Historischer Schritt beim 1. FC Saarbrücken: Barbara Haupenthal übernimmt Präsidentschaft

Die Saarlandhalle in Saarbrücken war am Donnerstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Um 18:11 Uhr eröffnete Präsident Hartmut Ostermann die Sitzung und begrüßte 1 749 Mitglieder, ein eindrucksvoller Beleg für das große Interesse an der Zukunft des Traditionsklubs aus der 3. Liga.

Finanzielle Stabilität in der 3. Liga

Bevor es zur mit Spannung erwarteten Aufsichtsratswahl kam, angesetzt erst als Tagesordnungspunkt 14, zog das scheidende Präsidium Bilanz. Schatzmeister Dieter Weller präsentierte solide Zahlen: Für die Saison 2024/2025 steht ein Gewinn von 47.000 Euro zu Buche, das Vereinskapital beläuft sich aktuell auf 653.000 Euro. Nach 26 Jahren im Amt verabschiedete sich Weller sichtlich bewegt von den Mitgliedern und sagte: „Ich gehe mit Stolz und Dankbarkeit.“ Ein Moment, der mit langem Applaus honoriert wurde.

Selbstkritik und Appell zur Einheit

Auch Vizepräsident Salvo Pitino, der ebenfalls nicht mehr kandidierte, nutzte die Bühne für klare Worte. Er sprach offen über die zunehmenden Spannungen in den Vereinsgremien der vergangenen Monate „Wir haben alle dazu beigetragen, dass sich Fronten gebildet haben“, räumte Pitino ein und richtete den Blick nach vorne: und machte deutlich, dass nichts größer als der Verein ist „Unser Verein ist stärker, als wir glauben. Blau-Schwarz für immer.“

Kritik an der Kandidatenliste für den Aufsichtsrat

Deutlich kritischer äußerte sich der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Aron Zimmer. Seine Worte richteten sich vor allem an die Initiative „Zukunft Blau-Schwarz“. Die empfohlene Kandidatenliste für den neuen Aufsichtsrat entsprach aus seiner Sicht nicht den ursprünglichen Ankündigungen. „Das ist nicht alles richtig gelaufen“, sagte Zimmer und ergänzte mit Blick auf die Zusammensetzung: Fünf Wirtschaftsvertreter und nur ein Fanvertreter seien ihm zu wenig sportlich geprägt. Eine Debatte, die zeigte, wie sensibel die Weichenstellungen für die Zukunft des FCS aktuell sind.

Marathon-Mitgliederversammlung mit klarem Ergebnis

Nach rund elf Stunden stand das Ergebnis fest: Barbara Haupenthal wurde gegen 5.00 Uhr morgens zur neuen Präsidentin gewählt. Die lange Dauer ergab sich unter anderem durch mehrere Wahlgänge, die nötig wurden, da nicht alle Kandidaten im ersten Durchlauf die erforderliche Mehrheit erreichten.

Neuer Aufsichtsrat erhält weitreichende Kompetenzen

Bereits vor der Wahl der Präsidentin hatten die Mitglieder den künftigen Aufsichtsrat bestimmt. Aus insgesamt 22 Bewerbern setzten sich sieben Kandidaten durch. Dem neuen Gremium gehören neben dem früheren Präsidenten Hartmut Ostermann auch die Unternehmer Matthias Bruch, Philipp Gross und Daniel Hager an. Komplettiert wird der Aufsichtsrat durch die Fanvertreter Niklas Quint und Stefan Kinn sowie den Hochschulprofessor Oliver Strauch.

Die Zusammensetzung zeigt: Der 1. FC Saarbrücken setzt künftig auf wirtschaftliche Expertise, Fan-Nähe und fachliche Kontrolle, ein klares Signal für professionellere Strukturen im Profifußball der Liga3.

Präsidium künftig mit repräsentativer Rolle

Grundlage für den Machtwechsel ist eine Satzungsänderung, die bereits im Oktober von den Mitgliedern beschlossen wurde. Diese räumt dem Aufsichtsrat deutlich mehr Befugnisse ein. Das Präsidium um Barbara Haupenthal übernimmt fortan vor allem repräsentative Aufgaben, während strategische und operative Entscheidungen stärker kontrolliert werden.

Barbara Haupenthal: Juristin mit Vereins-DNA

Die neue Präsidentin ist keine Unbekannte im Klub. Haupenthal spielte früher selbst für den FCS und arbeitet heute als Sportrechtsanwältin. In ihrer Bewerbung betonte sie, dass sie vor allem die Entfremdung zwischen Basis und Vereinsführung überwinden wolle – ein Thema, das viele Mitglieder in den vergangenen Jahren bewegt hat.

Aufsichtsrat vor großen Aufgaben

Auf das neue Kontrollgremium wartet unmittelbar viel Arbeit. Kurzfristig müssen die Lizenzunterlagen fristgerecht bei DFB und DFL eingereicht werden. Mittelfristig steht eine zentrale Weichenstellung an: Die Suche und Einstellung von drei hauptamtlichen Vorständen für die Bereiche Sport, Finanzen sowie Strategie, Marketing und Vertrieb. Diese sollen den Verein künftig operativ führen und vom Aufsichtsrat überwacht werden.

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