Beim SV Waldhof wird Verantwortung künftig auf mehrere Schultern verteilt. Trainer Rui Mota setzt auf vier Kapitäne, doch für Lukas Klünter ist die neue Regelung weniger revolutionär, als sie zunächst klingt. Der 30-Jährige sieht vor allem eines: Jeder Führungsspieler muss vorangehen, unabhängig davon, wer am Ende die Binde trägt.
Die Binde verliert an Bedeutung
Lukas Klünter war in der vergangenen Saison der sichtbare Anführer des SV Waldhof Mannheim. Nach dem Trainerwechsel und dem großen personellen Umbruch bleibt der erfahrene Verteidiger zwar Teil der Führungsstruktur, muss sich die Kapitänsrolle künftig aber mit drei Mitspielern teilen. Neben Klünter hat Rui Mota auch Torhüter Thijmen Nijhuis, Angreifer Terrence Boyd und Neuzugang Claudio Kammerknecht in den Kreis der Spielführer berufen. Eine Konstellation, die im deutschen Profifußball eher ungewöhnlich wirkt.
Auch Klünter musste sich zunächst an die Bezeichnung gewöhnen. Vier Kapitäne hätten sich im ersten Moment durchaus „ein bisschen komisch“ angehört, wie er in einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ verrät. Im Kern unterscheide sich das Modell jedoch kaum von einem klassischen Mannschaftsrat. Einer werde auf dem Platz die Binde tragen, die Verantwortung liege dennoch bei allen vier Akteuren.
Mit einem ständigen Wechsel des offiziellen Spielführers rechnet der Abwehrmann nicht. Wie Mota das Modell konkret umsetzt, dürfte sich erst während der Saison zeigen. Für Klünter ist ohnehin nicht das Stück Stoff am Arm entscheidend. Führung müsse sich im täglichen Umgang, auf dem Trainingsplatz und in schwierigen Spielphasen zeigen.
Klünter als Bindeglied im neuen Waldhof-Kader
Gerade während des Mannheimer Umbruchs kommt den erfahrenen Spielern eine wichtige Rolle zu. Zahlreiche Neuzugänge mussten integriert werden, gleichzeitig begann auch das Trainerteam seine Arbeit am Alsenweg praktisch bei null. Klünter sieht darin nicht ausschließlich eine Belastung. Weil sich Spieler und Verantwortliche gemeinsam neu orientieren mussten, sei von Beginn an ein hohes Maß an Konzentration und Einsatzbereitschaft erforderlich gewesen. Niemand habe sich darauf verlassen können, dass bestehende Abläufe automatisch funktionieren.
Als einer der verbliebenen Routiniers war der frühere Bundesliga-Profi besonders gefragt. Innerhalb der Mannschaft musste er Gespräche führen, Orientierung geben und dazu beitragen, dass aus den vielen neuen Gesichtern möglichst schnell eine Einheit entsteht. Der aktuelle Stand stimmt ihn zuversichtlich. Die Mannschaft habe sich intern bereits „ganz gut“ zusammengefunden, auch wenn die Entwicklung längst nicht abgeschlossen sei.
Intensive Wochen sollen die Grundlage legen
Körperlich hat der neue Trainer seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen einiges abverlangt. Klünter spricht von einer „sehr, sehr knackigen“ Vorbereitung und zählt sie zu den härteren Sommerphasen seiner bisherigen Karriere. Der Verteidiger kann dabei auf reichlich Erfahrung zurückgreifen. Neben zahlreichen Zweitligaeinsätzen stand er auch in der Bundesliga auf dem Platz. Die hohe Belastung bewertet er deshalb nicht als Selbstzweck, sondern als wichtige Grundlage für die kommenden Monate.
Klünter ist überzeugt, dass die investierte Arbeit dem Waldhof im Saisonverlauf helfen wird. Gerade in der 3. Liga, in der Intensität, Zweikämpfe und enge Spielverläufe regelmäßig den Ausschlag geben, könnte sich die körperliche Basis als wichtiger Faktor erweisen.
Der Härtetest kommt erst im Pflichtspiel
Trotz der positiven Eindrücke will Klünter die Vorbereitung nicht überbewerten. Wo der SVW tatsächlich steht, werde sich wohl erst unter Wettbewerbsbedingungen zeigen. Anpassungen und Korrekturen seien während der Saison unvermeidlich. Mit dem bisherigen Fortschritt zeigt sich der 30-Jährige dennoch zufrieden. Die Mannschaft könne mit Selbstvertrauen in die neue Spielzeit gehen und habe sich eine Grundlage erarbeitet, auf der sich aufbauen lasse.
Eine letzte Standortbestimmung wartet im Carl-Benz-Stadion. Am Samstag empfängt der Waldhof um 17 Uhr Bundesligist Eintracht Frankfurt. Rund 3400 Tickets für den Gästeblock sind bereits vergeben, dieser ist somit restlos ausverkauft. Die Partie dient nicht nur sportlich als Generalprobe. Für Klünter ändert sich durch die Entscheidung des Trainers jedenfalls weniger, als die Zahl von vier Kapitänen vermuten lässt. Er bleibt Ansprechpartner, Führungsspieler und Bindeglied innerhalb der Mannschaft. Die Binde mag künftig nur einer tragen. Die Verantwortung verteilt sich beim neuen Waldhof dagegen bewusst auf mehrere Köpfe.
