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Nicht wieder so“: Was Pick beim 0:2 dachte und wie Saarbrücken explodierte

Was für ein Statement zum Start: Der 1. FC Saarbrücken lag gegen Rot-Weiss Essen bereits mit 0:2 zurück und verwandelte einen drohenden Fehlstart noch in einen spektakulären 5:2-Heimsieg. Mindestens genauso wichtig wie die fünf Treffer war für Trainer Argirios Giannikis die Reaktion seiner neu formierten Mannschaft. Kapitän Florian Pick dachte zwischenzeitlich dagegen nur: „Nicht wieder so.“

Giannikis sieht Bestätigung für eine besondere Qualität

Zwei Gegentore, ein namhafter Gegner und eine Mannschaft, die nach dem personellen Umbruch noch längst nicht über Monate zusammengewachsen ist. Der 1. FC Saarbrücken hätte zum Saisonauftakt genügend Gründe gehabt, nach dem frühen Rückschlag ins Wanken zu geraten. Stattdessen wurde aus einem 0:2 ein 5:2. Für Cheftrainer Argirios Giannikis war diese Widerstandsfähigkeit keineswegs eine völlige Überraschung. Schon während der Vorbereitung habe sich gezeigt, dass seine Mannschaft in schwierigen Situationen dagegenhalten könne. Dass dies nun ausgerechnet gegen Rot-Weiss Essen derart eindrucksvoll gelang, verlieh dem Auftakterfolg zusätzliches Gewicht.

Giannikis bezeichnete RWE als „ganz schwere Aufgabe“ und verwies auf die Ambitionen des Gegners, der in der vergangenen Saison lange vom Aufstieg in die 2. Bundesliga träumen durfte. Umso mehr beeindruckte ihn, wie Saarbrücken nach dem 0:2 reagierte und gezeigt habe, „dass wir Herz haben“. Für den Trainer war die Aufholjagd deshalb vor allem eines: „Ein tolles Erlebnis für uns als Mannschaft.“

Pick fürchtete schon die nächste bittere Geschichte

Während Giannikis nach dem Abpfiff die grundsätzliche Mentalität seiner Mannschaft hervorhob, gab Florian Pick einen bemerkenswert offenen Einblick in seine Gedanken während der schwierigen Anfangsphase. Der Kapitän hatte sich einen erfolgreichen Auftakt gewünscht, doch zunächst lief wenig nach Plan. Als Essen zweimal zuschlug, schoss Pick ein kurzer Satz durch den Kopf: „Nicht wieder so.“ Doch genau dieses Szenario verhinderte der FCS diesmal selbst. Saarbrücken fand Zugriff, brachte seine spielerischen Qualitäten zunehmend auf den Platz und drängte Essen immer weiter zurück. Pick sah seine Mannschaft anschließend klar im Vorteil.

Der FCS habe „gut nachgelegt“ und den Gegner schließlich in den Griff bekommen. Deshalb stand für den Kapitän auch an der Bewertung des Resultats wenig Zweifel: Der Sieg sei am Ende verdient gewesen. Die Euphorie soll trotzdem nicht ausufern. Pick erinnerte unmittelbar daran, dass gerade einmal der erste Spieltag absolviert ist. Die Freude über den spektakulären Auftakt darf ihren Platz haben, danach richtet sich der Blick schnell wieder nach vorne. Ab Dienstag beginnt die Vorbereitung auf die nächste Aufgabe.

Fünf Torschützen als Symbol für den neuen FCS

Vielleicht erzählt keine Statistik die Geschichte dieses Saarbrücker Nachmittags besser als diese: Beim 5:2 verteilten sich die Treffer auf fünf verschiedene Spieler. Christian Kühlwetter sah darin mehr als eine nette Randnotiz. Gerade bei einer Mannschaft, die in dieser Form erst seit kurzer Zeit zusammenspielt, zeigte sich für ihn, wie schnell bereits ein gemeinsames Gefühl entstanden ist.

Wir sind komplett neu zusammen“, betonte Kühlwetter mit Blick auf den großen personellen Wandel. Dann gegen einen Gegner wie Essen mit 0:2 zurückzuliegen und eine solche Antwort zu liefern, sei genau die Richtung, in die sich der FCS entwickeln müsse. Besonders wichtig war ihm dabei nicht allein das Ergebnis. Die Saarländer hätten nach dem Rückstand den Fußball gezeigt, „den der Trainer von uns sehen will“. Intensität, Zusammenhalt und die Bereitschaft, gemeinsam zurückzukommen, wurden damit zu den eigentlichen Botschaften dieses Auftakts.

Dass sich am Ende gleich fünf Spieler in die Torschützenliste eintragen konnten und sich „jeder für den anderen gefreut“ habe, unterstrich für Kühlwetter den Teamgedanken. Seine Gefühlslage nach diesem wilden Nachmittag brachte er entsprechend knapp auf den Punkt: „Es macht mega Bock.“

Trotz sieben Toren bleibt Arbeit für Giannikis

Bei aller Begeisterung verlor Giannikis allerdings nicht aus den Augen, weshalb seine Mannschaft überhaupt erst einem Zwei-Tore-Rückstand hinterherlaufen musste. Die Qualitäten der Essener bei Standards und zweiten Bällen seien bekannt gewesen. Trotzdem machte es der FCS dem Gegner bei der Ecke zu einfach. Auch beim zweiten Gegentreffer erkannte der Trainer einen klaren Fehler, weil ein Gegenspieler nicht konsequent aufgenommen wurde.

Genau solche Situationen werden trotz des deutlichen Ergebnisses Teil der kommenden Trainingsarbeit sein. Giannikis will den 5:2-Erfolg deshalb weder kleinreden noch überhöhen. Saarbrücken darf diesen außergewöhnlichen Auftakt genießen, soll danach aber „bodenständig weiterarbeiten“. Vielleicht liegt genau darin der größte Wert dieses ersten Spieltags. Der neue FCS hat noch Baustellen, das zeigte die Anfangsphase deutlich. Gleichzeitig hat die Mannschaft bereits demonstriert, dass ein Rückschlag sie nicht zwangsläufig aus der Bahn wirft. Nach einem 0:2 gegen einen ambitionierten Gegner fünf eigene Treffer folgen zu lassen, ist zumindest ein erstes kräftiges Signal dafür, welches Potenzial in dieser neu zusammengestellten Mannschaft stecken könnte.