Im Grünwalder Stadion ist Bewegung drin. Nach Jahren zäher Debatten deutet vieles darauf hin, dass Stadt und TSV 1860 München erstmals geschlossen einen nächsten, konkreten Schritt gehen wollen. Bereits am Dienstag könnte öffentlich werden, wie ernst es beiden Seiten mit dem Ausbau des Sechzgerstadions wirklich ist.
Ein gemeinsames Signal nach langer Funkstille
Noch vor wenigen Monaten schien das Verhältnis zwischen dem TSV 1860 und dem Münchner Rathaus angespannt. Nun hat sich der Ton merklich verändert. Hinter den Kulissen ist kaum noch von gegenseitigem Misstrauen die Rede. Stattdessen verdichten sich die Hinweise, dass Stadt und Verein erstmals gemeinsam auftreten wollen. Nach Informationen der „AZ“ soll offiziell verkündet werden, dass eine Machbarkeitsstudie für einen Ausbau des Grünwalder Stadion auf rund 25.000 Plätze beauftragt wird.
Für diesen Schritt hätten sich offenbar auch namhafte Planungsbüros interessiert. Allein das zeigt, dass das Projekt nicht mehr als Gedankenspiel behandelt wird, sondern als reale Option.
Abschied vom Minimal-Ausbau
Bemerkenswert ist vor allem, wovon inzwischen niemand mehr spricht. Die einst favorisierte Lösung einer rein städtisch finanzierten Erweiterung auf etwa 18.000 Plätze scheint leise beerdigt worden zu sein. Stattdessen rückt ein deutlich ambitionierteres Modell in den Vordergrund. Demnach soll der TSV 1860 das Stadion perspektivisch in Erbpacht übernehmen und damit auch mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum erhalten.
Geplant ist ein zeitgemäßes Fußballstadion mit überdachten Rängen, geschlossenen Ecken und modernen Vermarktungsflächen. Gleichzeitig soll der besondere Charakter des Sechzgers erhalten bleiben. Aus dem Umfeld der Planungen heißt es, dass etwa die Westkurve ihre markante Form behalten könnte. Auch die Nutzung für andere Veranstaltungen wird zumindest mitgedacht.
Der Blick geht bis in die Bundesliga
Für die Löwen ist ein Punkt besonders wichtig. Der Ausbau soll nicht nur für die Gegenwart reichen, sondern auch sportliche Perspektiven abdecken. Intern wird deshalb sogar eine grundsätzliche Erstligatauglichkeit berücksichtigt. Ob und wann diese je benötigt wird, steht auf einem anderen Blatt. Doch allein die planerische Offenheit zeigt den Anspruch, den Verein und Stadt inzwischen formulieren.
Lärmschutz und politischer Rückenwind
Ein Dauerstreitpunkt bleibt der Lärmschutz für die Anwohner rund um den Giesinger Berg. Doch auch hier geben sich die Beteiligten erstaunlich zuversichtlich. Lösungen scheinen greifbarer als noch vor einigen Jahren. Der neue Tonfall lässt erkennen, dass man Konflikte nicht mehr gegeneinander, sondern gemeinsam lösen will.
Dass dieser Schulterschluss nicht zufällig kommt, hat auch mit Personalien zu tun. Löwen-Präsident Gernot Mang hat sich früh klar zum Standort Giesing bekannt und damit hohe Erwartungen geweckt. Auf politischer Seite wiederum gilt das Sechzgerstadion für Oberbürgermeister Dieter Reiter als eines der zentralen Projekte der kommenden Zeit. Ein Durchbruch wäre ein starkes Signal, auch mit Blick auf die anstehenden politischen Entscheidungen.
Fans machen Druck von den Rängen
Dass die Geduld der Anhänger endlich belohnt werden soll, forderte die Fanszene zuletzt unübersehbar ein. Beim Heimspiel gegen Alemannia Aachen verwandelte sich die Westkurve in eine Demonstration. Transparente erinnerten die Stadt an frühere Zusagen und verlangten konkrete Taten statt neuer Versprechen. Slogans wie „Keine großen Sprüche, keine Ausreden“ oder der Ruf nach einem klaren Deal zwischen Verein und Stadt prägten das Bild.
Das große Fragezeichen bleibt das Geld
So viel Einigkeit derzeit auch zu spüren ist, eine Hürde bleibt gewaltig. Ein Ausbau in dieser Größenordnung kostet eine Summe, die den finanziell angespannten TSV 1860 vor enorme Herausforderungen stellt. Selbst mit Erbpachtmodell und politischer Unterstützung wird die Finanzierung zum entscheidenden Prüfstein.
Ob der nun erwartete Schritt tatsächlich den Beginn einer neuen Phase markiert, wird sich zeigen. Klar ist aber schon jetzt: Das Sechzgerstadion ist zurück im Zentrum der Münchner Fußballpolitik. Und diesmal beobachten alle Beteiligten sehr genau, was auf die Worte folgt.
