Der Ärger über die 1:2-Niederlage in Mannheim entzündete sich bei Fortuna Düsseldorf vor allem an einer Szene, die schon nach wenigen Minuten eine völlig andere Richtung hätte vorgeben können. Schiedsrichterin Fabienne Michel ließ ein mögliches Notbremsen-Foul ungeahndet und räumte nach Sichtung der TV-Bilder selbst ein, dass ihre Wahrnehmung auf dem Platz nicht richtig gewesen war. Bei den Düsseldorfern fiel die Kritik entsprechend deutlich aus.
Bouchama zerlegt die Schiedsrichterleistung
Für Yassine Bouchama war nach dem Abpfiff kaum Raum für diplomatische Formulierungen. Fortunas neuer Mittelfeldspieler bewertete die Leistung der Unparteiischen laut „rp-online.de“ als „katastrophal“ und „ungenügend“. Der Frust saß tief, denn die Düsseldorfer machten eine Situation aus der vierten Minute als entscheidenden Streitpunkt aus. Fabian Schleusener hatte sich gegen Mannheims Lukas Klünter einen Vorteil verschafft und war auf dem Weg in Richtung Tor, als der Verteidiger eingriff. Klünter war dabei letzter Mann. Trotzdem blieb die Pfeife stumm.
Aus Sicht der Fortuna hätte es nicht nur Freistoß, sondern auch Rot geben müssen. Die Fernsehbilder verstärkten den Eindruck, dass Düsseldorf in dieser frühen Phase eine große Chance auf eine Partie in Überzahl genommen worden war.
Michel fehlte auf dem Platz die letzte Sicherheit
Fabienne Michel stellte sich nach der Begegnung der Diskussion und erklärte bei Magenta, weshalb sie in der Szene nicht eingegriffen hatte. Dass das Ganze bereits in den ersten Minuten passierte, habe für ihre Beurteilung keine Rolle gespielt. Eine Rote Karte sei unabhängig vom Zeitpunkt ein massiver Eingriff in eine Partie. Entscheidend sei vielmehr gewesen, dass ihr in Echtzeit die notwendige „Klarheit“ gefehlt habe. In einer solchen Situation, erklärte Michel sinngemäß, wolle sie nicht ohne ausreichende Sicherheit zur größtmöglichen persönlichen Strafe greifen. Genau diese Einschätzung hielt der anschließenden Betrachtung der Bilder allerdings nicht stand.
TV-Bilder bringen die Wende
Nach dem Studium der Zeitlupe bewertete Michel den Zweikampf anders. Schleusener habe sich in der besseren Position befunden, zudem sei ein Griff des Mannheimer Verteidigers zu erkennen gewesen. Damit korrigierte die 31-Jährige ihre ursprüngliche Wahrnehmung zumindest nachträglich. Während ihr auf dem Spielfeld der eindeutige Eindruck gefehlt hatte, zeigten die Aufnahmen für sie anschließend klarer, „dass tatsächlich ein Griff vorhanden ist“.
Besondere Aufmerksamkeit bekam die Szene auch deshalb, weil Michel erst in der vergangenen Saison als Schiedsrichterin des Jahres ausgezeichnet worden war. In Mannheim geriet nun ausgerechnet eine frühe Entscheidung von ihr massiv in den Fokus.
Schleusener widerspricht der Erklärung auf dem Platz
Auch Fabian Schleusener konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen. Für den Fortuna-Angreifer war die Sache eindeutig. Er habe sich die Innenbahn erarbeitet, sei anschließend gehalten worden und sprach deshalb von einer „ganz klaren Fehlentscheidung“. Noch mehr Unverständnis löste bei ihm offenbar die Erklärung aus, die er unmittelbar auf dem Rasen erhalten hatte. Nach Schleuseners Darstellung habe Michel argumentiert, er nutze die Situation aus und der Kontakt beziehungsweise das Halten sei nicht lang genug gewesen.
Die Bilder lieferten später jedoch einen anderen Eindruck. Klünters Griff war erkennbar, Schleusener hatte sich zudem bereits eine aussichtsreiche Position erarbeitet. Ohne den Kontakt hätte sich dem Düsseldorfer Angreifer der direkte Weg zum Mannheimer Tor geöffnet. Für Fortuna bleibt deshalb mehr als nur der Ärger über einen misslungenen Saisonstart. Die Niederlage lässt sich nicht auf einen einzigen Pfiff reduzieren, doch aus Düsseldorfer Sicht steht fest: Eine Entscheidung nach vier Minuten hätte die Voraussetzungen für die gesamte Partie fundamental verändern können. Dass Michel ihren Irrtum nach dem Abpfiff selbst einräumte, dürfte den Frust bei den Gästen eher bestätigt als gemildert haben.



