Die sportliche Talfahrt des SSV Ulm 1846 Fußball sorgt nicht nur auf dem Rasen für Unruhe, sondern wirft auch Fragen zur Zukunft des Donaustadions auf. Während Fans angesichts der drohenden Rückkehr in die Regionalliga um die Perspektiven des Vereins bangen, richtet sich der Blick zunehmend auf ein zentrales Infrastrukturprojekt der Stadt. Wie belastbar sind die Umbaupläne, wenn die Einnahmen des Klubs deutlich schrumpfen?
Sanierung unabhängig von der Ligazugehörigkeit
Trotz der angespannten sportlichen Lage sieht die Stadt Ulm keinen Anlass, die bereits beschlossenen Modernisierungspläne zu überdenken. Aus Sicht der Verwaltung erfüllt das Donaustadion eine über den Profifußball hinausgehende Funktion. Es sei eine zentrale Anlage für verschiedene Sportarten und den Schulbetrieb, heißt es aus dem Rathaus. Die geplanten Investitionen sollen daher die gesamte Sportlandschaft stärken und nicht allein dem Profibetrieb zugutekommen.
Auch die Unterstützung des Landes unterstreicht diese Perspektive. Fördermittel wurden bereits zugesagt, weitere Finanzierungsoptionen werden geprüft. Vor diesem Hintergrund laufen die Planungen nach Darstellung der Stadt „auf Grundlage der politischen Beschlüsse unverändert weiter“, heißt es in einem Bericht der „Illertisser Zeitung“
Ein Jahr Vorbereitung seit dem Grundsatzbeschluss
Seit der Zustimmung des Gemeinderats im Frühjahr des vergangenen Jahres hat sich hinter den Kulissen einiges getan. Vertreter von Stadt, Verein und weiteren Beteiligten trafen sich regelmäßig, um Details abzustimmen. Parallel wurden Marktanalysen zu möglichen Tribünenlösungen erstellt, Planungen für neue Funktionsbereiche vorangetrieben und technische Untersuchungen vorgenommen. Dazu gehörten unter anderem Prüfungen des Baugrunds, Gutachten zur Lärmentwicklung sowie eine Bestandsaufnahme der bestehenden Versorgungsleitungen.
Auch rechtliche und organisatorische Fragen wurden geklärt. So wurde der Stadionbetrieb inzwischen neu strukturiert. Die Stadt fungiert nun in erster Linie als Eigentümerin und Vermieterin, während eine städtische Gesellschaft die operative Verantwortung übernommen hat.
Baustart erst in einigen Jahren vorgesehen
Der eigentliche Umbau ist nicht kurzfristig geplant. Zunächst soll eine der Tribünenseiten abgerissen und neu errichtet werden, bevor in einem zweiten Schritt die gegenüberliegende Seite folgt. Eine zentrale Zuschauertribüne bleibt nach aktuellem Stand unverändert bestehen. Insgesamt erstreckt sich das Projekt über mehrere Bauphasen und dürfte sich bis in die späten Jahre des Jahrzehnts hinziehen.
Die Kosten werden auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag geschätzt. Ein Teil davon wird durch Fördermittel gedeckt, den Großteil trägt zunächst die Kommune. Der Verein wiederum soll sich langfristig finanziell beteiligen und über mehrere Jahre hinweg einen erheblichen Anteil der Investitionen zurückzahlen. Hinzu kommt eine regelmäßige Nutzungsgebühr für den Spielbetrieb.
Wirtschaftlicher Druck könnte steigen
Sollte der sportliche Abstieg Realität werden, würde sich die finanzielle Lage des Klubs spürbar verschlechtern. Sinkende Einnahmen aus Vermarktung, Sponsoring und Medienrechten könnten die geplanten Rückzahlungen erschweren. Damit wächst auch die Herausforderung, die vereinbarten Verpflichtungen rund um das Stadionprojekt zu erfüllen.
Gleichzeitig zeigt der aktuelle Stand der Planungen, dass das Vorhaben als langfristige Investition in die Sportinfrastruktur gedacht ist. Die Stadt setzt damit auf Kontinuität und signalisiert, dass der Umbau nicht allein vom sportlichen Erfolg des Profiteams abhängt. Ob diese Strategie trägt, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen, wenn sportliche Realität und finanzielle Planung aufeinandertreffen.
