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Abschied mit Herz: Oehmichen nimmt Dynamo mit nach Aachen

Foto: Lars Zimmermann / Sportfotografie

Sein Namensmagnet hing noch immer an der Aachener Taktiktafel, als hätte es die Rückkehr nach Dresden nie gegeben. Nun ist Jonas Oehmichen tatsächlich wieder bei der Alemannia. Auf dem Rücken trägt er künftig die 44 und damit ein Stück seiner alten Heimat: Zweimal die vier steht für zweimal D, für Dresden und Dynamo.

Aachen hielt seinen Platz frei

Mersad Selimbegović brauchte am Dienstag keine großen Worte, um dem Rückkehrer zu zeigen, wie sehr die Alemannia weiterhin mit ihm gerechnet hatte. Der Trainer führte Oehmichen zur Taktiktafel. Dort klebte noch immer jener Magnet, auf dem sein Name stand. Dabei war die Leihe längst beendet gewesen. Der 22-Jährige war zunächst zu Dynamo Dresden zurückgekehrt, Aachen hätte das Kapitel also problemlos schließen können. Doch der Magnet blieb. Eine kleine Szene, die mehr über Oehmichens Stellenwert aussagte als jede offizielle Begrüßungsformel.

Während der vergangenen Rückrunde hatte sich der zentrale Mittelfeldspieler bei der Alemannia nicht nur Einsatzminuten erarbeitet. Er wurde zu einer prägenden Figur, übernahm Verantwortung und fand eine Rolle, in der seine Qualitäten sichtbar zur Geltung kamen. In Aachen wusste Oehmichen, was von ihm verlangt wurde. Und der Verein wusste, was er an ihm hatte.

Die 44 macht Dynamo sichtbar

So eindeutig die sportliche Entscheidung für Aachen ausfällt, so wenig bedeutet sie einen emotionalen Bruch mit Dresden. Das zeigt bereits Oehmichens neue Rückennummer. Der gebürtige Dresdner entschied sich bewusst für die 44. Die Rechnung dahinter ist einfach, ihre Bedeutung umso persönlicher: D ist der vierte Buchstabe des Alphabets. Zweimal die vier ergibt damit „DD“, die Verbindung aus Dresden und Dynamo.

Oehmichen nimmt seinen Ausbildungsverein also sichtbar mit in den nächsten Abschnitt seiner Karriere. Jede Partie im Aachener Trikot trägt künftig auch eine Erinnerung an jenen Klub, bei dem alles begann. 15 Jahre lang gehörte er zu Dynamo. Aus einem fußballbegeisterten Kind im Nachwuchs wurde ein Profi, der tatsächlich im schwarz-gelben Trikot und vor Dresdner Publikum auflaufen durfte. In seiner Abschiedsbotschaft rückte Oehmichen deshalb vor allem ein Wort in den Mittelpunkt: „Danke“.

Der Verein habe ihm ermöglicht, seinen großen Traum zu verwirklichen. Diese Zeit beschrieb er als „unglaublich und atemberaubend“. Auch die Bezeichnung „Herzensverein“ klingt bei ihm nicht nach einer höflichen Abschiedsfloskel. Dafür reicht die gemeinsame Geschichte zu weit zurück.

Dresden plante weiter mit dem Eigengewächs

Bei Dynamo war Oehmichens Abschied keineswegs vorgesehen. Sportchef Sören Gonther machte deutlich, dass der Klub den Mittelfeldspieler fest in seine Planungen einbezogen hatte. Die Verantwortlichen hätten mehrfach unterstrichen, „mit Oehmi in die Zukunft“ gehen zu wollen. Auch für den Konkurrenzkampf im zentralen Mittelfeld war das Eigengewächs eingeplant. Dresden verlor damit keinen Spieler, der sportlich bereits abgeschrieben war, sondern einen, dessen Entwicklung im eigenen Trikot fortgesetzt werden sollte.

Erst Oehmichens klar formulierter Wechselwunsch veränderte die Lage. Der 22-Jährige wollte zurück nach Aachen, wo er in der Rückrunde Vertrauen, Rhythmus und sportliche Bedeutung gefunden hatte. Gonther verwies zwar auf die lange Verbindung und Oehmichens Einsatz für Dynamo. Zugleich brauche ein gemeinsamer Weg jedoch auf beiden Seiten die „volle Überzeugung“. Als diese beim Spieler nicht mehr uneingeschränkt vorhanden war, akzeptierte Dresden seinen Entschluss.

Die Aussicht auf Minuten entschied

Hinter dem emotionalen Abschied steht eine nüchterne sportliche Abwägung. In Dresden hätte Oehmichen erneut um seinen Platz kämpfen müssen. Besonders im Zentrum war die Konkurrenz groß, regelmäßige Einsätze waren keineswegs sicher. In Aachen stellt sich die Situation anders dar. Oehmichen kennt Trainer, Mannschaft und Abläufe. Vor allem kennt er seine Rolle. Während der Leihe hatte er bereits gezeigt, dass er das Spiel der Alemannia beeinflussen kann und nicht erst über Wochen nach Orientierung suchen muss.

Der Wechsel ist deshalb weniger eine Flucht vor dem Konkurrenzkampf als eine Entscheidung für Kontinuität. Statt in Dresden auf eine Chance zu warten, kann Oehmichen dort ansetzen, wo seine stärkste Phase zuletzt endete. Schon beim Auswärtsspiel in Ingolstadt soll sein Name am Freitag wieder in der Aachener Aufstellung auftauchen. An der Taktiktafel wartet der vertraute Magnet. Auf dem Trikot steht die 44. Oehmichens Zukunft liegt in Aachen, doch Dynamo bleibt bei jedem Schritt sichtbar dabei.

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