„Kann uns extrem viel geben“: Warum Otto vom Viktoria-Sieg besonders angetan ist

Foto: Viktoria Köln

Drei Siege innerhalb weniger Tage, ein überzeugendes 3:0 gegen den FC Ingolstadt und Platz zwei: Viktoria Köln verabschiedet sich mit reichlich Rückenwind in die Pause. Für Kapitän David Otto war dabei weniger die Tabellenkonstellation entscheidend als die Art und Weise, wie seine Mannschaft eine Aufgabe löste, die ihr in der Vergangenheit noch erhebliche Schwierigkeiten bereitet hatte. Trainer Marian Wilhelm zieht nun bewusst die Belastungsbremse.

Otto: „So ein Spiel kann uns extrem viel geben“

Als nach dem Schlusspfiff im Sportpark Höhenberg die ersten Gedanken bereits Richtung freie Woche gingen, stellte David Otto vor allem einen Aspekt heraus: Viktoria hatte Geduld bewiesen. Ingolstadt verteidigte über weite Strecken kompakt und zwang die Kölner dazu, immer wieder neue Lösungen zu suchen. Genau solche Partien waren für die Viktoria in der vergangenen Saison nicht selten zur Geduldsprobe geworden. Diesmal blieb der Drittligist seiner Linie treu.

Es war wieder ein sehr, sehr gutes Spiel über eigentlich die gesamten 90 Minuten“, so Otto. Seine Mannschaft habe in der ersten Hälfte Möglichkeiten ausgelassen, sei davon aber nicht aus dem Konzept gebracht worden. Besonders wichtig sei gewesen, „dass wir da nicht irgendwie ins Zögern oder ins Zweifeln gekommen sind“.

„Müssen uns keine Sorgen machen“: Otto schickt Ansage an die Konkurrenz

Der Kapitän sieht darin mehr als nur eine Momentaufnahme. „So ein Spiel wie heute kann uns extrem viel geben für den Rest der Saison, weil der tiefe Block noch das ein oder andere Mal auf uns warten wird“, erklärte Otto. Die Aussage dürfte auch mit Blick auf die kommenden Wochen interessant sein. Mit jedem erfolgreichen Auftritt wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Gegner der Viktoria weniger Räume anbieten und ihr verstärkt die Aufgabe überlassen, selbst das Spiel zu gestalten. Otto zeigte sich nach dem Ingolstadt-Spiel selbstbewusst: „Wenn wir es so bespielen wie heute, dann müssen wir uns keine Sorgen machen.“

Köln bleibt geduldig – und schlägt nach der Pause zu

Wie sehr die Viktoria inzwischen mit solchen Spielsituationen umgehen kann, zeigte der Verlauf gegen den FCI. Ingolstadt erwischte zunächst sogar den gefährlicheren Start. Bereits in der zweiten Minute musste Viktoria-Keeper Schulz im Eins-gegen-eins gegen Velupillay eingreifen. Danach verschoben sich die Kräfteverhältnisse zunehmend. Köln übernahm mehr Kontrolle und drängte die Gäste phasenweise weit zurück. Otto hatte nach einem Doppelpass mit Niklas Castelle eine gute Gelegenheit, später näherten sich auch Yannick Tonye und Castelle der Führung. Trotz des 0:0 zur Pause änderte die Mannschaft ihre Spielweise nicht. Die Belohnung folgte nach einer Stunde. Castelle behauptete sich im Ingolstädter Strafraum und brachte Viktoria mit 1:0 in Führung.

Kurz zuvor hatte sich bereits angedeutet, dass der Druck auf die Gäste zunahm. Wenige Minuten nach dem Treffer verhinderte FCI-Torwart Klein gegen Swider noch das zweite Gegentor. In der Schlussphase machte Köln den Erfolg schließlich deutlich. Lucas Wolf trieb in der 78. Minute den Angriff durch das Mittelfeld voran und setzte Otto ein. Der Angreifer überwand Klein zum 2:0. Sieben Minuten später wechselten die Rollen: Nach Vorarbeit von Alexander Prokopenko traf Wolf per Kopf zum 3:0-Endstand. Damit feierte Viktoria den dritten Sieg nacheinander und setzte sich zumindest bis zu den Sonntagsspielen an die Spitze der 3. Liga.

Wilhelm verordnet eine komplette Woche Pause

Trotz der aktuellen Serie wird Trainer Marian Wilhelm die Intensität nun nicht weiter erhöhen. Im Gegenteil: Seine Mannschaft bekommt eine Woche frei und nimmt erst am kommenden Montag wieder das Training auf. Die Entscheidung sei bereits unabhängig von den jüngsten Ergebnissen vorgesehen gewesen. Nach der früh gestarteten Sommervorbereitung und der hohen Belastung der vergangenen Wochen sollen die Spieler körperlich und mental Abstand gewinnen.

Einige der Jungs sollen jetzt nach den vielen Spielen erst einmal ihre Beine lockern und ein bisschen rausnehmen, weil es eine sehr intensive Phase war“, erklärte Wilhelm. Anschließend gehe es darum, „sich mit freiem Kopf auf die nächsten Aufgaben einzustellen“. Dass die Pause ausgerechnet nach einer erfolgreichen englischen Woche kommt, dürfte den Erholungseffekt kaum schmälern. Otto will die ungewöhnliche Auszeit für einen Urlaub mit seiner Frau in Österreich nutzen. „Wann hat man schon mal mitten in der Saison eine Woche frei?“, sagte der Kapitän. Mit drei Siegen im Rücken habe sich die Mannschaft diese Pause verdient.

Test gegen Köln, Pokal und dann Aachen

Viel Zeit zum Einrosten bleibt anschließend ohnehin nicht. Am 3. Oktober wartet im Sportpark mit dem Testspiel gegen den 1. FC Köln ein attraktiver Gegner. Vier Tage später steht die zweite Runde des Mittelrheinpokals beim Landesligisten Blau-Weiß Köln an. In der 3. Liga wird es am 11. Oktober bei Alemannia Aachen wieder ernst. Bis dahin besteht die Aufgabe darin, den aktuellen Rhythmus trotz der längeren Unterbrechung nicht zu verlieren.

Der Ingolstadt-Sieg liefert dafür zumindest eine interessante Erkenntnis. Viktoria gewinnt derzeit nicht nur Spiele, sondern scheint auch Antworten auf Aufgaben zu entwickeln, die der Mannschaft zuvor Probleme bereiteten. Gerade deshalb dürfte Otto dem 3:0 langfristig mehr Bedeutung beimessen als der vorübergehenden Tabellenführung.

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