bisherigen Höhepunkt bildete der überraschende Pokalerfolg gegen Bundesligist St. Pauli. Das 2:0 lieferte nicht nur sportliches Selbstvertrauen, sondern veränderte auch die Stimmung rund um den Verein.
Für Koschinat war dabei entscheidend, wie sich seine Mannschaft präsentierte. Der 54-Jährige sieht inzwischen wieder jene Eigenschaften auf dem Platz, die das Essener Publikum erwartet: hohe Intensität, Mut und eine direkte Spielweise ohne unnötige Umwege. Aus Sicht des Trainers hat die Mannschaft damit gezeigt, dass sie die Identität des Vereins verstanden hat.
Die Hafenstraße als sportliches Fundament
Wie wertvoll die Unterstützung des eigenen Publikums sein kann, zeigte bereits die vergangene Saison. RWE holte zu Hause 40 Punkte und belegte damit den vierten Platz der Heimtabelle. Verl und Cottbus kamen auf dieselbe Ausbeute. Lediglich drei Partien verlor Essen vor eigener Kulisse. Diese Bilanz unterstreicht, welche Bedeutung die Hafenstraße für die sportlichen Ziele des Drittligisten besitzt. Entsteht zwischen Rängen und Rasen eine gemeinsame Dynamik, kann sie der Mannschaft zusätzliche Energie geben und den Gegner früh unter Druck setzen.
Koschinat weiß allerdings auch, dass diese Wirkung nicht automatisch positiv ausfällt. Gerade bei einem jungen Team kann eine unzufriedene Kulisse schnell zur zusätzlichen Belastung werden. Umso wichtiger ist aus seiner Sicht eine klare und verlässliche Spielidee. Bleibt die Mannschaft ihrer zuletzt gezeigten Linie treu, dürfte auch die Unterstützung von den Rängen stabil bleiben.
Auswärtsspiel wird zum nächsten Reifetest
Am Samstag wartet nun eine andere Aufgabe. Um 14 Uhr tritt Essen beim Drittliga-Schlusslicht Wehen Wiesbaden an. Dort soll der erste Auswärtssieg der laufenden Ligaspielzeit gelingen. Die Tabellenposition des Gegners macht RWE zwar zum favorisierten Team, erhöht aber zugleich den Erwartungsdruck. Essen muss in Wiesbaden beweisen, dass der Aufschwung nicht allein von der besonderen Atmosphäre an der Hafenstraße abhängig ist. Gelingt es, Intensität und Konsequenz auch in der Fremde abzurufen, könnten aus den jüngsten Erfolgserlebnissen die ersten Konturen einer konstanten Entwicklung entstehen.


