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Nach Pokalsieg gegen St. Pauli: RWE untersucht Sexismus-Vorwürfe

Der überraschende Pokalerfolg gegen den FC St. Pauli wird bei Rot-Weiss Essen von schweren Vorwürfen überschattet. Nach dem 2:0-Sieg soll eine Mitarbeiterin der Gäste auf der Haupttribüne sexistisch beleidigt worden sein. Der Drittligist hat eine Untersuchung eingeleitet und mögliche Sanktionen angekündigt.

Vorwürfe überschatten den Pokalabend

Sportlich hatte Rot-Weiss Essen allen Grund zum Feiern. Mit dem 2:0 gegen den FC St. Pauli gelang dem Drittligisten im Stadion an der Hafenstraße eine große Überraschung im DFB-Pokal. Wenige Stunden später rückte das Ergebnis jedoch in den Hintergrund. Nach dem Abpfiff soll eine Mitarbeiterin des Hamburger Vereins im Bereich der Haupttribüne von mehreren Männern provoziert und mit beleidigenden sowie sexuell diskriminierenden Äußerungen konfrontiert worden sein. Augenzeugen zufolge habe sich der Vorfall über mehrere Minuten erstreckt, wie aus einem Bericht des „RevierSport“ hervorgeht.

Die Vorwürfe sind bislang nicht abschließend aufgeklärt. RWE bestätigte jedoch, entsprechende Berichte erhalten zu haben, und reagierte am Montagabend mit einer öffentlichen Stellungnahme.

RWE entschuldigt sich und kündigt Konsequenzen an

Der Verein verurteilte das geschilderte Verhalten deutlich. „Ein solches Verhalten hat bei Rot-Weiss Essen keinen Platz“, erklärte der Klub. Zugleich entschuldigte sich RWE beim FC St. Pauli und bei der betroffenen Mitarbeiterin. Nun sollen die Abläufe auf der Haupttribüne rekonstruiert werden. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen und die beteiligten Zuschauer ermittelt werden können, will Rot-Weiss Essen nach eigenen Angaben die notwendigen Konsequenzen ziehen. Welche konkreten Maßnahmen in Betracht kommen, ließ der Verein zunächst offen.

Dass RWE bei vergleichbaren Vorfällen zu einschneidenden Sanktionen greift, zeigte sich bereits im Dezember 2024. Damals war während einer Schweigeminute ein fremdenfeindlicher Ausruf zu hören. Nachdem der verantwortliche Zuschauer identifiziert worden war, verhängte der Verein ein Stadionverbot. Zudem folgten eine Strafanzeige und zivilrechtliche Schritte.

Zweiter Sexismus-Vorwurf innerhalb kurzer Zeit

Für Rot-Weiss Essen ist der aktuelle Fall auch deshalb besonders brisant, weil sexistische Beleidigungen aus dem Umfeld des Vereins bereits in der jüngeren Vergangenheit für Aufsehen gesorgt hatten. Beim Drittligaspiel in Verl im März 2025 wurde Schiedsrichterin Fabienne Michel von Essener Anhängern massiv beschimpft.

Der erneute Vorwurf erhöht den Handlungsdruck auf die Verantwortlichen. RWE betont, dass eine emotionale Fankultur und ein respektvoller Umgang miteinander zusammengehören. Entscheidend wird nun sein, ob sich die mutmaßlichen Täter anhand von Zeugenaussagen oder weiteren Erkenntnissen identifizieren lassen.

Der Pokalsieg gegen St. Pauli bleibt sportlich einer der herausragenden Essener Erfolge der jüngeren Vergangenheit. Wie nachhaltig die Freude darüber sein kann, hängt allerdings auch davon ab, wie konsequent der Verein den Vorfall aufarbeitet und welche Folgen sich daraus ergeben.