Der Streit um den Aufstieg in die 3. Liga erreicht eine neue Eskalationsstufe. Fans in mehreren deutschen Stadien fordern eine Reform, nach der künftig jeder Regionalliga-Meister direkt aufsteigen kann. Besonders der Widerstand aus Bayern sorgt dabei für Ärger.
Vier Meister sollen direkt in die 3. Liga
Das Problem besteht seit Jahren: Deutschland hat fünf Regionalligen, aber nur vier Aufstiegsplätze zur 3. Liga. Während die Meister aus West und Südwest direkt hochgehen, besitzen nicht alle Staffelsieger dieses Recht. Genau diese Ungleichbehandlung soll das sogenannte Kompassmodell beseitigen. Vorgesehen sind künftig vier statt fünf Regionalligen, deren Einteilung sich jährlich an möglichst kurzen Fahrtstrecken orientiert. Der entscheidende Punkt: Vier Staffeln würden vier Meister hervorbringen und jeder von ihnen könnte direkt in die 3. Liga aufsteigen. Eine DFB-Arbeitsgruppe hatte das Modell unter Beteiligung der Regionalverbände bereits ausgearbeitet. Trotzdem stockt die Umsetzung.
Bayern-Fans attackieren BFV-Präsident Kern
Beim Bundesliga-Auftakt des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart (5:1) machten die Münchner Anhänger ihrem Ärger deutlich Luft. Vor der Südkurve hing ein riesiges Transparent mit der Aufschrift „DFB + Regionalverbände = Fußballmafia“. Noch stärker rückte Christoph Kern in den Mittelpunkt. Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands gilt unter Reformbefürwortern als einer der entscheidenden Gegner einer schnellen Umsetzung des Kompassmodells.
Die Kurve verspottete den Kurs des BFV unter anderem mit der Botschaft „Trotz Kompass den falschen Weg einschlagen“. Besonders brisant ist dabei, dass auch der Meister der Regionalliga Bayern von der derzeitigen Aufstiegsregelung betroffen ist und nicht grundsätzlich einen direkten Platz in der 3. Liga erhält. Mit weiteren Bannern warfen die Bayern-Fans Kern vor, im Reformprozess immer neue „Nebelkerzen“ zu zünden. Der Konflikt dreht sich damit längst nicht mehr nur um die Zahl der Regionalligen. Es geht um die grundsätzliche Frage, ob eine Meisterschaft künftig zuverlässig mit dem Aufstieg belohnt wird.
Kern will Regionalliga Bayern nicht einfach aufgeben
Der BFV-Präsident verteidigt seine Haltung. Kern hatte gegenüber der Münchner „Abendzeitung“ erklärt, keines der diskutierten Modelle habe bei den bayerischen Vereinen eine überzeugende Mehrheit erreicht. Deshalb sei er nicht bereit, die Regionalliga Bayern „einfach so aufzugeben“. Allerdings sorgt auch das Abstimmungsverfahren für Diskussionen. Insgesamt sollen mindestens 42 bayerische Vereine abgestimmt haben, darunter rechnerisch mindestens 20 Oberligisten. Diese wären von der Frage des direkten Aufstiegs in die 3. Liga deutlich weniger unmittelbar betroffen als Dritt- und Regionalligisten.
Bei insgesamt 45,2 Prozent Zustimmung zum Kompassmodell steht deshalb die Frage im Raum, wie das Ergebnis ausgefallen wäre, wenn ausschließlich die besonders betroffenen Vereine betrachtet würden.
Protest für direkten Aufstieg wächst
Der Widerstand ist längst kein rein bayerisches Thema mehr. Beim 3:3 zwischen Union Berlin und Eintracht Frankfurt kritisierten Fans die bisherige Entwicklung der Aufstiegsreform scharf. Auf einem Banner war von betrogenen Vereinen und Fans zu lesen, verbunden mit der Botschaft: „Eure Zeit ist um.“ Auch Anhänger des TSV 1860 München machten beim 1:1 gegen Landsberg mobil. Sie forderten ausdrücklich das „Kompassmodell jetzt“ und richteten ihre Kritik ebenfalls gegen Christoph Kern.
Damit eint die Frage nach einem gerechteren Zugang zur 3. Liga sogar rivalisierende Fanszenen. Bayern und Sechzig ziehen zumindest bei diesem Thema in dieselbe Richtung. Auch in anderen Teilen Deutschlands gibt es Protestaktionen. Dabei geraten neben Kern weitere Verantwortliche der Regionalverbände in den Fokus. Hermann Winkler aus dem Nordosten hat inzwischen einen außerordentlichen DFB-Bundestag ins Gespräch gebracht.
Der Druck auf den DFB wächst damit von mehreren Seiten. Im Kern bleibt die Forderung der Fans denkbar einfach: Wer seine Regionalliga gewinnt, soll dafür mit dem Aufstieg in die 3. Liga belohnt werden. Solange fünf Meister um nur vier Plätze kämpfen, dürfte die Debatte kaum zur Ruhe kommen.



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