Sie treffen, sie entscheiden Spiele, sie halten Hoffnungen am Leben. Während die Saison von Alemannia Aachen lange von Enttäuschungen geprägt war, sorgen Lars Gindorf und Mika Schroers für die wenigen, aber umso helleren Momente. Doch über allem schwebt eine Frage: Bleibt dieses Offensivduo auch über den Sommer hinaus am Tivoli?
Zwei Leihspieler als Lebensader
Wenn es in dieser Spielzeit für Alemannia etwas zu feiern gab, dann meist dank der beiden Angreifer. Gindorf und Schroers sind an einem Großteil der Treffer beteiligt und tragen die Offensive nahezu im Alleingang. Ihre Kombinationen wirken eingespielt, ihre Abschlüsse entschlossen, ihr Einfluss auf das Spiel kaum zu übersehen.
Beim Auswärtserfolg in Ulm demonstrierten sie ihre Qualität eindrucksvoll. Gindorf eröffnete die Partie mit einem sehenswerten Distanzschuss, wenig später bereitete er den nächsten Treffer vor. Auch gegen Verl war er wieder Dreh und Angelpunkt im Angriffsspiel. Schroers agiert dabei nicht minder effektiv, arbeitet viel zwischen den Linien und ist regelmäßig an entscheidenden Aktionen beteiligt. Gemeinsam sorgen sie für Tempo, Kreativität und Durchschlagskraft.
Vertragliche Realität holt die Euphorie ein
So groß die sportliche Bedeutung der beiden ist, so unsicher bleibt ihre Zukunft. Beide sind nur ausgeliehen. Gindorf kam von Hannover, Schroers aus Bielefeld. Eine dauerhafte Bindung liegt also nicht allein in Aachens Hand. Bei Schroers existiert zumindest eine theoretische Möglichkeit. Der Klub besitzt eine Kaufoption. Ob diese realistisch gezogen werden kann, hängt jedoch von den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Für größere Ablösesummen ist der Verein bislang nicht bekannt. Auch in jüngerer Vergangenheit setzte man überwiegend auf Leihen oder ablösefreie Verpflichtungen.
Schroers’ Management ließ zuletzt durchblicken, dass der Fokus derzeit ausschließlich auf dem Klassenerhalt liege. Gegenüber dem „RevierSport“ hieß es, der Offensivspieler habe in Bielefeld noch langfristig Vertrag und „konzentriert sich aktuell ausschließlich auf das Ziel Klassenerhalt mit Alemannia Aachen und möchte seine Leistungen weiterhin Woche für Woche bestätigen“. Konkrete Aussagen über einen Verbleib in Aachen bleiben damit aus.
Gindorfs Weg scheint vorgezeichnet
Noch komplizierter gestaltet sich die Lage bei Gindorf. Eine Kaufoption besitzt Aachen hier nicht. Zudem hat sich der Torjäger mit seinen Leistungen in den Fokus gespielt. Sein Stammverein Hannover dürfte wenig Interesse daran haben, einen formstarken Angreifer günstig ziehen zu lassen. Bereits im Winter hätte Hannover die Leihe vorzeitig beenden können, verzichtete jedoch darauf.
Für den Sommer zeichnet sich nun ein klarer Trend ab. Gindorfs Berater Dirk Lips bestätigte gegenüber dem „RevierSport“: „Das ist auch der aktuelle Stand, also, dass Lars im Sommer zu Hannover 96 zurückkehrt.“ Eine Aussage, die in Aachen wohl niemand gerne hört.
Zwischen Stammplatz und höherem Anspruch
Aus sportlicher Sicht bietet Aachen beiden Spielern viel: Vertrauen, Einsatzzeiten und eine zentrale Rolle im Team. In ihren Heimatvereinen müssten sie sich diesen Status womöglich erst erkämpfen. Andererseits lockt dort die Perspektive in einer höheren Liga, möglicherweise sogar mit Aufstiegschancen.
Für Gindorf könnte sich bei entsprechender Entwicklung sogar die Tür in Richtung Erstliga-Fußball öffnen, sollte Hannover im Aufstiegsrennen weiter mitmischen. Schroers steht ebenfalls vor einer Entscheidung zwischen Kontinuität und nächstem Karriereschritt.
Eine Entscheidung mit Signalwirkung
Die kommenden Monate werden zeigen, wie ambitioniert Alemannia in die Zukunft blickt. Ein Verbleib zumindest eines der beiden Offensivspieler wäre nicht nur sportlich enorm wichtig, sondern auch ein Signal an Fans und Konkurrenz. Gelingt es nicht, droht ein erneuter Umbruch im Angriff.
Fest steht: Ohne Gindorf und Schroers wäre diese Saison deutlich trister verlaufen. Ob sie auch künftig am Tivoli für Aufbruchsstimmung sorgen, hängt nun weniger von ihrer Form als von Verträgen, Perspektiven und wirtschaftlichen Möglichkeiten ab.
