Start News Von Essen nach Sydney: Wie Baumjohann den Arslan-Deal einfädelte

Von Essen nach Sydney: Wie Baumjohann den Arslan-Deal einfädelte

Foto: Lars Zimmermann

Ein Abschied mit Ansage, ein Neuanfang am anderen Ende der Welt. Ahmet Arslan hat Rot-Weiss Essen verlassen und trägt nun das Trikot von Sydney FC. Hinter dem Transfer steckt ein alter Bekannter des deutschen Fußballs, der längst in Australien heimisch geworden ist und ambitionierte Ziele verfolgt. Alexander Baumjohann spricht offen über Hintergründe, Perspektiven und seine eigenen Pläne.

Ein neuer Abschnitt für Ahmet Arslan

Als der australische Spitzenklub Sydney FC seinen Neuzugang offiziell präsentierte, war klar, dass dieser Wechsel kein gewöhnlicher ist. Für Ahmet Arslan bedeutete der Schritt nicht nur einen Vereinswechsel, sondern auch einen Kontinentalwechsel. Nach eineinhalb Jahren bei Rot-Weiss Essen wagt der Offensivspieler den Sprung in die A-League. Seine ersten Eindrücke im neuen Umfeld fielen vielversprechend aus. Kurz nach seiner Ankunft sammelte er die ersten Einsatzminuten, wenig später stand er sogar von Beginn an auf dem Platz.

Zwar wartet er noch auf sein erstes Tor, doch in der Offensive war er bereits deutlich sichtbar. Tempo, Kreativität, Präsenz, vieles deutet darauf hin, dass Arslan sich schnell anpassen könnte.

Zwischen Glanzmomenten und Formschwankungen

Der Abschied aus Essen kam nicht völlig überraschend. In seiner ersten Saison hatte Arslan noch als treffsicherster Akteur des Teams geglänzt. Später jedoch verlor er im Laufe der Hinrunde zunehmend an Einfluss. Die Bilanz blieb hinter den eigenen Erwartungen zurück, der Stammplatz war nicht mehr selbstverständlich. Dass ein Spieler mit seinem Selbstverständnis neue Impulse sucht, liegt nahe. Arslan gilt als ehrgeizig, als jemand, der Verantwortung übernehmen möchte. Genau dieses Profil reizte die Verantwortlichen in Australien.

Der Draht nach Sydney

Eine zentrale Rolle spielte dabei Alexander Baumjohann, heute Sportdirektor bei Sydney FC. Der frühere Profi, der in Deutschland unter anderem für FC Bayern München, Borussia Mönchengladbach, FC Schalke 04, Hertha BSC und den 1. FC Kaiserslautern auflief, lebt seit mehreren Jahren mit seiner Familie in Australien. Dort beendete er seine aktive Karriere und schlug unmittelbar die Laufbahn im Management ein.

Rückblickend beschreibt Baumjohann seinen Schritt nach Sydney als prägend. „Die Zeit in Australien hat mich natürlich sehr geprägt“, sagt er in einem Interview mit der „WAZ„. Er habe dort Titel gefeiert, seine Karriere beendet und anschließend die Chance erhalten, als Sportdirektor Verantwortung zu übernehmen. Sydney sei längst mehr als nur ein Arbeitsort, es sei Heimat geworden.

Ambitionen ohne Grenzen

Trotz aller Verbundenheit denkt Baumjohann langfristig weiter. Sein Ziel sei es, „auf höchstmöglichem Niveau zu arbeiten“. Perspektivisch reizt ihn die Tätigkeit bei einem Topklub. Anfragen aus Europa habe es gegeben, doch bislang habe keine Option wirklich gepasst. Gleichzeitig betont er, dass er sich in Sydney ausgesprochen wohlfühle und sich sowohl einen Verbleib als auch einen nächsten Karriereschritt vorstellen könne. Die Bundesliga bleibe für ihn ein spannendes Terrain, ohne dass er sich ausschließlich darauf festlege.

Diese Offenheit spiegelt sich auch im Transfer von Arslan wider. Der Kontakt bestand bereits seit geraumer Zeit. Schon vor Saisonbeginn habe man sich mit dem Offensivspieler beschäftigt. Baumjohann verfolgt dessen Entwicklung seit der überragenden Spielzeit bei Dynamo Dresden sehr genau. Damals habe Arslan seine Torgefahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Ein Transfer mit Dynamik

Die entscheidende Bewegung kam jedoch erst, als sich Arslans Situation in Essen veränderte. Baumjohann schildert, man habe seit Monaten mit der Spielerseite gesprochen, zunächst aber kaum damit gerechnet, dass ein Wechsel realistisch würde. Als sich abzeichnete, dass Essen perspektivisch nicht mehr mit Arslan plante, ging alles schnell.

Überzeugungsarbeit sei kaum nötig gewesen. „Ahmet hat für diese neue Aufgabe absolut gebrannt“, betont der Sportdirektor. Die Einigung sei zügig erfolgt, beide Seiten hätten großes Interesse an der Zusammenarbeit gezeigt.

Welche Rolle soll Arslan spielen?

Auf die Frage, wie man in einigen Monaten über Arslan sprechen solle, antwortet Baumjohann mit einem klaren Wunschbild: am liebsten als australischer Meister. Individuelle Auszeichnungen oder Rollenbeschreibungen seien zweitrangig, entscheidend sei der Erfolg der Mannschaft. Die ersten Minuten hätten bereits angedeutet, welches Potenzial im Neuzugang steckt.

A-League im Vergleich

Vergleiche zwischen Ligen hält Baumjohann für schwierig, dennoch wagt er eine Einordnung. Sydney FC verstehe sich als führender Klub Australiens, mit mehreren jungen Spielern, denen er durchaus das Niveau der Bundesliga zutraut. „Mit unserer jetzigen Mannschaft würde ich sagen, dass wir im oberen Tabellendrittel der 2. Bundesliga mitspielen könnten„, so Baumjohann. Eine selbstbewusste Aussage, die das Anspruchsdenken des Vereins unterstreicht.

Der Transfer von Ahmet Arslan steht damit nicht nur für einen sportlichen Neuanfang, sondern auch für die wachsende Vernetzung zwischen europäischen und australischen Fußballwelten. Für Baumjohann ist es ein weiterer Schritt auf seinem Weg nach oben, für Arslan die Chance, sich neu zu beweisen. Und vielleicht entsteht daraus eine Geschichte, die beide Karrieren prägt.

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