Dienstag, Februar 24, 2026
Start Vereine Alemannia Aachen Nach Spiel gegen Mannheim: Justiz klärt Tivoli-Eskalation

Nach Spiel gegen Mannheim: Justiz klärt Tivoli-Eskalation

Ein Abend, der sportlich kaum Spuren hinterließ, dafür aber juristisch lange nachwirkt: Beim Heimspiel von Alemannia Aachen gegen Waldhof Mannheim eskalierte die Stimmung abseits des Rasens. Monate später rücken die Geschehnisse erneut in den Fokus, diesmal vor Gericht. Vier mutmaßlich beteiligte Anhänger müssen sich nun verantworten.

Eskalation fernab des Spiels

Während auf dem Spielfeld wenig passierte, verlagerte sich die Aufmerksamkeit gegen Spielende auf die Tribünen. Vermummte Personen machten sich aus dem Aachener Fanbereich auf den Weg in Richtung Gästeblock. Der Marsch quer durchs Stadion blieb nicht folgenlos. Am Zaun kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen, Pyrotechnik explodierte, die Situation drohte zu kippen.

Im Zentrum der Vorfälle stand ein Knallkörper, der in unmittelbarer Nähe eines Balljungen explodierte. Der Jugendliche, damals im Nachwuchsbereich von Alemannia Aachen aktiv, musste medizinisch versorgt werden. Zunächst war von ernsteren Folgen die Rede, später sprach der Verein von leichten Verletzungen. Der Schock saß dennoch tief.

Vorwürfe und mögliche Konsequenzen

Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Angeklagten gemeinschaftlichen Landfriedensbruch sowie Verstöße gegen das Vermummungsverbot vor, wie aus einem aktuellen Bericht der „Aachener Zeitung“ hervorgent. Im Raum steht ein Strafmaß, das von einer Geldstrafe bis hin zu mehrjährigen Haftstrafen reichen kann. Das Verfahren wird als besonders schwerer Fall geführt, eine Einordnung, die greift, wenn Gewalt, Waffen oder erhebliche Gefährdungen eine Rolle spielen.

Nicht Bestandteil des aktuellen Prozesses sind hingegen Vorwürfe rund um das Sprengstoffrecht oder versuchte gefährliche Körperverletzung. Diese Ermittlungen richteten sich damals gegen andere Beteiligte, unter anderem aus dem Gästebereich von SV Waldhof Mannheim.

Kritik an Sicherheitskonzepten

Im Stadion selbst herrschte an jenem Abend Ratlosigkeit. Viele Zuschauer fragten sich, wie es den Vermummten gelingen konnte, nahezu ungehindert mehrere Blöcke zu durchqueren, darunter auch einen Familienbereich. Der Ordnungsdienst stand schnell in der Kritik. Die Polizei erklärte später, man habe zusätzliche Kräfte einsetzen müssen, um die Lage zu beruhigen, da das vorhandene Sicherheitspersonal überfordert gewesen sei.

Auch die Durchsagen des Stadionsprechers verpufften weitgehend. Zwischen Appellen zur Vernunft mischten sich aggressive Sprechchöre aus Teilen der Kurve. Die Stimmung war aufgeheizt, die Grenze zur Gewalt sichtbar überschritten.

Verbindungen in die Hooligan-Szene

Nach Polizeiangaben sollen unter den vermummten Personen auch Mitglieder der Gruppierung Boxstaffel 520 gewesen sein. Die Gruppe war bereits zuvor in den Fokus der Ermittler geraten. Ihr mutmaßlicher Kopf war im vergangenen Jahr wegen schwerer Gewaltdelikte zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Ob und in welchem Umfang die Angeklagten tatsächlich dieser Szene angehören, ist Teil der Beweisaufnahme. Entscheidend wird sein, ob ihnen eine aktive Beteiligung an den Ausschreitungen zweifelsfrei nachgewiesen werden kann.

Gerichtliche Aufarbeitung beginnt

Verhandelt wird der Fall nun vor dem Amtsgericht Aachen. Im Mittelpunkt stehen Zeugenaussagen, Videoaufnahmen und die Identifizierung der mutmaßlichen Täter. Die Frage, wer sich tatsächlich unter den Vermummten befand und welche Handlungen individuell zuzurechnen sind, dürfte den Prozess prägen.

Schon kurz nach den Vorfällen hatte sich die Vereinsführung deutlich geäußert und angekündigt, konsequent gegen Gewalttäter vorzugehen. Nun zeigt sich, wie viel von dieser Ankündigung juristisch Bestand hat. Der Prozess ist nicht nur eine Abrechnung mit einem einzelnen Spieltag, sondern auch ein Gradmesser dafür, wie konsequent Gewalt im Fußballumfeld verfolgt wird.

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