Energie Cottbus schreibt in der 3. Liga weiter an seiner Erfolgsgeschichte, und mit jedem ungeschlagenen Spiel wächst in der Lausitz die Hoffnung auf den Sprung nach oben. Nach dem nächsten Dreier, diesmal auswärts, rückt vor allem eine Frage in den Mittelpunkt: Warum wirkt dieses Team so widerstandsfähig? Trainer Claus-Dieter Wollitz liefert selbst die Antworten, klar, direkt, und wie immer ohne Filter. Wer bei Energie Cottbus derzeit nach Hochglanzbedingungen sucht, wird enttäuscht. Genau das macht die Mannschaft allerdings stark. Wollitz zeichnete nach dem jüngsten Erfolg ein Bild vom Trainingsalltag, das eher nach Improvisation als nach Profi-Idylle klingt. Das Feld, auf dem gearbeitet wird, sei kaum noch als Platz zu bezeichnen, schimpfte der Coach, und wurde dabei gewohnt drastisch: „Ich würde da nicht mal die Schweine drauflassen.“ Entscheidend ist für ihn aber nicht der Zustand des Rasens, sondern die Reaktion darauf. Keiner murrt, keiner sucht Ausreden. Stattdessen wird gearbeitet, konsequent und ohne Jammern. Besonders bemerkenswert findet Wollitz, dass selbst erfahrene Profis mit großen Stationen diese Realität annehmen und mittragen. Für ihn ist das ein Gradmesser für die Kultur innerhalb der Mannschaft. Ein weiterer Punkt, den Wollitz hervorhebt, ist die Entwicklung im Training. Energie habe die Belastung und die Intensität spürbar angezogen, und genau daraus wachse der Nutzen im Spiel. Der Trainer sieht einen klaren Zusammenhang: Wer unter der Woche härter arbeitet, kann in entscheidenden Momenten länger durchziehen. Als Beispiel führt er eine Szene aus einem der jüngsten Spiele an, als Cottbus ganz spät noch einmal zupackte und ein entscheidender Treffer in der Schlussphase fiel, auch wenn er am Ende nicht in die Wertung einging. Für Wollitz bleibt die Botschaft trotzdem hängen: Dieses Team hat die Körner, um hinten raus zuzulegen, und genau das kann in einer engen Liga den Unterschied ausmachen. Wollitz bleibt nicht beim großen Bild stehen, er wird konkret. Er spricht darüber, wie er Spieler gezielt fordert, und wie einige diese Forderung in Leistung ummünzen. Besonders macht er das an Axel Borgmann fest, der zuletzt immer wieder in entscheidenden Aktionen auftauchte. Wollitz hatte intern klar formuliert, dass auf bestimmten Positionen mehr möglich sein müsse. Bei Borgmann sieht er genau diese Entwicklung: aus “solide” wird “spürbar wertvoll”, weil sich Aktionen häufen, die Spiele kippen können. Es ist sinnbildlich für das, was Cottbus aktuell auszeichnet, mehrere Profis schieben sich über ihr bisheriges Niveau hinaus. Auffällig ist auch der Ton, den Wollitz rund um die große Frage nach Platz eins anschlägt. Er wirkt kontrollierter, moderierender, fast schon bewusst entschleunigt. Nach seiner Überzeugung bringt Hektik gar nichts, weder auf dem Platz noch drumherum. Energie sei gefestigt, stabil, auch innerhalb des Vereins, und genau diese innere Ordnung strahle auf die Mannschaft aus. Gleichzeitig bremst er die Erwartungshaltung. Er macht klar, dass in dieser Liga jedes Spiel offen ist, und dass Tabellenpositionen nicht automatisch Verpflichtungen sind. Seine Haltung ist sinngemäß: Wer glaubt, jetzt müsse Cottbus den Spitzenplatz “verwalten”, der solle es erst einmal selbst vormachen. Entscheidend sei, bei sich zu bleiben und den Fokus auf die tägliche Arbeit nicht zu verlieren. Dass Wollitz die Euphorie ein Stück weit einfängt, hat auch einen nachvollziehbaren Hintergrund. Schon einmal stand Energie in einer vergleichbaren Phase ganz oben, und damals wurde die Geschichte mit jeder Woche größer, bis die eigene Nervosität zum Thema wurde. Die Aufstiegschance fühlte sich plötzlich einmalig an, und genau dieser Druck fraß nach und nach an der Stabilität. Dieses Mal wirkt das Umfeld abgeklärter, der Kader breiter, die Mannschaft geerdeter. Es ist nicht mehr nur ein Überraschungslauf, sondern ein zweiter Anlauf mit mehr Erfahrung. Trotzdem bleibt die zentrale Wahrheit: Ein Aufstiegsrennen wird nicht im Winter oder mit einer Serie entschieden, sondern erst, wenn die Ziellinie da ist. Am Ende zählt für Cottbus, ob aus der aktuellen Stärke ein langer Atem wird. Die Zutaten scheinen vorhanden, Widerstandsfähigkeit, Fitness, Entwicklung einzelner Spieler und ein Trainer, der die Balance zwischen Emotion und Ruhe gerade erstaunlich gut trifft. Nur eines nimmt einem auch in der Lausitz niemand ab: Die Geschichte muss bis zum Schluss durchgezogen werden.Ein Platz, der eher nach Kampf als nach Komfort aussieht
Mehr Intensität, mehr Ertrag, und spürbar mehr Luft am Ende
Einzelne Spieler gehen sichtbar den nächsten Schritt
Stabilität im Klub, Ruhe von außen, weniger Selbststress
Die Erinnerung an das Vorjahr als leise Warnung
Start Vereine Energie Cottbus Wollitz verrät Cottbuser Rezept: Warum Energie gerade so schwer zu knacken ist
