Ein dramatischer Notruf, ein gestoppter Zug und der Verdacht eines Messerangriffs, der bundesweit für Aufsehen sorgte. Rund ein Jahr später ist klar: Der Vorwurf gegen einen Anhänger des FC Hansa Rostock hält juristisch nicht stand. Die Ermittlungen sind beendet, das Verfahren wurde eingestellt.
Großeinsatz am Bahnhof Greifswald
Was damals wie ein eskalierender Zwischenfall wirkte, begann mit einem Notruf bei der Bahn. Ein Mitreisender meldete, ein junger Mann aus der Fanszene habe in einem Regionalzug zwei weitere Fahrgäste mit einem Messer attackiert. Kurz darauf stoppte die Bundespolizei den Zug am Bahnhof von Greifswald.
An Bord befanden sich zahlreiche Fußballanhänger auf dem Weg zu einem Spiel. Der Einsatz sorgte für erhebliche Verzögerungen, der Zug wurde aus dem Verkehr gezogen, der Bahnsteig abgesichert. Für die Einsatzkräfte stand zunächst ein schwerer Gewaltdelikt-Verdacht im Raum.
Umfangreiche Ermittlungen ohne Beweise
Die Staatsanwaltschaft in Stralsund nahm Ermittlungen gegen einen damals 28-Jährigen auf. Der Vorwurf wog schwer: Bedrohung oder gar Angriff mit einer Waffe in einem öffentlichen Verkehrsmittel. Entsprechend umfassend fiel die Prüfung aus. Videoaufzeichnungen aus dem Zug wurden gesichert und ausgewertet, zahlreiche Zeugen befragt, auch Durchsuchungen fanden statt. Doch mit fortschreitender Analyse verdichteten sich die Zweifel an der ursprünglichen Darstellung.
Ein Sprecher der Anklagebehörde erklärte gegenüber dem Norddeutscher Rundfunk: „Diesen Messerangriff hat es so nie gegeben.“ Die belastende Zeugenaussage habe sich als nicht tragfähig erwiesen, der Hinweisgeber habe seine Angaben später korrigiert. Ein Messer wurde nicht gefunden.
Nur ein Wortwechsel auf den Aufnahmen
Auch andere zunächst kursierende Behauptungen hielten der Überprüfung nicht stand. Von einer körperlichen Auseinandersetzung war die Rede gewesen, sogar von einem Schlag ins Gesicht. Doch die Sichtung der Kamerabilder ergab ein anderes Bild. Zu erkennen war lediglich ein hitziges Wortgefecht zwischen drei Beteiligten. Weder eine Bedrohung mit einem Messer noch eine tätliche Attacke ließen sich belegen. Die Ermittler fanden keine Anhaltspunkte für eine Straftat in der ursprünglich geschilderten Form.
Verfahren eingestellt
Vor diesem Hintergrund entschied die Staatsanwaltschaft, das Verfahren einzustellen. Der schwerwiegende Vorwurf, der ein Jahr lang im Raum stand, ist damit ausgeräumt. Der Fall zeigt, wie schnell sich eine dramatische Meldung verbreiten kann und welche Dynamik sie entfaltet, insbesondere wenn Fußballfans beteiligt sind. Gleichzeitig verdeutlicht er die Bedeutung sorgfältiger Ermittlungsarbeit.
Am Ende bleiben Bilder eines Großeinsatzes und die Erkenntnis, dass nicht jede erste Meldung der späteren Überprüfung standhält.
