Der hitzige Pokalabend in Essen beschäftigt den DFB nun von einer zweiten Seite. Nachdem Rot-Weiss Essen wegen sexistischer Anfeindungen gegen eine Mitarbeiterin des FC St. Pauli um Entschuldigung gebeten hatte, hat der Drittligist nach MOPO-Informationen selbst den Verband eingeschaltet. Im Mittelpunkt stehen diesmal Rufe aus dem Hamburger Gästeblock und damit die Frage, welche Konsequenzen die Ereignisse an der Hafenstraße noch haben werden.
RWE wendet sich wegen Fan-Rufen an den DFB
Sportlich war das Pokalduell längst entschieden, doch abseits des Rasens ist die Partie zwischen Rot-Weiss Essen und dem FC St. Pauli noch immer nicht abgeschlossen. Nach „MOPO„-Informationen hat RWE beim Deutschen Fußball-Bund Beschwerde über das Verhalten Hamburger Anhänger eingereicht. Konkret geht es um Rufe aus dem Gästebereich. St. Pauli-Fans sollen während der Begegnung „Nazi-Schweine“ skandiert haben. Der DFB-Kontrollausschuss hat sich deshalb mit dem Kiezklub in Verbindung gesetzt und prüft den Vorgang. Solche Beleidigungen können grundsätzlich sportrechtliche Folgen nach sich ziehen.
Damit bekommt die Aufarbeitung der Ereignisse vom 23. August eine neue Richtung. St. Pauli hatte die Partie an der Hafenstraße mit 0:2 verloren. In den Tagen danach rückte allerdings nicht das Ergebnis, sondern ein Vorfall auf den Rängen in den Mittelpunkt.
Sexistische Anfeindungen lösten die erste Aufarbeitung aus
Eine Mitarbeiterin des FC St. Pauli war im Essener Stadion sexistisch beleidigt und diskriminiert worden. Der Hamburger Verein bezeichnete das Geschehen später als einen „drastischen Fall“ und machte zugleich deutlich, dass derartige Erfahrungen aus seiner Sicht keineswegs singulär seien. Rot-Weiss Essen reagierte ebenfalls öffentlich. Der Verein verurteilte die Anfeindungen über seine Social-Media-Kanäle und entschuldigte sich sowohl bei der betroffenen Mitarbeiterin als auch beim FC St. Pauli.
Auch der DFB wurde aufmerksam. Nach der Berichterstattung fragte der Verband bei den Hamburgern nach weiteren Informationen. St. Pauli stellte dem Kontrollausschuss daraufhin ein Gedächtnisprotokoll zur Verfügung. Dieses Dokument soll zuvor bereits an Rot-Weiss Essen gegangen sein. Die Angelegenheit schien damit zunächst in Richtung einer Aufarbeitung der sexistischen Vorfälle zu laufen. Nun steht jedoch zusätzlich das Verhalten der Hamburger Fans auf dem Prüfstand.
Warum die spätere Beschwerde Fragen aufwirft
Bemerkenswert ist dabei der Zeitpunkt. Die beanstandeten Rufe sollen dem DFB offenbar nicht unmittelbar nach dem Pokalspiel über den offiziellen Beobachtungsweg gemeldet worden sein. Bei solchen Begegnungen richtet sich der Blick des Schiedsrichterbeobachters nicht ausschließlich auf die Leistung des Unparteiischen und seiner Assistenten. Auch besondere Vorkommnisse rund um das Spielfeld können dokumentiert werden, darunter Ausschreitungen, Gegenstandswürfe oder beleidigende Äußerungen von den Tribünen.
Der von RWE beanstandete Vorfall soll im ursprünglichen Bericht keine Rolle gespielt haben. Erst durch die spätere Beschwerde der Essener wurde der Kontrollausschuss mit den Rufen aus dem Gästeblock befasst. Ob dieser Ablauf für die Bewertung des Falls eine Rolle spielt, ist offen. Entscheidend dürfte sein, welche Belege der Verband zusammentragen kann und wie eindeutig sich die Ereignisse rekonstruieren lassen.
Auch Hitlergruß im Heimbereich könnte Thema werden
Die Situation erhält zusätzliche Brisanz durch Aufnahmen aus dem Stadion. Im Umfeld des Essener Heimbereichs soll eine Person in Richtung des Gästeblocks mehrfach den Hitlergruß gezeigt haben. Entsprechende Bilder kursieren nach der Partie. Gerade vor diesem Hintergrund dürfte sich die Untersuchung kaum auf einen einzelnen Ruf beschränken lassen. Rot-Weiss Essen stand in der Vergangenheit wiederholt wegen rechtsextremer Vorfälle und entsprechender Probleme innerhalb seines Fanumfelds in der öffentlichen Diskussion.
Der DFB hat nun die Aufgabe, die verschiedenen Geschehnisse voneinander zu trennen und gleichzeitig den gesamten Kontext des Pokalabends zu erfassen. Dazu dürften Berichte, Videoaufnahmen, Zeugenaussagen und weitere Informationen ausgewertet werden. Was ursprünglich mit einer sportlichen 0:2-Niederlage endete, ist damit zu einer deutlich größeren verbandsrechtlichen Angelegenheit geworden. Noch steht weder fest, welche Vorfälle der DFB als erwiesen ansieht, noch ob gegen einen oder beide Vereine Maßnahmen folgen. Sicher ist bislang nur: Die Ereignisse von Essen sind längst nicht abgeschlossen.



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