,

PETA fordert Verbot von Polizeipferden nach Derby-Eskalation

Foto: Waldhof X

Die Ausschreitungen rund um das DFB-Pokalspiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern haben nun auch ein tierschutzrechtliches Nachspiel. PETA hat beim Veterinäramt Mannheim Anzeige erstattet, nicht nur gegen bislang unbekannte Pyrotechnik-Werfer, sondern auch gegen die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes mit Pferden. Die Organisation fordert zudem ein grundsätzliches Verbot von Pferden im Polizeidienst in Baden-Württemberg.

Vier Pferde im Einsatz – Pyrotechnik fliegt aufs Spielfeld

Beim brisanten Südwest-Derby im Carl-Benz-Stadion war die Lage nach dem Ende der regulären Spielzeit eskaliert. Nach Polizeiangaben und Medienberichten kam es zu massiven Ausschreitungen, Pyrotechnik wurde gezündet, Einsatzkräfte mussten auf dem Spielfeld einschreiten. Kaiserslautern gewann die Partie später mit 1:0 nach Verlängerung.

Nach Angaben von PETA waren dabei vier Polizeipferde im Einsatz, die mit Pyrotechnik beschossen worden sein sollen. Genau dieser Einsatz steht nun im Zentrum der Anzeige. Die Tierrechtsorganisation sieht nicht nur die mutmaßlichen Werfer in der Verantwortung, sondern auch jene Beamten, die den Einsatz der Tiere in der aufgeheizten Situation angeordnet oder durchgeführt haben sollen.

PETA kritisiert Einsatz als unnötiges Risiko

PETA argumentiert, dass Pferde in einer solchen Umgebung erheblichem Stress ausgesetzt würden. Die Organisation verweist darauf, dass es sich bei Pferden um Fluchttiere handle, die durch Lärm, Feuer, Rauch und unübersichtliche Menschenmengen besonders belastet werden könnten.

Fachreferentin Dr. Yvonne Würz bezeichnete den Einsatz der Pferde als unnötige Gefährdung der Tiere. Polizeiarbeit müsse nach Auffassung der Organisation ohne berittene Einheiten auskommen. Als Beispiel nennt PETA Hamburg: Dort soll die Reiterstaffel der Polizei Ende 2027 aus Kosten- und Personalgründen aufgelöst werden.

Mannheim steht nach früherem Fall erneut im Fokus

Besondere Brisanz erhält die Anzeige durch einen früheren Fall bei der Mannheimer Reiterstaffel. Im März 2024 waren zwei Mannheimer Polizeibeamte wegen Misshandlungen von Dienstpferden verurteilt worden. Laut PETA wurden dabei unter anderem Schläge gegen Pferde sowie der Einsatz einer Paste auf Pfefferbasis am Trog eines Dienstpferdes thematisiert.

Ein Beamter wurde demnach zu 80 Tagessätzen à 115 Euro verurteilt, ein weiterer zu 140 Tagessätzen à 100 Euro. Letzterer gilt damit als vorbestraft und erhielt zusätzlich ein zweijähriges Verbot für den berufsmäßigen Umgang mit Tieren.

Debatte über Sicherheit weitet sich aus

Die Mannheimer Krawalle beschäftigen längst nicht mehr nur die beteiligten Vereine. Demnach wurden 35 Polizistinnen und Polizisten leicht verletzt, zudem mussten 85 weitere Personen medizinisch versorgt werden. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen Körperverletzungsdelikten, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz.

Innenminister Manuel Hagel hat nach den Vorfällen ein Krisentreffen mit mehreren Vereinen aus den ersten drei Ligen angekündigt. Dabei soll es um Konsequenzen für künftige Risikospiele gehen. Aus Sicht von PETA reicht eine reine Sicherheitsdebatte jedoch nicht aus. Die Organisation will den Fall nutzen, um den Einsatz von Pferden bei Fußballspielen grundsätzlich infrage zu stellen.

Für die 3. Liga und ihre Hochrisikospiele könnte die Anzeige damit eine zusätzliche Diskussion auslösen: Nicht nur Fantrennung, Pyrotechnik und Polizeikonzepte stehen auf dem Prüfstand, sondern auch die Frage, welche Mittel bei solchen Einsätzen überhaupt noch vertretbar sind.