Start News Solidarität trotz Haftstrafe: RWE-Ultras unterstützen verurteilten Fan

Solidarität trotz Haftstrafe: RWE-Ultras unterstützen verurteilten Fan

Foto: Lars Zimmermann

Der Fall wirkt nach, weit über den Gerichtssaal hinaus. Nach einem brutalen Übergriff auf einen Schalke-Anhänger in Essen ist ein RWE-Fan zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Doch ausgerechnet aus dem eigenen Ultra-Umfeld kommt nun demonstrative Unterstützung für den Täter.

Gerichtsurteil nach Gewalt in Holsterhausen

Das Essener Landgericht hat ein deutliches Zeichen gesetzt. Wegen Raubes und massiver Körperverletzung muss ein Anhänger von Rot-Weiss Essen für mehrere Jahre ins Gefängnis. Der Mann hatte gemeinsam mit weiteren RWE-Fans einen Schalke-Anhänger in Essen-Holsterhausen angegriffen, ihn geschlagen und ihm gewaltsam ein Fan-Shirt entrissen.

Der Überfall ereignete sich vor rund eineinhalb Jahren und eskalierte in Anwesenheit der Kinder des Opfers. Neben Faustschlägen kam auch ein Gürtel zum Einsatz. Das Gericht bewertete die Tat als besonders verwerflich und betonte die gravierenden Folgen für die Familie des Geschädigten.

Solidaritätszeichen aus der Ultra-Szene

Trotz des eindeutigen Urteils blieb es nicht bei stiller Distanz aus dem Fanlager. Beim Auswärtsspiel von RWE bei Alemannia Aachen tauchte in der Gästekurve ein großes Banner auf. Darauf stand eine kurze, aber klare Botschaft an den verurteilten Fan. Unterzeichnet war sie mit dem Logo der Ultragruppe „Freaks“, der der Täter zum Zeitpunkt der Tat angehört hatte.

In der Ultra-Szene gilt solche öffentliche Rückendeckung für verurteilte Mitglieder nicht als ungewöhnlich. Häufig wird sie als Ausdruck von Loyalität verstanden, unabhängig von der juristischen Bewertung einer Tat.

Klare Worte des Gerichts

Im Gerichtssaal selbst herrschte ein anderer Ton. Der Vorsitzende Richter sprach von einer Tat, die jede Grenze überschritten habe. Besonders schwer wog, dass die Kinder des Opfers den Angriff miterleben mussten. Nach Einschätzung des Gerichts habe das Ereignis bei ihnen nachhaltige psychische Belastungen ausgelöst.

Der angegriffene Mann, ein Anhänger von FC Schalke 04, war zum Tatzeitpunkt mit seiner Familie unterwegs und hatte keinerlei Provokation ausgelöst.

Forderung der Staatsanwaltschaft deutlich höher

Dass das Strafmaß unter dem Antrag der Anklage blieb, sorgte ebenfalls für Aufmerksamkeit. Die Staatsanwaltschaft hatte angesichts einschlägiger Vorstrafen des Täters eine Freiheitsstrafe von deutlich über sechs Jahren gefordert. Am Ende entschied sich das Gericht für eine spürbare, aber niedrigere Haftdauer.

Gewalt und Loyalität als Dauerthema

Der Fall zeigt erneut, wie groß die Kluft zwischen juristischer Aufarbeitung und Selbstverständnis einzelner Fan-Gruppierungen sein kann. Während Gerichte Gewalt konsequent ahnden, werden Täter innerhalb bestimmter Szenen weiterhin als Teil der eigenen Gemeinschaft betrachtet. Eine Entwicklung, die den Profifußball und seine Vereine seit Jahren begleitet und immer wieder für Diskussionen sorgt.

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