Eigentlich sollte am Nachmittag Klarheit herrschen. Doch statt eines Urteils sorgten technische Schwierigkeiten für eine unerwartete Verzögerung im arbeitsrechtlichen Streit rund um den VfL Osnabrück. Der Fall zieht sich damit weiter hin und bleibt sportlich wie juristisch brisant.
Urteil vertagt: Technik stoppt Entscheidung
Am Arbeitsgericht in Osnabrück war alles vorbereitet: Nach intensiver Beweisaufnahme sollte am frühen Nachmittag die Entscheidung im Verfahren zwischen VfL Osnabrück und seinen ehemaligen Trainern Marco Antwerpen sowie Frank Döpper verkündet werden. Doch dazu kam es nicht. Grund waren technische Probleme am Gericht, die eine planmäßige Urteilsverkündung verhinderten.
Damit bleibt ein Verfahren offen, das seit Monaten für Diskussionen sorgt und weit über den Verein hinaus Beachtung findet.
Der Auslöser: Ein Pokalfinale mit Folgen
Im Zentrum steht das Endspiel um den NFV-Pokal zwischen dem Drittligisten Osnabrück und dem Regionalligisten TuS Blau-Weiß Lohne. Ein Spieler, der zu diesem Zeitpunkt von Osnabrück an Lohne ausgeliehen war, sollte nach der Saison zurückkehren. Im Vorfeld des Spiels kam es jedoch zu einem Vorfall, der später weitreichende Konsequenzen hatte.
Demnach soll der damalige Cheftrainer Antwerpen im Beisein seines Assistenten Döpper den Reha-Trainer angewiesen haben, dem ausgeliehenen Spieler von einem Einsatz im Finale abzuraten. Nach Darstellung des Vereins sei dabei sogar angedeutet worden, der Spieler könne eine Verletzung vortäuschen. Antwerpen soll diese Haltung wenige Tage vor dem Spiel nochmals bekräftigt haben.
Spielverlauf verschärft die Situation
Der betroffene Spieler ließ sich davon nicht beeinflussen. Er stand im Finale auf dem Platz und traf entscheidend zum Sieg für Lohne. Kurz darauf zog der Verein Konsequenzen: Osnabrück trennte sich fristlos von seinem Trainerteam. Der Vorwurf wog schwer. Aus Sicht des Klubs handelte es sich um einen Versuch, in den sportlichen Wettbewerb einzugreifen.
Sportgericht urteilt differenziert
Auch sportrechtlich wurde der Fall aufgearbeitet. Das DFB-Bundesgericht bewertete das Verhalten von Antwerpen als unsportlich, sah jedoch keinen klaren Beleg für eine gezielte Manipulation des Spielergebnisses. In der Urteilsbegründung hieß es sinngemäß, der Trainer habe erkennen müssen, dass sich aus „dem lockeren Gerede im Team“ eine problematische Situation entwickeln könne. Die Folge war eine mehrmonatige Sperre für Antwerpen. Gegen Döpper wurden hingegen keine Maßnahmen verhängt.
Streitpunkt vor dem Arbeitsgericht
Vor dem Arbeitsgericht ging es nun um die arbeitsrechtliche Dimension. Beide Trainer wehren sich gegen ihre fristlose Kündigung und bestreiten die zentralen Vorwürfe. Insbesondere die angeblichen Aussagen gegenüber dem Reha-Trainer werden von ihrer Seite infrage gestellt.
Während der Verhandlung wurden mehrere Zeugen gehört, deren Aussagen nun sorgfältig ausgewertet werden müssen. Eine Entscheidung fiel zunächst nicht, stattdessen wurde ein Termin zur Urteilsverkündung angesetzt, der nun vorerst geplatzt ist.
Neuer Termin und Hintergründe der Störung
Inzwischen hat das Arbeitsgericht in Osnabrück einen neuen Termin bestimmt: Die Verkündung ist nun für den Vormittag des 2. April angesetzt. Ob dabei bereits eine abschließende Entscheidung fällt oder zunächst über eine mögliche Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung entschieden wird, bleibt offen. Auf Nachfrage von Liga3-News heißt es dazu lediglich, dass hierzu vorab keine Angaben gemacht werden können.
Inzwischen ist die Ursache für die kurzfristige Verschiebung klarer: Wie Liga3-News erfahren hat, waren mehrere Anwendungen rund um die elektronische Aktenführung betroffen, die zeitweise nicht erreichbar waren. Eine inhaltliche Bearbeitung des Falls war unter diesen Umständen nicht möglich. Die technischen Probleme sind nach Angaben des Gerichts mittlerweile behoben.
Mit dem neu angesetzten Termin rückt die Entscheidung wieder näher. Gleichzeitig zeigt der Vorfall, wie stark auch die Justiz inzwischen von funktionierender digitaler Infrastruktur abhängig ist, gerade in umfangreichen Verfahren mit zahlreichen Zeugenaussagen und komplexer Beweislage.
