Rot Weiss Essen steht vor dem nächsten Härtetest. Nach dem emotionalen Derby-Sieg gegen Duisburg wartet nun auswärts in Schweinfurt ein Spiel, das auf den ersten Blick leichter wirkt, es aber keineswegs sein muss. Kurz vor der Reise gab es zudem noch schlechte Nachrichten aus dem Angriff.
Zwischen Derby-Euphorie und Pflichtaufgabe
Die Kulisse wird eine andere sein, die Bedeutung bleibt jedoch ähnlich groß. Nur wenige Tage nach dem umjubelten Erfolg gegen den MSV Duisburg muss Rot Weiss Essen erneut liefern, diesmal beim 1. FC Schweinfurt 05. Der Tabellenletzte kämpft zwar gegen den Abstieg an, hat sich zuletzt vor eigenem Publikum aber stabiler präsentiert als es die Platzierung vermuten lässt.
Gerade in Heimspielen zeigen die Schweinfurter derzeit, dass sie sich nicht kampflos aus der Liga verabschieden wollen. Mehrere ordentliche Auftritte vor eigenem Publikum sind Warnsignal genug für die Essener, die im Aufstiegsrennen keinen Ausrutscher gebrauchen können.
Großer RWE-Support auch in Unterfranken
Auf Unterstützung von den Rängen kann sich die Mannschaft auch in Bayern verlassen. Rund 1000 Anhänger werden Rot Weiss Essen nach Schweinfurt begleiten. Ein Großteil der Tickets war bereits vorab vergriffen, weitere Karten sind kurzfristig noch vor Ort erhältlich. In dieser Phase der Saison ist das ein wichtiger Faktor. Die Mannschaft befindet sich mitten im Rennen um die Spitzenplätze, jede Partie trägt zusätzliches Gewicht, jede Unterstützung kann ein paar Prozentpunkte mehr Energie freisetzen.
Kurzfristiger Ausfall im Angriff
Vor der Abfahrt musste RWE allerdings einen Rückschlag hinnehmen. Stürmer Jaka Cuber Potocnik konnte die Reise nicht antreten, weil er kurzfristig erkrankt ist. Der junge Angreifer fehlte deshalb im Mannschaftsbus, der sich am Montag in Richtung Schweinfurt auf den Weg machte. Trainer Uwe Koschinat schilderte die Situation offen. Man habe zu Wochenbeginn die schlechte Nachricht erhalten, dass der Offensivspieler seit Sonntag mit Fieber zu kämpfen habe. Zwar sei die Temperatur wieder gesunken, dennoch verhinderten deutliche Beschwerden einen Einsatz und sogar die Mitreise. Zugleich machte der Coach klar, dass die Hoffnung auf eine rechtzeitige Rückkehr bis zum nächsten Heimspiel noch nicht aufgegeben ist.
Defensiv mehr Optionen, offensiv mehrere Lösungen
Abgesehen vom Ausfall des Angreifers entspannt sich die personelle Lage bei den Essenern. José Enrique Rios Alonso und Michael Kostka stehen nach ihren Sperren wieder zur Verfügung. Auch Marek Janssen und Jannik Hofmann, die zuletzt nicht bei voller Belastbarkeit waren, gelten wieder als einsatzfähig. Das verschafft Koschinat neue Möglichkeiten. Besonders interessant ist die Lage auf der rechten Seite der Defensive. Gegen Duisburg hatte dort Ben Hüning begonnen, eigentlich eher im Zentrum zuhause.
Der Winterzugang überzeugte in dieser Rolle jedoch mit Präsenz, Zweikampfstärke und viel Wirkung in der Luft. Koschinat lobte ihn ausdrücklich und betonte, dass Hüning mit seinem Kopfballspiel zusätzliche Elemente ins Team bringe, die auf dieser Position nicht selbstverständlich seien.
Safi als Alternative, Janssen wieder bereit
Auch im Sturmzentrum ist Essen nicht ohne Optionen. Marek Janssen traut der Trainerstab inzwischen wieder einen Einsatz von Beginn an zu. Sollte dennoch eine andere Lösung gefragt sein, könnte Ramien Safi in die Spitze rücken. Koschinat verwies dabei auf frühere Auftritte des Offensivspielers in dieser Rolle und erinnerte an eine starke Vorstellung gegen Bochum. Die Botschaft ist klar: Trotz des Ausfalls von Potocnik bleibt Essen im Angriff handlungsfähig.
Rotation ja, aber mit Augenmaß
Nach den intensiven Wochen und dem kräftezehrenden Derby denkt der Trainer zwar über Veränderungen nach, einen größeren Umbau der Mannschaft plant er aber nicht. Vielmehr deutet alles auf behutsame Anpassungen hin. Das spricht auch für das aktuelle Selbstverständnis des Teams. Denn Essen wirkt derzeit gefestigt. Die Ergebnisse stimmen, die Körpersprache passt, und innerhalb des Kaders wächst sichtbar das Vertrauen in die eigene Breite. Genau darin könnte nun ein entscheidender Vorteil liegen, wenn es darum geht, den Derby-Schwung in einen weiteren wichtigen Sieg zu verwandeln.
Am Ende dürfte in Schweinfurt weniger die Tabelle als vielmehr die Haltung entscheiden. Für Rot Weiss Essen geht es darum, nach einem emotionalen Höhepunkt sofort wieder in den Arbeitsmodus zu schalten. Wer oben mitspielen will, muss genau solche Spiele annehmen, nüchtern, konzentriert und ohne den Gegner zu unterschätzen.
