Fußballvereine in Baden-Württemberg sollen bei Hochrisikospielen stärker für die Umsetzung ihrer Sicherheitskonzepte verantwortlich gemacht werden. Verstoßen Klubs wissentlich gegen vereinbarte Vorgaben, könnten künftig Bußgelder von bis zu 100.000 Euro verhängt werden. Das Land reagiert damit auch auf die Ausschreitungen rund um das DFB-Pokalduell zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern.
Neue Konsequenzen für die Vereine
Die Sicherheitsdebatte nach den Vorfällen in Mannheim bekommt eine finanzielle Dimension. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel hat sich mit Vertretern von acht Spitzenvereinen des Landes auf gemeinsame Standards für besonders gefährdete Begegnungen verständigt. Entscheidend ist dabei: Sanktionen sollen nicht automatisch nach jedem Zwischenfall folgen. Eine Geldbuße käme nach den bisherigen Plänen dann infrage, wenn ein Verein die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen wissentlich missachtet. Die notwendige Rechtsgrundlage existiert allerdings noch nicht. Hagel kündigte an, diese „unverzüglich“ schaffen zu wollen.
Nach Angaben des Innenministeriums könnte der Bußgeldrahmen bis zu 100.000 Euro reichen. Für Vereine wie den SV Waldhof Mannheim würde damit neben möglichen sportgerichtlichen Strafen ein weiteres finanzielles Risiko entstehen, sofern organisatorische Vorgaben nicht eingehalten werden.
Kontrollen beginnen schon vor dem Spieltag
Die gemeinsame Vereinbarung umfasst zehn Punkte, an denen sich die Sicherheitskonzepte für Hochrisikospiele künftig orientieren sollen. Ein zentraler Bereich sind die Kontrollen an den Stadioneingängen. Die Klubs müssen ausreichend qualifiziertes Sicherheitspersonal einsetzen und wirksame Einlasskontrollen gewährleisten. Der Verantwortungsbereich soll jedoch nicht erst mit der Öffnung des Stadions beginnen. Bereits in den Tagen vor einer Partie müssen sicherheitsrelevante Bereiche vor unbefugtem Zutritt geschützt werden. Dadurch soll unter anderem verhindert werden, dass verbotene Gegenstände schon vor dem eigentlichen Spieltag im Stadion deponiert werden.
Besondere Bedeutung erhält erneut der Umgang mit Pyrotechnik. Deren Einschleusen in die Arena zu verhindern, soll für die Vereine nach der Verständigung höchste Priorität besitzen.
Technik, Hausrecht und Stadionverbote
Neben dem eingesetzten Personal rückt auch die technische Ausstattung der Stadien in den Mittelpunkt. Kamerasysteme, Besucherinformationen und die Kommunikationstechnik der Sicherheitskräfte müssen den Anforderungen eines Hochrisikospiels entsprechen. Die Verantwortung dafür liegt bei den gastgebenden Vereinen.
Kommt es dennoch zu schwerwiegenden Verstößen, sollen die Klubs ihr Hausrecht konsequent durchsetzen. Dazu gehört auch, Ermittlungen von Polizei und Behörden zu unterstützen sowie Stadionverbote anzuwenden. Waldhof-Gesellschafter Bernd Beetz machte bei der Vorstellung der Vereinbarung deutlich, dass Fehlverhalten im Stadion persönliche Konsequenzen haben müsse. Wer sich dort danebenbenehme, müsse dafür haftbar gemacht werden.
Stadionallianzen bleiben Grundlage der Zusammenarbeit
Das Land will trotz der geplanten Sanktionsmöglichkeiten an der Zusammenarbeit zwischen Polizei, Vereinen, Kommunen und Fanprojekten festhalten. Die sogenannten Stadionallianzen bestehen in Baden-Württemberg seit fast zehn Jahren. Sie sollen Risiken frühzeitig erkennen, Konflikte möglichst verhindern und die Einsatzplanung rund um die Spiele koordinieren.
Das angekündigte Bußgeld versteht Hagel erkennbar als letztes Mittel. Er äußerte die Hoffnung, dass es durch die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten gar nicht erst verhängt werden müsse. Für die Vereine bedeutet die Vereinbarung dennoch einen deutlichen Hinweis: Sicherheitskonzepte dürfen bei Hochrisikospielen nicht nur auf dem Papier bestehen. Sobald die angekündigte Rechtsgrundlage geschaffen ist, könnten organisatorische Versäumnisse erhebliche finanzielle Folgen haben.



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